Andreas Haider-Maurer: "Spielerisch habe ich die Top 100 schon drauf"

Jahresbilanzen 2007 – Teil 3: Der Niederösterreicher Andreas Haider-Maurer darf wieder auf eine erfolgreiche Saison zurückblicken. Der 20-Jährige erreichte mit Platz 230 wieder ein neues Career High in der Weltrangliste und ist zurzeit die Nummer sieben von Österreich. Kurz vor Weihnachten erzählte er dem Team von tennisweb.at, was er noch braucht, um unter die Top 100 der Welt einzuziehen, warum ihn viele mit Younes El Aynaoui vergleichen und Nalbandian und Nadal seine Vorbilder sind.

Andreas, du hattest eine lange Saison mit 32 internationalen und drei nationalen Turnieren. Was waren deine positivsten Ereignisse?
Die Höhepunkte waren sicher das Challenger-Finale in Düsseldorf, der gute Umstieg von der Future- auf die Challenger-Ebene in Graz und die zwei Future-Titel in L’Aquila (ITA) und Irdning (AUT).

Warum ist es gerade in DĂĽsseldorf so gut gegangen? Dort bist du ja nur als Lucky Loser in das Hauptfeld gerutscht.
Als Lucky Loser habe ich mir nicht mehr viel erwartet, weil ich auch ohne Trainer dort war. Ich habe dann einfach locker gespielt.

Kannst du dir erklären, warum es bis Mitte Mai nicht so gelaufen ist?
Ich war sehr unkonstant, ich habe sehr gute Leute geschlagen, aber auch gegen nicht so gute verloren. Außerdem habe ich aufgrund eines Schlägerwechsels zu Prince etwa zwei Monate verloren.

Was war das Problem?
Der Prince O3 ist ein guter Schläger. Unter Trainingsbedingungen ist es
Zu Jahresbeginn 2007 ging Andi nichts auf.
immer gut gegangen, im Match habe ich den Schläger aber nie probiert. Bei der Future-Serie in Russland im April habe ich gemerkt, dass ich dem Schläger in engen Situationen nicht vertrauen kann.

Was war der Knackpunkt, dass es wieder besser geworden ist?
Nachdem ich Mitte der Saison zum Head Prestige gewechselt bin, ist es mir dann wieder aufgegangen. Ich war konstant und habe auch die "leichten" Gegner geschlagen, das wirkte sich dann auch aufs Ranking aus.

Was wĂĽrdest du im Nachhinein anders machen?
Abgesehen vom Schlägerwechsel habe ich im ersten Halbjahr teilweise zu viele Turniere auf schnellen Böden gespielt, die mir nicht so entgegen gekommen sind.

Im Sommer bist du von den Future-Turnieren auf Challenger umgestiegen? Was ist das Schwierige bei diesem Umstieg?
Es gibt dort keine Spieler mehr, die es nicht freut und einmal eine Partie runterleeren. Es ist alles professioneller und das Niveau um zwei Klassen höher. Man kann nicht zu einem Challenger hinfahren und sagen: "Wenn ich eine gute Auslosung habe, schaffe ich das locker." Schwächelt man eine Partie, dann verliert man.

Beim 29.750 Euro+H-Turnier in Bukarest hast du gegen Victor Hanescu, mittlerweile wieder die Nummer 76 der Welt, hauchdünn in drei Sätzen verloren.
Das war mit Abstand die beste Partie, die ich heuer gespielt habe. Hanescu hat das Turnier dann ja sehr klar gewonnen. Im zweiten war ich schon 5:4 und 6:5 vorne und ganz knapp am Sieg dran.

Woran musst du noch arbeiten, dass auch du unter den Top 100 stehst?
Vor allem an der Konstanz. Die Leistungen bei den Turnieren in DĂĽsseldorf
In DĂĽsseldorf erreichte "AHM" sein erstes Challenger-Finale.
und Graz muss ich ĂĽber ein halbes oder dreiviertel Jahr bringen, und nicht nur zwei Monate. Vom Spielerischen habe ich die Top 100 sicher drauf, also brauche ich mich auf der Challenger-Tour vor niemandem fĂĽrchten.

Wie willst du deine Konstanz verbessern?
Die mentale Stärke ist dabei ganz wichtig. Wenn man 15 Partien in drei Wochen hat, geht das oft ziemlich an die Substanz. Im elften Match ist man im Kopf manchmal schon müde, das passiert einem Top 100-Spieler nicht.

Wie schaut das mentale Training genau aus?
Wir versuchen viel zu visualisieren, uns Punkte vorzustellen. Seit einem Jahr trainiere ich im mentalen Bereich wirklich intensiv, drei Stunden in der Woche. Es hat mich sehr viel weiter gebracht.

Wie läuft die Vorbereitung auf die neue Saison?
Seit zwei Wochen ist Aufbautraining. Momentan liegt der Schwerpunkt auf der Kondition, diese Woche spielen wir schon zweimal am Tag Tennis.

Sprechen wir ein bisschen über deine Persönlichkeit: Wie würdest du dein Verhalten am Platz beschreiben?
Emotionsvoll. Es kommt schon einmal vor, dass ich mich viel ärgere. Das habe ich aber jetzt schon mehr im Griff als früher.

Und auĂźerhalb des Tennisplatzes?
Privat bin ich eher zurĂĽckhaltend.

Hast du ein Vorbild?
Nalbandian und Nadal mag ich am meisten, obwohl sie nicht so spielen wie ich. Mir gefällt ihr Verhalten am Platz und ihre Spielanlage.

Was bist du fĂĽr ein Spielertyp?
Ein offensiver. Ich versuche mit dem Aufschlag viel zu punkten. Viele vergleichen mich mit Younes El Aynaoui. Er macht auch mit der Vorhand viel Druck, und sein Aufschlag und seine Rückhand sind mir sehr ähnlich.

AbschlieĂźend noch kurz zur Zukunft: Wo startest du in die neue Saison?
Die Australian Open werde ich diesmal auslassen. Mir ist die Turnierserie in SĂĽdamerika wichtiger, weil ich dort auf Sand spielen und Punkte sammeln kann.

Was sind deine Ziele fĂĽr 2008 und die Jahre darauf?
Ich möchte mehr ATP-Qualis spielen, mich spielerisch steigern, dann kommt das Ranking von selber. Irgendwann möchte ich einmal in die Top 20 kommen. Das träume ich schon, seit ich Tennis spiele.

Das Gespräch führten: Bernt Baumgartner, Andreas Simon



Der direkte Link zur Activity von Andreas Haider-Maurer.



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