Armin Sandbichler: Die Kämpfernatur zeigt es seinen Kritikern
Jahresbilanzen 2007 – Teil 4: Zu Beginn der Saison 2007 stand Armin Sandbichler auf Platz 560 in der Weltrangliste. Knapp zwölf Monate später hat sich der 22-Jährige auf Rang 462 hochgearbeitet, zwischenzeitlich stand er schon auf dem 421. Platz. Im Interview mit tennisweb.at erzählt Armin, wie es 2008 weiter nach oben gehen soll, was er seinen größten Kritikern zu sagen hat, und wie sein Leben auf der Tour und abseits des Tennisplatzes aussieht.

Du hast heuer mit ATP-Rang 421 ein neues Career High erreicht. Wie zufrieden bist du mit dem Jahr 2007?
Ich bin bei den zwei 15.000er-Turnieren in England gleich gut in die Saison gestartet. Ich habe dort zwei Leute geschlagen, die im Ranking knapp hinter 200 gestanden sind. Danach habe ich versucht mich auf der Challenger-Ebene zu etablieren, was mir auch gut gelungen ist.
Was ist das Schwierige am Umstieg von den Future- auf die Challenger-Turniere?
Bei den Futures sind die ersten ein, zwei Runden oft recht einfach. Da sind manchmal Spieler dabei, denen das Tennis nicht so viel bedeutet und die nicht wegen dem Berufssinn dabei sind. Bei den Challengern sind die Spieler sehr konstant und es ist schwer ins Viertelfinale aufzusteigen, weil die ersten zwei Gesetzten oft auf 50 oder 60 in der ATP-Rangliste stehen.
Am Ende der Saison hast du gegen die Top-Leute Dudi Sela (ATP 64) und Yen-Hsun Lu (ATP 110) gut mitgehalten, aber verloren. Was hast du bei diesen Matches gelernt?
Ich habe gesehen, dass ich auf dem Niveau mithalten kann. Das war sehr positiv. Aber mein ganzes Spiel muss noch konstanter werden, dass ich diese Leute auch schlagen kann. Sela beispielsweise hat eine hohe Aufschlagkonstanz und weiß, was er in welchen Situationen zu spielen hat.
Wie arbeitest du an deiner Konstanz?
Die Konstanz kommt am ehesten durch Matches. Im Training kann man daran nicht arbeiten, dort versucht man das Technische zu optimieren und es dann in den Punkten umzusetzen. Die Konstanz hängt auch davon ab, wie viele Partien man am Anfang des Jahres in Folge gewinnen kann. Wenn man da ein, zwei Runden weiter kommt, dann hat man ein gutes Gefühl und kann das Level meistens auch halten.
Vor einem Jahr wurdest du in der Stadthalle für deine Technik hart kritisiert? Was antwortest du deinen Kritikern?
Indirekt war die Kritik ja auf die Trainer bezogen und sie ist mir auch nicht Zwei Future-Finali in Jersey und Telfs waren Armins Top-Resultate 2007 nahe gegangen, aber nett war sie nicht. Man kann die Kritik sowieso nur positiv aufnehmen. Ich weiß meine Schwächen, an denen ich arbeiten muss. Aber wenn mit der Kritik versucht wird, jemanden runter zu ziehen, ist das nicht in Ordnung. Ich stehe jetzt auf Platz neun in Österreich: Ich weiß nicht, ob das diese Leute schon geschafft haben.
Was musst du an deinem Spiel verbessern?
Ich muss versuchen mit der Vorhand Druck zu machen oder den Punkt abzuschließen. Ansonsten möchte ich viel ans Netz vorrücken und an meinem Linkshänder-Aufschlag weiter arbeiten.
Was ist deine größte Stärke?
Meine Kämpfernatur: Ich fighte um jeden Punkt und man kann mich nicht einfach wegschießen.
Welcher Typ bist du privat?
Wenn ich zuhause bin, versuche ich meine Freizeit meiner Freundin und den Freunden zu widmen. Zur Entspannung spiele ich gerne Hallenfußball oder ich gehe ins Kino.
Wie schwierig ist es eine Beziehung zu führen, wenn du das ganze Jahr unterwegs bist?
Meine Freundin versteht das, sie spielt selber Tennis in der Tiroler Landesliga A. Sie weiß, dass das Reisen sein muss und unterstützt mich dabei auch. Wenn ich sagen müsste "Ich habe Angst, dass ich die Freundin nach einer langen Reise nicht mehr habe", dann wäre es keine gute Beziehung.
Unternimmst du auch mit den Südstadt-Kollegen viel, wenn du zu Hause bist?
Es ist sehr schwierig, weil wir alle aus anderen Bundesländern stammen. Andi ist aus Niederösterreich, "Ossi" und Martin aus Vorarlberg. "Eitzi" ist zwar auch aus Tirol, aber Schwaz ist ein bisschen weiter weg. Ich unternehme einiges mit Christoph Steiner, einem sehr guter Freund von mir. Wir spielen in der gleichen Mannschaft in Vandans (Vorarlberg).
Wie verstehst du dich mit deinen Teamkollegen?
Die Südstadt-Gruppe ist sehr eingeschworen. Wir unternehmen auf der Tour viel miteinander, um die Gemeinschaft zu fördern. Ansonsten würden wir uns nicht wohl fühlen und es wäre mit uns wahrscheinlich nicht so weit nach oben gegangen. Wenn die Stimmung passt, bringt man im Match leichter eine gute Leistung.
Wie haltet ihr euch bei den Turnieren bei Laune?
Wenn wir länger unterwegs sind, werden schon mal ein paar Schmähs gerissen. Oft spielen wir zum Aufwärmen Fußball-Tennis, oder am Abend noch ein Kleinfeld-Doppel bis es dunkel wird. Wenn man nur die Turniere spielt und sonst nichts unternimmt, wird das irgendwann langweilig.
Zur Zukunft: Wie schaut der Turnierplan fürs nächste Jahr aus?
Wir werden mit zwei 15.000ern in China beginnen. Danach möchte ich vermehrt zu den Challenger-Turnieren fahren und mich dort hinauf arbeiten.
Warum startet ihr gerade in China?
Mir liegt Hartplatz mehr, weil ich flacher und schneller spiele. Andi (Anm.: Haider-Maurer) ist beispielsweise besser auf Sand.
Was sind deine Ziele in den nächsten Jahren?
Nächste Saison möchte ich unter die besten 250 kommen, dass ich bei den Challengern im Hauptbewerb bin. Das langfristige Ziel ist der Einzug unter die Top 100, diesen Traum hat jeder Tennisprofi.
Das Gespräch führten: Andreas Simon, Bernt Baumgartner
Der direkte Link zur Activity von Armin Sandbichler.
Foto: www.utc-vandans.at
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