"Fakt ist: Die ATP sieht keinen Anlass zu einer Sperre"

Köllerer-Manager Manfred Nareyka im tennisweb.at-Interview.

Manfred, du hast mit der ATP Kontakt aufgenommen und nachgefragt, wie sie die Sache sieht.
Fakt ist: Die ATP sieht keinen Anlass für eine Sperre von Daniel Köllerer. Das ist das einzig Entscheidende für mich. Emotionale Wünsche oder Anliegen diverser Spieler haben keinen Einfluss auf die ATP und die sportliche Karriere von Daniel.

Entscheidet die ATP so rasch? Könnte da nicht noch etwas kommen?
Wegen dem Vorfall in Montevideo gegen Fonigni nicht. Eine Mitteilung der ATP von Donnerstag bestätigt, dass es am Anfang der Südamerika-Tour kleine Probleme mit Daniel gegeben hat. Seither liegen aber keine negativen Berichte vor, daher gibt es keinen Anlass für eine Sperre.

Weißt du, was in Montevideo genau vorgefallen ist?
Ich war nicht dort. Daniel hat mir gesagt, er hat gegen Fonigni zwei Verwarnungen bekommen, in den letzten fünf Matches aber keine. So schlimm kann es nicht gewesen sein. Denn es wurde vor der Südamerika-Tour eine Warnung von der ATP ausgesprochen: Daniel steht unter Beobachtung. Sie hätten ihn auf der Stelle gesperrt, wenn etwas Ernstes gewesen wäre.

Wieso wurde die Geschichte um den Eklat von den Medien so breit aufgenommen?
Das ist mir total unverständlich. Vielleicht weil er schon gesperrt war und man erwartet hat, dass er nun wieder gesperrt wird.

Wohl kein anderer Spieler, der im Ranking um 200 steht, hat so eine mediale Aufmerksamkeit. Wie kommt das?
Daniel Köllerer ist nicht der Hermann Maier. Rein sportlich hat er sich die Aufmerksamkeit noch nicht verdient. Es ist sicher, weil Daniel ein emotionaler Spieler ist. Er war in der Vergangenheit ein Problemkind – die Sperre ist seit einem Dreivierteljahr das einzige Thema, das die Medien an Daniel interessiert. Von seinen guten Ergebnissen in Südamerika hat keiner berichtet. Aber kaum heißt es wieder, "Crazy Dani" ist zurück, laufen die Telefone heiß. Das deprimiert natürlich einen Spieler.

Wie reagiert Daniel auf das Tamtam?
Relativ cool. Er hat sich jetzt zurückgezogen, ist meistens allein im Hotelzimmer. Er wird versuchen, sportlich zu antworten, drei Turniere spielt er noch in Südamerika.

Was würde eine neuerliche, dritte, Sperre für Daniel bedeuten?
Er würde wahrscheinlich drei Monate von der ATP-Tour ausgeschlossen werden.

Eine lebenslange Sperre steht also nicht im Raum?
Nein.

Was sagst du zum Verhalten der Österreicher? Sie haben sich ja klar von Daniel distanziert.
Ich weiß nicht, ob er jemanden persönlich beleidigt hat, dann könnte ich das Verhalten nachvollziehen. Aber ich glaube, da hat sich etwas aufgestaut in den letzten Jahren. Daniel ist kein Engel. Ich will sein Verhalten nicht verteidigen. Ich habe ihn schon beschämend erlebt. Aber wenn er sich nicht korrekt verhält, gibt es den Schiedsrichter und den Supervisor, die das ahnden müssen. Und die haben eh ein Adlerauge auf ihn.

Glaubst du, dass die Spieler ihre unglaubliche Ankündigung wahr machen und das Buenos Aires-Challenger in der nächsten Woche auslassen?
Ich glaube es nicht wirklich. Wenn Daniel mir erzählen würde, dass er ein Turnier auslässt, weil dort ein Spieler dabei ist, mit dem er nicht kann, hätte ich kein Verständnis. Und ich denke, so sehen es auch die Sponsoren und Manager der anderen Spieler. Wenn keiner mit ihm auf eine Pizza gehen will, dann muss er das auch nicht. Wenn keiner mit ihm trainieren will, dann muss er das nicht. Aber die zwei Stunden, die ein Match dauert, wird ja jeder mit Daniel verbringen können.

Im Nachhinein betrachtet: War es die richtige Entscheidung, Daniel fünf Wochen lang alleine auf die Südamerika-Tour zu schicken?
Für die letzten zwei Turniere fliegt Martin Spöttl nach. Aber es war finanziell unmöglich, einen Coach die ganze Tour mitzunehmen. Und Daniel wurde daheim intensiv auf die Südamerika-Tour vorbereitet. Auch mit der Konsequenz, dass wir weg sind, wenn etwas vorfällt. Schon im Training gab’s kein Schlägerwerfen, kein Schimpfen.

Warum kommt Martin jetzt doch nach?
Es ist wichtig für Daniel. Er ist seit Wochen allein, hat keine Bezugsperson. Ich denke, dass er mit Martins Unterstützung bei den letzten beiden Challengern mehr erreichen kann.

Du bist viel mit Daniel in Kontakt. Hat er sich deiner Meinung nach im letzten halben Jahr verändert, hat er die Sperre als Nachdenkpause genützt?
Er ist mental besser geworden, aber es gibt immer wieder Rückfälle. Ein Mensch ändert sich nicht von heute auf morgen. Er hat in den letzten Monaten enorme Unterstützung von seinem Umfeld bekommen. Ich erwarte, dass da jetzt etwas zurückkommt.

Was ist deine persönliche Motivation, Daniel zu managen?
Extremer Ehrgeiz: Jetzt will ichÂ’s wirklich wissen. Ich glaube an Daniel, ich will ihn in den Top 100 sehen. Ich kenne ihn gut und stehe zu ihm. Selbst wenn ihn alle anderen fallen lassen.

Interview: Peter Robic




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