Oliver Marach, Version 2.0

Selbstbewusstes Muskelpaket statt jammernder Vielspieler.

Oliver Marach war 2006 der einzige Österreicher in den Top Ten – freilich in einer Nebenkategorie des ATP-Rankings: Mit 31 Turnieren wäre er der neuntfleißigste Profi der ATP-Top 100. 2007 begann der Steirer auf ungewohnte Weise: Er pausierte in Turnierwoche eins, sagte für Chennai ab. "Beim letzten Turnier 2006 in Seoul habe ich mir eine schwere Bänderüberdehnung mit Bluterguss zugezogen. Die Verletzung hat mich zwei Wochen der Vorbereitung gekostet, die wollte ich nachholen."

Und das hat Marach konsequent getan: Bis zu sechs Stunden tägliches Training standen zuletzt auf dem Programm. "Ich hab sehr viel Krafttraining gemacht, ziemlich Muskeln aufgebaut, ich bin jetzt körperlich super drauf." Mitverantwortlich für diese Änderung im Tennisleben des Steirers ist Muster-Macher Ronnie Leitgeb, von dem er seit den US Open gecoacht wird und mit dem er sich auf die Saison vorbereitete, unter anderem in Monte Carlo mit Sparringpartnern wie Mario Ancic und Ivan Ljubicic. Marach begann sein Jahr in Sydney in der Quali, Aus in Runde zwei, "aber das war nur eine spontan beschlossene, lockere Vorbereitung". Denn der Höhepunkt der kurzen Australien-Tournee sind die Australian Open. Der Rückflug nach Europa ist für 20. bis 22. Jänner geplant - "aber mein Aufenthalt in Melbourne ist jederzeit verlängbar", so Marach lachend.


Oli, du wolltest dich mit Ronnie Leitgebs Hilfe vor allem im mentalen Bereich verbessern. Ist das gelungen?
Ja. Es ist sehr viel weitergegangen. Ich bin viel selbstbewusster und reifer geworden. Und mir macht das Tennisspielen wieder richtig Spaß, was im Vorjahr nicht immer so war.

Den jammernden Oliver Marach von 2006, gibt's den noch?
Das wird man dann auf dem Platz sehen, aber ich hoffe nicht. (lacht) Das Jammern sollten Ronnie und ich weitgehend weggebracht haben.

Zu welchen Methoden habt ihr gegriffen, um das zu erreichen?
Ronnie hat mir vieles klar gemacht – Sachen, teils auch tennistechnischer Natur, mit denen ich mich früher nicht mal beschäftigt habe. Er hat zum Beispiel ein eigenes Computer-Mentalprogramm, einen Multiple-Choice-Test. Den kann man auswerten, um zu sehen, wie es um die eigene Psyche bestellt ist, wo man seine Schwächen hat. Ich kriege sogar Hausaufgaben, also mentale Übungen, die ich selber machen kann. Und man kann auch herausfinden, was für ein Typ man überhaupt ist.

Und was für ein Typ bist du?
Ich bin jemand, der ständig mit neuen Inhalten beschäftigt werden muss, Aufgaben braucht. Das haben wir herausgefunden. Und danach arbeiten wir jetzt.

Dein erklärtes Ziel sind die Top 70 im Einzel bis Jahresende. Im Doppel hast du dir sogar die Top 35 vorgenommen – allerdings ohne Cyril Suk, der seine Karriere beendet hat.
Ja, leider. Er hat eine Tennisschule in Prag und betreut dort einige tschechische Nachwuchsspieler. Cyril oder mein Konditionstrainer werden mich aber heuer womöglich zu ein paar Turnieren begleiten. Ronnie kann nicht immer mitfahren, er hat schließlich auch geschäftliche Verpflichtungen.

Mit wem wirst du ab sofort Doppel spielen?
Hauptsächlich wohl wieder mit Lukasz Kubot, die Australian Open bestreiten wir mal fix miteinander. Und sonst vielleicht ein paar Turniere mit Christopher Kas oder Jean-Claude Scherrer. Es gibt aber auch noch genügend andere, die ich jederzeit fragen könnte.

Du hast die Australian Open angesprochen: Kommst du dort in den Hauptbewerb rein?
So wie's aussieht, werde ich leider eher in die Qualifikation müssen. Hätte ich das Match gegen Soeda in Seoul gewonnen, wäre sich wohl der Hauptbewerb ausgegangen.

Wie sieht dann die weitere Marschroute bis zum Daviscup gegen Argentinien aus?
Je nachdem, wie ich bei den Australian Open abschneide, nehm ich den Heilbronn-Challenger mit oder eben nicht. Danach werde ich noch in Zagreb spielen – in Hinsicht auf den Daviscup sicher besser als zu Sandplatz-Challengern nach Chile oder in die USA nach Delray Beach zu fliegen. Das hat auch Gilbert Schaller gemeint. Wir haben die Entscheidung besprochen und gemeinsam getroffen. Der Daviscup hat natürlich Vorrang.

Das klingt, als würdest du mit einem Einsatz rechnen?
Das werden wir sehen. Auch wenn Jürgen und Stefan beide zuletzt gut gespielt und sicher ihren Fixplatz haben.

Findest du das in Ordnung?
Ich hab immer schon gesagt: Wenn einer im Ranking vor mir steht und besser ist, dann ist im Prinzip alles klar. Dann hat er es sich verdient, Daviscup zu spielen.

Julian Knowle ist fürs Doppel wohl gesetzt, Alex Peya vielleicht eine Alternative zu Melzer als dessen Partner. Fühlst du dich da nicht wie das fünfte Rad am Wagen?
Nein, überhaupt nicht. Der Daviscup ist kein Einzelsport. Es zählt nur das Ergebnis des Teams.

Was wäre, wenn du derjenige bist, der nicht im Vier-Mann-Kader steht?
Wir haben alle ein Super-Verhältnis zum Schilli, und es wird keiner irgendwem böse sein, wenn er nicht im Team steht. Wen der Schilli als vierten Spieler in der Mannschaft haben möchte, das entscheidet einzig und allein er. Er wird schon das Richtige machen.

Interview: Manuel Wachta




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