"Ich hab meine Schläger verschenkt"

RĂĽcktritt vom RĂĽcktritt: Die Nummer 13 der Ă–TV-Rangliste ist zurĂĽck. Dr. Walter Treu im tennisweb.at-Interview ĂĽber seinen Alptraum-Trip nach Deutschland und seine Zukunft.

Walter, du warst jetzt einige Monate beruflich in Deutschland. Wie man hört, bist du zurück in Österreich. Wie kam es dazu?
Am Mittwoch vor einer Woche bin ich zurückgekommen. Es hat sich alles ganz kurzfristig ergeben: Ich hab seit drei Monaten in einem Spital in Deutschland gearbeitet und bekam einen Anruf, in Wien wäre eine Stelle frei ...

Und du hast gleich zugesagt?
Wenn ich in Österreich nichts bekommen hätte, wäre ich natürlich dort geblieben. Ich muss ja irgendwo arbeiten und Geld verdienen. Aber auf lange Sicht hätte ich nicht in Zell an der Mosel bleiben können.

Weil?
Die Arbeit in Deutschland war echt hart, ich hatte jeden Tag von 7:30 bis 18 Uhr Dienst. Freizeittechnisch gab's in dem Kaff nichts zu tun. Dort sind nur Weinberge und Weinbauern und eben ein Spital. Die nächsten größeren Städte sind Trier und Koblenz, die sind jeweils zirka 100 Kilometer entfernt.

Hast du das vorher gewusst?
Bevor ich in Deutschland angefangen hab, war ich vielleicht zwei Stunden dort. Ich hab mir im Sommer ein Auto gekauft, bin mit all meinem Hab und Gut nach Zell an der Mosel gefahren, ohne zu wissen, was mich wirklich erwartet. Mein Bewegungsradius hat dann dort etwa 300 Meter betragen: Ich hab im Wohnheim vom Spital gewohnt und bin von dort nur zur Arbeit gegangen oder in den Supermarkt – da hat man sich getroffen.

Wie meinst du das?
Es gab dort nichts, kein Kaffeehaus oder Lokal. Da haben sich halt alle Leute im Supermarkt getroffen. Allerdings war der Altersschnitt recht hoch, ich hab in den drei Monaten ganze zwei etwa gleichaltrige Leute kennengelernt.

Wie bist du auf das Spital gekommen?
Ăśbers Internet. Witzig ist, dass die meisten anderen Ă„rzte auch aus dem Ausland waren. Es gab eine deutsche Ă„rztin, sonst kamen die aus dem Jemen oder so.

Und das Tennis hat natĂĽrlich gelitten ...
Ich hab zwei Mal Tennis gespielt. Ein Mal mit meinem Chef, einmal in Trier in einem Club mit Spielern auf Landesliga B-Niveau. Aber dafür 80 Kilometer zu fahren, zahlt sich nicht aus. Vor drei Wochen hab ich dann meine neuen Schläger verschenkt. Ich hab mir gedacht, dort brauch ich sie eh nicht.

Und, brauchst du inzwischen wieder Schläger?
Heute hab ich zum ersten Mal Tennis gespielt, mit David Simson bei Michael Oberleitner im Leistungszentrum. Aber halt ohne eigenen Schläger. Jetzt bin ich am Testen.

Dr. Walter Treu zieht wieder durch auf den österreichischen Tennisplätzen.
Was sind deine Ambitionen im Tennis?
Nächstes Jahr spiel' ich wieder Meisterschaft beim Park Club auf eins, außerdem in Deutschland bei Backnang und eventuell in der Schweiz bei Solothurn.

Wann steht dein nächstes Turnier an?
Hier bleibt mir neben der Turnus-Ausbildung wohl etwas Zeit fĂĽrs Tennis. Aber ich denke, Turniere werden sich nicht ausgehen. Ich muss schauen, dass ich zu den Liga-Terminen frei bekomme.

Wo arbeitest du jetzt?
Ab 18. Dezember bin ich im evangelischen Krankenhaus in Wien. Margit Hauser vom Wiener Park Club hat mir da sehr geholfen, danke an dieser Stelle. Drei Jahre mache ich die Turnus-Ausbildung, dann werde ich sehen ob ich praktischer Arzt werde, oder eine Facharzt-Ausbildung anhänge. Und darf ich noch etwas in eigener Sache loswerden?

Bitte ...
Derzeit bin ich auf Wohnungssuche, das ist in Wien gar nicht so einfach – wenn man nicht so viel Geld zur Verfügung hat. Vielleicht hat ja einer eurer Leser einen Tipp für mich ...

Interview: Peter Robic




zurück zur Übersicht