Martin Fischer: "Dreimal Armkreisen reicht nicht mehr"

Jahresbilanzen 2007 – Teil 6: Martin Fischer ist einer der größten Hoffnungsträger im österreichischen Tennis. Der Vorarlberger erreichte im November mit Platz 257 seine bisher beste Platzierung im ATP-Ranking. Fischer schaffte auch den Sprung auf die Challenger-Ebene und stand dort bereits dreimal im Viertelfinale. Im Gespräch mit tennisweb.at sprach der 21-Jährige über seinen durchwachsenen Sommer, den Tour-Alltag und warum es trotzdem schön ist, ein Tennisprofi zu sein.

Wie läuft die Vorbereitung auf die kommende Saison?
Nach Helsinki habe ich 10 Tage Pause gemacht, mich gut erholt und danach gleich wieder mit dem Training begonnen. Durch die Australian Open-Quali geht die Saison ja schon wieder sehr früh los für mich. Vor allem die vier Wochen vor Weihnachten sind sehr intensiv gewesen und an die Substanz gegangen. Aber ich bin bisher sehr zufrieden mit der Vorbereitung.

In der vergangenen Saison hast du dich zwischenzeitlich bis auf Rang 257 gespielt. Wie fällt dein Resümee aus?
Die Saison hat schon mit dem Sieg in Bergheim gut begonnen. Im März habe ich dann bei zwei 15.000ern in Russland sehr gut abgeschnitten, das war von den Punkten wahrscheinlich die wichtigste Woche. Bei drei Challenger-Turnieren habe ich jeweils das Viertelfinale erreicht. Ich brauche mich auf Challenger-Ebene sicher nicht verstecken, der Umstieg ist mir also gelungen. Im nächsten Jahr möchte ich in Richtung Turniersieg gehen.

Was sind die Schwierigkeiten beim Umstieg auf die Challenger-Ebene?
Challenger ist einfach die nächste Stufe. Die Spieler haben schon ein anderes Umfeld und es ist um einiges professioneller. Zu Futures fahren einige Spieler gemeinsam ohne Coach, schlagen sich ein bisschen ein und spielen dann ihr Match. Bei einem Challenger reicht dreimal Armkreisen dann nicht mehr.

Du hattest im Sommer ein kleines Tief, was waren die Ursachen dafür?
Für so eine lange Saison fehlt mir derzeit noch die Konstanz. Außerdem habe ich im Sommer zu viele Turniere auf Sand bestritten. Das liegt mir nicht so, weil ich nicht der Typ bin, der sie dort alle wegmachen kann. Dann bin ich relativ unvorbereitet zur US Open-Quali gefahren um Erfahrung zu sammeln. Nach dem Aus habe ich mir ein Timeout genommen.

Wie hast du die Zeit genutzt?
Nach New York habe ich einfach Zeit für mich gebraucht um abzuschalten. Ich hab keinen Ball mehr sehen können, war nur wenig laufen, golfen und hab mich mit Freunden getroffen. Manchmal muss man einfach raus aus diesem Trott und weg vom Tennisplatz.

Warum ist es danach wieder besser gelaufen?
Ich bin dann ohne Betreuer nach Frankreich gefahren und auf Hartplatz geblieben. Bei den Turnieren in Nottingham hat es mir wieder so richtig Spaß gemacht. Da weiß man dann wieder zu schätzen, was für einen schönen Beruf man hat. Immerhin mache ich das, was andere nur als Hobby machen - ich weiß ja auch, warum ich es tue.

Warum tust du es?
Ich möchte später Erfolg haben und es unter die Top 100 schaffen. Das ist das Ziel von jedem Tennisspieler und damit können die Leute etwas anfangen. Wenn man das geschafft hat und sich dort etabliert, dann kann man gut davon leben – darauf arbeitet man hin um auch größere Erfolge zu feiern. Die weniger schönen Dinge wie Kraft- und Ausdauertraining bringt man so leichter hinter sich, aber das gehört dazu.

Gibt es einen Traum, den du dir in deiner Karriere verwirklichen willst?
Bei der US Open-Quali waren am Kids-Day 10.000 Besucher und die Stimmung war schon ein Wahnsinn. Ein Traum wäre es natürlich einmal im Hauptbewerb in einem der großen Stadien zu spielen. Wenn das gelingt, dann hat man entweder ein Traumlos oder man ist selber so gut, dass man auf dem Center Court spielen darf.

Du hast im vergangen Jahr mit Philipp Oswald Erfolge im Doppel gefeiert, beeinflusst das auch deine Turnierplanung?
Das Einzel hat natürlich Priorität, aber bei unseren gemeinsamen Turnieren möchte ich weiterhin viel Doppel spielen, weil wir ja auch sehr gut eingespielt sind. Allerdings brauchst du im Doppel sehr große Erfolge, um wahrgenommen zu werden.

Ihr habt in der Südstadt zuletzt mit Julian Knowle trainiert. Was kannst du von ihm lernen?
Er hat heuer sehr viel erreicht und ist trotzdem auf dem Boden geblieben und unterstützt die jungen Spieler sehr. Vom Spiel her kann man sich beim Return und beim Volley einiges abschauen. Seine Reaktionsschnelligkeit und der Return sind einfach unglaublich, da habe ich mir schon den einen oder anderen Tipp geholt.

Wie schaut der Tour-Alltag mit deinen Kollegen aus?
Mit "Dorfer" (Anm: Thomas Weindorfer) wird dir nie langweilig. Wir haben zwischendurch unsere "Stupid-Games" damit es nicht fad wird. Den Tennisball mit zweimal aufkommen im Mistkübel versenken oder ein "Kickerl" in der Kabine. Die Abwechslung braucht man, sonst kann das Leben auf der Tour zwischen Hotel und Tennisplatz ziemlich mühsam werden.

Welche Rolle nimmst du in eurer Gruppe ein? Zählst du dich eher zu den ruhigeren Spielern?
Nach dem Training oder nach einem Match gehört Schmäh führen sicher dazu und da mache ich gerne mit. Privat bin ich aber eher ein ruhiger Typ, der auch gerne einmal etwas mit Freunden oder der Freundin unternimmt. Da ich viel unterwegs bin freue ich mich, wenn ich auch mal andere Gesichter sehe.

Welcher Typ bist du auf dem Platz?
Auf dem Platz muss ich teilweise schauen, dass ich nicht zu lethargisch werde. Die Emotionen sollen nur kommen wenn ich sie brauche. Wenn es schlecht läuft ist es aber schwer die negativen Emotionen aus dem Spiel zu lassen. Da muss ich dann aufpassen, dass ich nicht mein größter Gegner werde.

Was muss passieren, damit du in einem Jahr zufrieden auf die Saison blicken kannst?
Ich muss mich als Spieler immer weiterentwickeln und sehen, dass es voran geht. Wenn ich ein besserer Spieler werde, dann kommt das Ranking von alleine. Ich bin zufrieden wenn ich sehe, dass ich mich verbessere. Ich möchte am Ende der Saison nicht dasitzen und darüber nachdenken, was falsch gelaufen ist.

Das Gespräch führten: Andreas Simon, Bernt Baumgartner


Der direkte Link zur Activity von Martin Fischer.


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