"Wenn ich den Eitzinger sehe, kommt mir das Frühstück hoch"

Daniel Köllerer meldet sich mit harten Worten gegen seine Landsleute zurück. Der 23-Jährige spricht über den jüngsten Skandal um sein Verhalten, der eigentlich keiner sein soll.

Daniel Köllerer sorgt weiter für Gesprächstoff – zur Abwechslung einmal absichtlich. Der exzentrische Oberösterreicher, wohlbehalten von seiner mehrwöchigen Südamerikatour zurückgekehrt, bat am Dienstag mit seinem Manager Manfred Nareyka in Wels zu einer Pressekonferenz. In deren Rahmen wies Köllerer die an ihm von verschiedenen Seiten geübte scharfe Kritik der vergangenen Wochen vehement zurück - Rainer Eitzinger, Marco Mirnegg, Jürgen Hager sowie der Deutsche Tomas Behrend hatten in Interviews mit tennisweb.at schwere Anschuldigungen gegen Köllerer und sein Verhalten erhoben, der italienische Coach Leonardo Caperchi einen Beschwerdebrief an die ATP verfasst, den rund 50 Spieler, Coaches und Offizielle unterschrieben. Die Kernaussage des "Angeklagten": "Ich weiß, dass ich kein Engerl bin. Aber was in den Interviews gesagt wurde, basiert alles auf Halb- und Unwahrheiten. Und von den Medien wurde das total aufgebauscht."

Köllerer: "Eitzinger ist hinterhältig und falsch"
Hart ins Gericht ging Köllerer bei der Pressekonferenz besonders mit seinem Spielerkollegen Rainer Eitzinger. "Dani" beschreibt den Tiroler als "hinterhältig und falsch: An einem Tag trainiert er noch mit einem, am nächsten Tag zieht er hinterrücks über einen her." - Nachsatz: "Wenn ich den Eitzinger sehe, kommt mir das Frühstück hoch." Wenig Wahres will Köllerer in den auf tennisweb.at erhobenen Vorwürfen von Eitzinger, Mirnegg, Hager und Behrend sehen: "Ich weiß nicht, woher die das alles so genau beurteilen können. Die haben keinen einzigen Ballwechsel von mir gesehen." - Nicht die einzige Aussage, die im Gegensatz zu jenen von Eitzinger & Co. steht. Auch will Köllerer nichts davon wissen, Ballkinder und Linienrichter beleidigt zu haben: "Sowas mache ich nicht mehr, das hab ich mir auch fix vorgenommen." Die gegen ihn gestartete Unterschriftenaktion sieht er als reinen Gruppenzwang: "Da sitzen fünf Spieler an einem Tisch und einer unterschreibt. Ein zweiter dann auch, weil er ein Freund von dem ist, und die anderen damit sie nicht alleine dastehen."

Nareyka: "So schlimm kann es nicht gewesen sein"
Manfred Nareyka bemühte sich, die Diskussionen um Köllerer gelassen zu sehen und die positiven Ereignisse hervorzuheben. "Was Daniel am Platz macht, ist für viele immer noch inakzeptabel. Aber so lange die Schiedsrichter keinen Grund sehen einzugreifen und ihn zu disqualifizieren, soll uns das nicht weiter stören. Es wird beim Daniel immer irgendwas geben, das wird sich nicht ändern. Er ist einfach so. Und ich akzeptiere ihn so, wie er ist." Nareyka betonte außerdem, "dass die ATP bewusst ihr Augenmerk auf ihn gerichtet hat - und trotzdem ist er nicht gesperrt worden. So schlimm kann es also nicht gewesen sein." Was für den Köllerer-Manager zählt: "Nach Daniels halbjähriger Sperre hat die ATP eine dreimonatige Probezeit festgesetzt. Die hat am 12. September begonnen und ist mittlerweile abgelaufen, da Daniel heuer keine Turniere mehr spielt. Ich habe vor kurzem einen offiziellen Bescheid von der ATP bekommen, dass Daniel die Probezeit überstanden hat und keine Gründe vorliegen, ihn zu sperren."

Köllerer trägt sich in die Geschichte ein
Aus sportlicher Sicht zog Nareyka eine positive Bilanz: "Daniel ist vor der Reise nach Südamerika unter großem Druck gestanden. Aber er hat ihm standgehalten, obwohl er mehr als 100 Punkte zu verteidigen hatte und in der Weltrangliste weit zurückfallen hätte können. Das war extrem wichtig, um 2007 ein großes Ziel erreichen zu können: Die Top 100." Dort sieht Köllerer selbst aber noch nicht sein Limit: "So wie ich zuletzt gespielt habe, könnte ich im Ranking zwischen 50 und 60 stehen. Und wenn ich mich besonders bei Vorhand und Aufschlag weiter verbessere, dann würde ich mich durchaus dort sehen, wo sich ein Jürgen Melzer (Anm.: ATP-Rang 41) derzeit befindet." Den Weg in die Top 50 hat Köllerer zwar noch nicht gefunden, jenen in die Geschichtsbücher aber seit kurzem schon. Daniels Viertelfinalspiel gegen Martin Vassallo-Arguello beim Challenger von Asuncion war mit einer Dauer von 4:34 Stunden das längste Best-of-three-Match aller Zeiten, wie der 23-Jährige tennisweb.at nach der Pressekonferenz lachend verriet. "Ich hab gleich am nächsten Tag beantragen lassen, dass das Match ins Guiness Buch der Rekorde aufgenommen wird."

"Brauche keinen Psychiater"
Aufrecht bleibt übrigens die Zusammenarbeit Köllerers mit Martin Spöttl. Der Vorarlberger könnte allerdings den Vertrag mit Österreichs aktueller Nummer sieben jederzeit kündigen, sollte Köllerer erneut gesperrt werden. Spöttl befindet sich derzeit auf der Suche nach einem Mentalcoach für seinen Schützling. "Psychiater brauche ich aber bestimmt keinen", meinte Köllerer in Anspielung auf einen entsprechenden Vorschlag von ÖTV-Coach Hager. An seiner vielleicht größten Schwäche arbeitet Köllerer eigenen Aussagen zufolge intensiv. "Ich habe mit Martin viel darüber geredet, was am Court okay ist und was nicht. Ich versuche wirklich positiver zu werden, nicht ständig zu sudern und nicht jeden Ball zu kommentieren."

Köllerer will nicht "Trottel der Mannschaft sein"
In "Down Under" bekommt Daniel die erste Chance, sich verbessert zu präsentieren. Er wird beim ersten Grand Slam-Turnier des Jahres an den Start gehen, den Australian Open in Melbourne. Danach geht es für den Wahl-Gmundner weiter zu einem Challenger nach Santiago. Dem ÖTV-Daviscup-Team würde er im Februar im Länderkampf gegen Argentinien als Sparringpartner nicht zur Verfügung stehen: "Da ist man nur der Trottel der Mannschaft. Auch wenn der Daviscup diesmal bei uns in Oberösterreich ist und ich unserem Team natürlich viel Glück wünsche: Ich wäre nur dabei, wenn ich fix im Kader stünde und Chancen auf einen Einsatz hätte. Sonst macht es für mich keinen Sinn."

Manuel Wachta




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