"Pörtschach war ein großer Erfolg"

ÖTV-Sportdirektor Gilbert Schaller zieht Bilanz: Der 37-Jährige spricht über die jüngsten Erfolge seiner Südstadt-Crew, einen prominenten Neuzugang und warum er "AHM" auch in Zukunft unterstützen wird.

Herr Schaller, in Pörtschach ging in der vergangenen Woche das für heuer letzte Future-Turnier auf heimischem Boden zu Ende. Sind sie zufrieden mit dem Abschneiden der rot-weiß-roten Akteure?
Ja, eigentlich schon. Weil wir zum einen wollten, dass möglichst viele Österreicher Weltranglistenpunkte holen, und zum anderen, dass junge Leute, wie zum Beispiel ein Gerald Kamitz, ihre ersten Erfahrungen auf der Future-Tour sammeln können. Beides hat, denke ich, ganz gut geklappt.

Und wie zufrieden sind sie mit dem Abschneiden der Südstädter?
Mit dem Titel von Martin Fischer hatten wir sicher einen sehr guten Abschluss. Überhaupt war das vorletzte Turnier in Pörtschach für uns ein großer Erfolg: Drei Südstädter im Halbfinale und dazu noch Andi Haider-Maurer, was natürlich auch sehr positiv ist.

Apropos "AHM": Wie beurteilen sie seine Entwicklung? Der Sprung unter die Top 500 der Weltrangliste scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein, oder?
Ich kann nur soviel sagen: Seine Entwicklung stimmt! Von mir wird er aus diesem Grund auch immer die volle Unterstützung erhalten – sei es jetzt mittels Wildcards oder einfach nur zur Bildung von Trainingsgemeinschaften. Weil, ob der Spieler jetzt in der Südstadt oder privat trainiert, ist für mich eigentlich nebensächlich wenn ich sehe, dass das Umfeld stimmt und sich auch die Erfolge einstellen. Wenn es so weiter geht, werden wir also sicher noch sehr viel Freude mit ihm haben.

Was macht die Entwicklung bei den Südstädtern?
Ja gut, Martin Fischer hat wirklich große Fortschritte gemacht. Es war eigentlich schon absehbar, dass sich die Erfolge bald einstellen werden. Bei Philipp Oswald sehe ich sicher auch noch Potenzial - da ist einiges drinnen. Die Leistungen von Armin Sandbichler sind angesichts seiner Schulterprobleme auch okay und Christoph Steiner hat im Moment einfach einen eklatanten Mangel an Selbstvertrauen. Darum kann er derzeit leider von den Ergebnissen her nicht ganz mit den anderen mithalten.

Was ist mit Stefan Wiespeiner?
Bei Stefan gibt es derzeit eine Entwicklung, die ich erst in einem persönlichen Gespräch mit ihm abklären will. Da möchte ich jetzt aber nicht vorgreifen und zu sehr ins Detail gehen.

Okay, Themenwechsel: Im Gegensatz zu den Future-Turnieren hielt sich die Südstädter Erfolgsquote beim dieswöchigen Challenger in Graz eher – vorsichtig ausgedrückt – im überschaubaren Rahmen. Ist der Niveauunterschied wirklich noch so eklatant?
Ehrlich gesagt ja! Weil ihnen einfach noch das Spiel dafür fehlt – sie sind noch nicht so weit, um sich mit dem Top 200-Level messen zu können. Und für mich gehört ein Top 200-Spieler heute bereits zur erweiterten Weltklasse. Die Dichte ist mittlerweile einfach enorm geworden. Natürlich könnten unsere Spieler den einen oder anderen Top 200-Mann schlagen, aber dort auf Dauer bestehen würden sie noch nicht.

Läuft ihnen da nicht langsam die Zeit davon? Immerhin waren sie im Alter von 19 Jahren schon Stammgast in den Top 300 der Weltrangliste. Hinkt der Vergleich?
Definitiv, die Zeit ist ja nicht stehen geblieben. Heutzutage ist es viel schwerer geworden nach vorne zu kommen, als noch zu meiner Zeit.

Wechseln wir wieder das Thema: Angeblich wird Jürgen Hager wieder in die Südstadt zurückkehren - mit Rainer Eitzinger im Schlepptau.
Ja, das stimmt. Jürgen Hager wird definitiv ab Herbst wieder als Trainer bei uns tätig sein und Rainer Eitzinger wird auch in die Südstadt kommen. Jürgen ist ja als ÖTV-Touringcoach schon länger für ihn verantwortlich. Der einzige Unterschied wird dann sein, dass er darüber hinaus auch noch junge Spieler betreuen wird.

Werden auch wieder Junioren in die Südstadt übersiedeln?
Ja, es wird eine neue 91er-Gruppe mit vier Burschen und einem Mädchen geben.

Verraten sie uns die Namen?
Dominik Wirlend, Maximilian Neuchrist, Tristan-Samuel Weissborn, Daniel Schmidt und dazu Isabella Reibmayr.

Wie wurden sie ausgewählt?
Zunächst hatten wir neun Spieler zu einer Dreitagessichtung eingeladen. Mit den Jahrgangscoaches haben wir danach Rücksprache gehalten und das Team dann mehr oder weniger zusammengestellt. Den Spielern, die wir gerne hätten, haben wir dann unsere Entscheidung mitgeteilt. Sie haben auch sofort alle zugesagt, was ebenso positiv anzumerken ist, wie die Tatsache, dass alle neun Eingeladenen an der Sichtung auch teilgenommen haben.

Â… was in der Vergangenheit ja nicht immer so war.
Das ist leider richtig, ja.

Bleiben wir beim Nachwuchs: Warum dürfen wir nur so selten über österreichische Erfolge bei internationalen Junioren-Turnieren berichten?
Offen gesagt: Auch wir haben uns wesentlich mehr Erfolge erhofft. Die Junioren sind tatsächlich weit hinter unseren Erwartungen geblieben - aber die Gründe kennen wir. Bei manchen sind es vor allem körperliche Probleme, bei einigen anderen wiederum Schwierigkeiten, die wir auf eine andere Art und Weise lösen müssen. Aber man muss auch sagen, dass sich zum Beispiel ein Yannick Weihs heuer sehr gut entwickelt hat. Auch Nico Reissig ist nach wie vor auf Kurs. Aber mir wäre es natürlich auch lieber gewesen, wenn wir mehr gewonnen hätten.

Letzte Frage: Wann gelingt es einem Südstädter Tommy Schiessling zu besiegen?
(lacht) Eine etwas eigenartige Frage. (wieder ernst) Bei den Staatsmeisterschaften war Martin Fischer ja schon ganz knapp dran ihn zu bezwingen (Anm.: 3:6, 6:4, 5:7), aber gegen Thomas Schiessling würden auf Sand viele verlieren. Eine Niederlage ist also alles andere als eine Schande.

Interview: Markus Michel




zurück zur Übersicht