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Philipp Oswald und sein Knoten
Der Vorarlberger nach dem Überraschungssieg über Martin Fischer im Interview über seine Krise auf internationaler Ebene, Selbstvertrauen, Ziele. Und seine Chancen gegen Titelverteidiger Thomas Schiessling.

Philipp Oswald sorgt bei den österreichischen Hallen-Meisterschaften für Furore. Der 21-jährige Feldkircher überzeugte in Neusiedl am See Partie für Partie nicht nur mit seinem bärenstarken Aufschlag, sondern auch mit krachenden Returns und solidem Grundlinienspiel. Christian Magg stand in Runde eins auf verlorenem Boden, Christoph Steiner in Runde zwei letztendlich auch. Im Viertelfinale eliminierte der Südstädter nun sogar seinen international bisher weitaus erfolgreicheren Freund und Trainingspartner, den topgesetzten Vorarlberger Martin Fischer. Das nahm tennisweb.at zum Anlass, um "Ossi" zum Gespräch zu bitten.
6:4, 6:2 gegen Martin Fischer: Du scheinst dich in deinem selbsterklärten Wohnzimmer wieder sehr wohl gefühlt zu haben ...
Kann man so sagen. Ich hab vier Breaks gemacht und meinen Aufschlag selbst nur einmal abgegeben. Das war sicher eine sehr starke Leistung von mir.
Hättest du vorher erwartet, dass es gegen Martin eine recht glatte Sache wird?
Nein, ich hab das als völlig offene Partie gesehen. Aber mich in der Halle hier zu breaken, das dürfte nicht so leicht sein.
Wenn man nach den bisherigen Leistungen in Neusiedl am See geht, war der Sieg aber gar nicht so überraschend, oder?
Ich würde Martins Matches davor (Anm.: 6:4, 6:4 gegen Florian Farnleitner, 7:6, 6:1 gegen Niki Moser) nicht überbewerten. Er hat zweimal als klarer Favorit gegen Jüngere gespielt. Die können gegen ihn locker drauf losspielen, haben nichts zu verlieren. "Fisch" hat hingegen gewusst, dass er das normal nicht verlieren kann. Da ist es dann oft nicht so leicht, seine beste Leistung zu bringen.
International läuft es bei dir schon länger nicht wirklich rund, du warst erst einmal in einem Future-Halbfinale. Bei den etwa gleich gut besetzten österreichischen Hallen-Meisterschaften kommst du aber auf Anhieb wieder unter die letzten vier. Wie gibt's das?
Ich weiß es auch nicht. Mir liegt die Halle natürlich, der Aufschlag flutscht richtig weg. Aber es ist irgendwo wirklich komisch, warum es hier klappt und auf internationaler Ebene weniger.
Woher kommt diese Krise? Martin meinte in einem Interview auf der VTV-Website, dir fehlt derzeit einfach nur ein Erfolgserlebnis.
Ich denke auch, dass das der Grund sein könnte. Im Training halte ich mit Martin ja voll mit. Wenn ich mal ein Future-Finale erreiche oder sogar ein Turnier gewinne, dann kann mir der Knoten sehr schnell aufgehen.
Im Vorjahr ist das nicht passiert: Die Vorgabe vom Verband, ein ATP-Rang zwischen 400 und 500, hast du klar verfehlt.
Ja, da hab ich mir wohl zu viel Druck gemacht. Ich hoffe, ich schaffe es heuer ...
... das Ziel vom Vorjahr zu erreichen?
Nein, hoffentlich mehr als das. Ich möchte im Ranking so weit rauf wie möglich.
Könnte der Sieg über Martin schon das dringend gesuchte Erfolgserlebnis gewesen sein?
Noch nicht ganz. Klar habe ich mit den drei Siegen schon mal viel Selbstvertrauen getankt. Aber eine richtig große Portion Selbstvertrauen würde es mir erst geben, wenn ich das Turnier gewinne.
Das Future in der Schweiz, bei dem am Freitagabend Sign-In wäre, musst du wegen dem Einzug ins Halbfinale fix auslassen. Das macht man in dem Fall aber gern, oder?
Natürlich. Auch wenn ich das Doppel extra deshalb ausgelassen habe, um rechtzeitig in die Schweiz zu kommen, sollte ich im Einzel früher ausscheiden. Schade, Martin und ich hätten eine gute Chance auf den Titel gehabt. Doppelt blöd wär's nur, wenn ich jetzt gleich im Halbfinale verlieren würde.
Unmöglich ist das nicht unbedingt: Es wartet Tommy Schiessling auf dich.
Das wird ganz schwer werden. Er ist wie in den meisten Partien hoher Favorit, sein Spiel liegt mir gar nicht. Er ist mit Sicherheit der beste Returnierer im Feld.
Im Vorjahr ist dir gegen ihn im Finale kein einziges Break gelungen. Das muss sich diesmal ändern, oder?
Klar. Letztes Jahr hab ich überpowert, wollte ihn erschießen. Ich habe mich aber mittlerweile beim Grundlinienspiel sehr gesteigert und returniere derzeit für meine Verhältnisse ausgesprochen gut.
Worin siehst du deine Chance?
Wie's ausgeht, wird vor allem von mir abhängen, er spielt ja fast immer auf konstant hohem Level. Mein Service allein wird diesmal wahrscheinlich nicht reichen, ich werde also gut returnieren müssen. Ich würde sagen, wenn ich wie gegen Martin vier Breaks schaffe, schaut's recht gut aus. (lacht)
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