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Das war noch lange nicht alles
Zu noch größeren Hoffnungen als ihre Stärken geben Tamira Paszeks Schwächen Anlass.

Fünf Punkte haben dann zwar doch auf die Weltsensation gefehlt, man darf das aber ruhig als kosmetisches Problem sehen. Tamira Paszeks Vorstellung gegen Justine Henin war famos – auch wenn sich die belgische Olympiasiegerin, Finalistin aller Grand Slams des Vorjahres, nicht auf dem Zenit ihrer Schaffenskraft präsentierte.
Seit heute dürfen wir jedenfalls einige Punkte auf Tamiras To-do-List endgültig abhaken: Kaltschnäuzigkeit, Selbstvertrauen, Mut, Kampfgeist und Rückhand der Vorarlbergerin sind bereits Weltklasse. Irgendwann Ende des zweiten Satzes führte sie gegen Henin mit 6:1 Rückhand-Winnern ... gegen Henin!
Noch weitaus sensationeller ist Tamiras Leistung aber angesichts der Schwächen, die sie in Dubai in einem Duell auf Augenhöhe mit der Nummer zwei der Damen-Tenniswelt offenbarte: Die Technik von Vorhand und (vor allem zweitem) Aufschlag scheint mitunter sogar dem Laien ein wenig anfällig, um nicht zu sagen: improvisiert; dass die Vorhand heute über weite Strecken toll funktionierte, muss nicht repräsentativ sein für die restlichen 364 Tage des Jahrs. Auch konditionell ist Tamira vielleicht noch einen kleinen Hauch unter Kate Allen einzuordnen. Einen Grund dafür mag man in der noch nicht durchgängig von Askese geprägten Physiognomie der 16-Jährigen vermuten.
Die wahre Sensation des heutigen Meilensteins in Tamira Paszeks Karriere waren nicht die Stärken, sondern die Schwächen. Sie müsste nichts an ihrer Fitness und ihrem Tennis verbessern und wäre eine Bank für die Top 20, höchstens 30, in spätestens einem Jahr und für die nächsten zehn Jahre. Sie wird aber arbeiten, „Step by Step“, wie sie sagt. Und seit heute wissen wir: Der Weg wird in die Top Fünf führen, mindestens.
Stefan Wagner
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