Turniersieger mit vier Niederlagen?

Das erste ATP-Turnier im Round-Robin-Format ist Geschichte. Was sagen die Spieler zu dieser Innovation? Und was 2007 noch neu ist.

In Adelaide hatte es letzte Woche Premiere: das erste ATP-Event der regulären Saison, das im Round-Robin-Modus entschieden wurde. Der Serbe Novak Djokovic krönte sich in der australischen Küstenstadt zum ersten Sieger der neuen Austragungsform. Doch Adelaide ist bei weitem nicht das einzige Turnier, bei dem das System heuer zur Anwendung kommt, 13 Veranstaltungen dieser Art folgen noch: Vina del Mar, Delray Beach, Buenos Aires, Las Vegas, Estoril, Pörtschach, Queen's (London), Bastad, Newport, Indianapolis, Umag, Washington DC und Stockholm. Einziger Unterscheidungspunkt: Im Hauptbewerb werden sich je nach Event 24, 32 oder 48 Spieler tummeln.

Tiriac: "Wäre schon vor 40 Jahren bereit gewesen"
2007, Jahr der Veränderungen - eine neue Ära wird eingeläutet, meinen einige Beobachter der Szene. So zum Beispiel Ex-Profi und Unternehmer Ion Tiriac, der zum Round-Robin-Format meint: "Vielleicht ist es gut, vielleicht auch nicht. Man musste jedenfalls etwas machen, wozu bisher niemand den Mut hatte. Tennis ist der einzige Sport, an dem sich in 100 Jahren außer dem Tiebreak nichts geändert hat. Ich wäre für den Round-Robin-Modus schon vor 40 Jahren bereit gewesen." Der Turnierdirektor von Buenos Aires, Martin Jaite, blickt der Innovation ebenfalls positiv entgegen: "Wenn die Erfahrung zeigen sollte, dass das neue System eigentlich niemand mag, kann man immer noch zum alten System zurückkehren."

Johansson findet's lustig ...
Im Spielerlager könnte die Resonanz auf den neuen Turniermodus kaum unterschiedlicher sein, und das schon bevor dieser in Adelaide erstmals angewendet wurde. Kein Freund des Round-Robin-Formats ist Routinier Fabrice Santoro: "Ich habe ein ernsthaftes Problem damit, dass jemand Turniersieger werden kann, obwohl er eine Partie verloren hat." Der dem neuen Modus gegenüber offen eingestellte Joachim Johansson trieb es in einem Blog auf der ATP-Website noch bunter als Santoro und machte sich lustig: "Ich hab einen Weg gefunden, wie man mit vier Niederlagen bei nur drei Siegen ein Turnier gewinnen kann. Man muss Lucky Loser in der Qualifikation und in der Hauptbewerbs-Ausscheidung sein. Dann kann man beide Spiele in der Gruppenphase verlieren, und wenn die anderen zwei Gegner zurückziehen, bevor sie gegeneinander spielen sollten, ist man im Viertelfinale. Ich glaube, dass werde ich ab sofort zu meinem Plan für Round-Robin-Turniere machen."

... Mahut weniger
Scharfe Kritik an der ATP übte der Franzose Nicolas Mahut: "Wir Spieler hatten bei der Angelegenheit überhaupt nichts zu sagen. Die haben sich nur mit den Nadals und Federers beraten." Doch eben genannter Roger Federer hat seine Meinung geändert, der Schweizer ist mittlerweile kein Freund der Änderung: "Es wäre besser, das K.O.-System beizubehalten. Das einzigartige am Tennis ist nun mal, dass du gleich ausgeschieden bist, wenn du einen schlechten Tag erwischst." Nadal sieht das anders, der Spanier kann dem Round-Robin-Modus nur Positives abgewinnen: "Es ist gut für die Show, die Spieler, und das Turnier - für alle. Ich bin begeistert!" In die selbe Kerbe schlug Marat Safin: "Die Turnierleiter wollen die Topstars die ganze Woche über haben, und das ist nur verständlich."

Aus für Satellites, neue Challenger, mehr Geld
Weitaus gelassener als der Round-Robin-Modus wurden etliche weitere Veränderungen angenommen, die das neue Jahr mit sich bringt. Ein Auszug: Die Anzahl der "Sunday Start"-Turniere (der Hauptbewerb beginnt hier schon am Sonntag) wurde erhöht. Die Herren tragen keine Satellites (vier Turniere in unmittelbar aufeinander folgenden Wochen) mehr aus. Völlig neu sind die 100.000 Dollar-Challenger mit und ohne Hospitality bei den Damen. Nicht nur aufgrund dieser und des neuen Round-Robin-Systems der ATP wurden auch die Punkteverteilungs-Systeme von beiden Spielervereinigungen modifiziert. Bei dieser Gelegenheit wurden auch einige Ungerechtigkeiten und unnötige Verschärfungen beseitigt: Ein Future-Viertelfinale bei den Damen bringt nun beispielsweise immerhin zwei Zähler für die Weltrangliste (statt 1,5), ein Halbfinale drei (statt zwei). Geplant wird außerdem, das Preisgeld zu erhöhen - doch noch ein Punkt, bei dem sich alle Spieler einig sein dürften.

mw




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