Wer rettet die Tennistrophy in St. Anton am Arlberg?

Raimund Stefanits, Hofmanova-Manager und Turnierdirektor der Tennistrophy in St. Anton am Arlberg, im Gespräch mit tennisweb.at. Hat das Event eine Zukunft? Kommt Baghdatis 2007?

Am Samstag ist mit der tele.ring Tennistrophy die 19. Auflage des Einladungsturniers in St. Anton am Arlberg zu Ende gegangen. Wie resümieren Sie die vergangene Woche?
Dieses Jahr waren die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Veranstaltung sehr schwierig, da wir heuer zum ersten Mal keinen Schnee hatten und mit weniger Touristen rechnen mussten. Trotzdem können wir uns wieder über eine gelungene Woche freuen. Auf und abseits des Platzes war die Stimmung phantastisch. Wir wollen Tennis mit Show und Party verbinden, und in diese Richtung wird sich der Sport in den nächsten Jahren auch entwickeln.

Bei der Siegerehrung haben Sie das Ende der Zusammenarbeit mit tele.ring verkündet. Haben Sie schon Kontakte zu anderen möglichen Partnern?
Wir haben schon einige Gespräche mit verschiedenen Unternehmen geführt, aber bis jetzt ist leider noch nichts konkret. T-Mobile, der Eigentümer von tele.ring, will den Tennissport nicht mehr unterstützen. Das müssen wir akzeptieren. Wir hoffen aber auf andere Mobilfunkbetreiber oder große Firmen, die das Event für Kundenbindungszwecke nützen könnten.

Was passiert wenn man keinen gleichwertigen Ersatz für tele.ring findet?
Dann müssen wir uns ernsthafte Gedanken über den "Worst Case", dem vorläufigen Ende der Tennistrophy, machen.

Gibt es Alternativen, bei denen weniger finanzielle Ressourcen notwendig sind?
Für eine abgespeckte Veranstaltung, etwa auf nationaler Ebene, bin ich nicht zu haben. Sie macht aus meiner Sicht einfach keinen Sinn.

Um welche Summen geht es hier?
Heuer hatten wir ein Budget von einer Million Euro. Um die Qualität der Veranstaltung beizubehalten, wird etwa dieser Betrag benötigt. Die Hälfte davon kommt vom Tourismusverband, mit dem wir den Vertrag für die Tennistrophy bis 2009 verlängert haben. Für die andere Hälfte brauchen wir noch einen zweiten Hauptsponsor, sonst ist das Turnier in Gefahr.

Was sind die Stärken des Turniers, die es für ein Unternehmen interessant machen, als Sponsor aufzutreten?
Für einen Sponsor muss das Package im Vordergrund stehen. Dazu gehören der VIP-Bereich, der Tennissport und die Showevents. Diese waren heuer mit Andreas Vitasek, Christina Sprenger, Didi Diesel und Yannick Noah wieder sehr zahlreich.

Wäre Red Bull ein möglicher Partner?
Leider passt das Turnier nicht in die Philosophie von Red Bull. Das Thema Tennis hat sich für Red Bull nach der gescheiterten Partnerschaft mit Tamira Paszek wahrscheinlich auch erledigt.

Zum Starterfeld: Die Mischung aus jungen, hungrigen Spielern wie Evgeny Korolev und Novak Djokovic und den österreichischen Publikumslieblingen hat heuer hervorragend gepasst. Ist das noch zu toppen?
Für die Nicht-Tennisinsider war das Starterfeld nicht so stark. Doch für die echten Tennisfans schon: Evgeny Korolev, Novak Djokovic, Benjamin Becker, Joachim Johansson und natürlich die Österreicher Jürgen Melzer und Stefan Koubek – das kann sich international wirklich sehen lassen. Da war von aufstrebenden Herren, Klassespielern bis zu Publikumsmagneten alles dabei – phantastisch.

Wie sichern sie das Teilnehmerfeld in Zukunft?
Ich möchte weiterhin die besten Jugendlichen einladen, um hier zu trainieren, und sie dann später als Spieler verpflichten. Djokovic war schon mit 16 da ... Letztes Jahr hatten wir Baghdatis, der danach groß aufgespielt hat – der kommt vielleicht nächstes Jahr wieder. Heuer war mit Korolev wieder ein kommender Mann da.

Wie realistisch ist die Verpflichtung eines Weltstars à la Federer oder Nadal?
Leider passt Österreich nicht in die Vermarktungsstrategie von Federer oder Nadal. Roger ist nicht nur ein Weltstar, sondern auch eine Vermarktungsmaschine. Er hat sehr viele Termine. Außerdem kann Roger bei einer Exhibition nur verlieren, er ist bei jedem Match der Gejagte. Gegen ihn versucht jeder noch mehr aus sich heraus zu holen.

Nach drei Jahren Pause gab es heuer wieder einen Damenbewerb zu sehen. Auch 2007?
Es ist geplant. Den Damenbewerb möchte ich nächstes Jahr erstmals mit sechs Spielerinnen austragen. Es wäre toll, wenn sich unsere Top-Jugendlichen Tamira Paszek und Niki Hofmanova mit den Granden des Damentennis messen könnten. Für die Jugendlichen ist es eine unbezahlbar große Chance gegen die Weltklasse antreten zu dürfen. Sybille Bammer war für ihren Startplatz ebenfalls sehr dankbar.

Eine Top-Jugendliche – Niki Hofmanova – wird von Ihnen gemanagt. Letzte Woche gewann sie die Orange Bowl unter 18 – als erste Österreicherin. Haben Sie den Erfolg so schnell erwartet?
Schon mit dem Finale haben wir auf keinen Fall rechnen können. Doch vor ein paar Wochen hat Niki gesagt, dass sie die Weltspitze erreichen will, wenn sie gesund bleibt. Ich bin sehr stolz darauf, dass sie diese Einstellung hat. Vom Potential kann sie dieses Ziel auf jeden Fall erreichen.

Interview: Andreas Simon




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