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Schafft Österreich den ersten Weltgruppen-Sieg seit 1995?
Heute: Andreas Du-Rieux & Manfred Hundstorfer

Seit zwölf Jahren wartet das österreichische Daviscup-Team auf einen Sieg in der Weltgruppe. Der letzte Erfolg gelang 1995 in Runde eins gegen Spanien im Ferry Dusika-Stadion (Wien). Danach setzte es in Südafrika (1996), in der Slowakei (2000), in der USA (2004), in Australien (2005) und 2006 in Unterpremstätten gegen Kroatien fünf Auftakt-Niederlagen in Folge.
Von Freitag bis Sonntag haben Jürgen Melzer und Co in Linz die Chance diese Serie endlich zu beenden. Der Gegner für dieses Vorhaben ist jedoch kein Geringerer als Vorjahres-Finalist Argentinien. Dieser ist nach den Absagen von David Nalbandian (ATP 11), Augustin Calleri (ATP 28) und Juan Ignacio Chela (ATP 40) zwar geschwächt, aber noch immer gefährlich. Im Kader stehen Jose Acasuso (ATP 29), Jungstar Juan Martin Del Potro (ATP 67), Comebacker Guillermo Canas (ATP 106) und Doppel-Spezialist Sebastian Prieto.
tennisweb.at befragte Österreichs Tennis-"Promis" nach den Siegchancen für Jürgen Melzer, Stefan Koubek, Julian Knowle und Alex Peya im ersten Duell mit den Argentiniern.
Andreas Du-Rieux, ORF-Tennis-Moderator
Die Chance, im renommiertesten Mannschaftsbewerb der Welt ins Viertelfinale vorzustoßen, wird wohl nicht so schnell wieder kommen. Die Vorjahres-Finalisten in einer solchen Aufstellung empfangen zu dürfen, gleicht einem Lotto-Sechser. Denn Alberto Mancini muss Jose Acasuso, den "Loser" des letzten Finales, als Nummer eins präsentieren. Natürlich ist er ebenso gefährlich wie der einst grandiose Guillermo Canas, der über große Routine verfügt. Aber nach seiner langen dopingbedingten Abwesenheit ist er weit von seiner Bestform entfernt und selbst er hat nicht mit einem Einsatz gerechnet. Der grandiose Saisonstart von Melzer, Koubek und Peya berechtigt ebenso zu äußerstem Optimismus wie das starke Doppel mit Knowle. Dem besonnenen Analytiker "Schilli" Schaller sollte es auch gelingen die Spieler mental einzustimmen und somit gleich bei seinem Debüt einen Meilenstein der österreichischen Tennisgeschichte zu realisieren.
Manfred Hundstorfer, Nummer 1 der 40+-Weltrangliste und Ex-Trainer von Barbara Schwartz
Im Vorfeld würde alles für einen Sieg Österreichs sprechen: Unsere Spieler sind in guter Form und bereiten sich schon seit zwei Monaten behutsam auf dem schnellen Belag vor, während die Argentinier aufgrund ihrer Absagen auf jeden Fall geschwächt sind. Aber alle Matches müssen erst einmal gespielt werden, denn Guillermo Canas ist immer gefährlich und hat im letzten Jahr schon wieder gezeigt, warum er einmal zu den Top Ten der Welt zählte. Jürgen hat aber auf diesem Belag bestimmt das größte Potenzial.
Hans Kary, Daviscupper von 1969-1983
Unsere Spieler sind sehr gut in Schuss, aber einen Länderkampf kann man nicht mit einem Turnier vergleichen. Jedes Match muss erst gespielt werden. Ich war aber schon lange nicht mehr so optimistisch wie vor dieser Partie. Daher gebe ich uns eine 60:40-Siegchance.
Am Freitag sollte ein 1:1 zu schaffen sein, da Jürgen Melzer gegen den zweiten Einzel-Spieler zu favorisieren ist. Wenn wir auch im Doppel unserer Favoritenrolle gerecht werden und mit 2:1 führen, dann schaut es am Sonntag sehr gut aus. Am Ende könnte das tennisbegeisterte Linzer Publikum den Unterschied ausmachen.
Ich hoffe, dass die Spieler die Nerven behalten. Denn sie wissen, dass dieses Spiel eine Riesenchance für das österreichische Tennis ist. Bei einem Sieg würde die Aufmerksamkeit der Medien stark zunehmen.
Hari Mair, ÖTV-Lehrreferent
Am Wochenende wird viel von der Tagesverfassung und der Auslosung abhängen. Entscheidend wird auch sein, wie gut sich Guillermo Canas auf die Bedingungen einstellen kann. Doch im Daviscup ist das Doppel immer ein wichtiger Punkt, und da sind wir klarer Favorit. Normalerweise würde ich die Chancen mit 50:50 beziffern. Ich glaube aber, dass der Heimvorteil das letzte Quäntchen ausmachen könnte.
Alex Antonitsch, Ex-Daviscup-Spieler und ORF-Co-Kommentator
Die Chancen auf einen Sieg in der Weltgruppe waren seit 1995 nicht mehr so groß wie dieses Jahr. Wir sind in der Favoritenrolle, da die Argentinier drei ihrer Spitzenspieler vorgeben müssen. Jürgen Melzer kommt der schnelle Boden sehr gut entgegen, während alle Argentinier mit dem ungewohnt flachen Absprung Probleme haben werden. Im Einzel rechne ich bei Argentinien mit Jose Acasuso und Guillermo Canas, da von den beiden die größte Gefahr ausgeht. Acasuso kann sehr gut aufschlagen und Canas ist ein unerbittlicher Kämpfer. Doch Jürgen dürfte unter Normalform nicht zu schlagen sein. Mit drei Siegen kann er sich zum Star machen.
Thomas Schiessling, ÖTV-Nummer acht und mehrmaliger Herren-Staatsmeister
Ich sehe Österreich mit 60:40 im Vorteil, da unsere Jungs zurzeit gut drauf sind. Jürgen Melzer kann von den Argentiniern sicher jeden besiegen. Am Freitag sollten wir also zumindest ein 1:1 schaffen, dass wir am Samstag mit unserem starken Doppel auf 2:1 stellen können. Am Sonntag machen wir noch einen Punkt und gewinnen 3:2.
Ronnie Leitgeb, Trainer von Oliver Marach, Turnierdirektor Pörtschach
Österreichs Siegchancen schätze ich mit 60:40 ein. Denn im Doppel sind wir die Favoriten, Jürgen und der zweite Single-Spieler sollten jeweils einen Punkt holen. Für den Platz der Nummer zwei sehe ich Stefan Koubek gegenüber Alex Peya im Vorteil, da er beim Daviscup schon oft bewiesen hat, dass er jederzeit in Topform auflaufen kann. Alex müsste wohl die ganze Woche seine Form von Zagreb unter Beweis stellen, um Stefan aus dem Team zu drängen. Der vierte Teamplatz ist nach seinen letzten Leistungen aber gerecht.
Stefan Hirn, ÖTV-Nummer 22 und tennisweb.at-Kolumnist
Ich sehe Österreich in der Außenseiter-Position und gebe uns daher eine 30:70-Chance. Der Heimvorteil kann, muss aber kein Vorteil sein. Nach der Absage von David Nalbandian ist der Druck der Medien auf die ÖTV-Profis enorm gestiegen. Wichtig wird also sein, dass am Freitag ein guter Start gelingt. In den vergangenen Daviscup-Begegnungen konnte das österreichische Publikum bei einem Rückstand schon oft nicht die Unterstützung leisten, die man sich erwünscht hätte. Außerdem glaube ich, dass Argentinien ein gut eingespieltes Team hat, da es seit 2002 viele Erfolge (Anm.: ein Finale, drei Semifinali, ein Viertelfinale) feiern konnte. Bei der argentinischen Aufstellung erwarte ich Guillermo Canas und Juan Martin Del Potro im Einzel sowie Jose Acasuso und Sebastian Prieto im Doppel. Da wird sich Österreich jeden Punkt hart erkämpfen müssen.
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