"Es gibt nur wenige Spielerinnen, für die der FedCup Pflicht ist"

FedCup-Kapitän Alfred Tesar muss vor dem Duell mit Japan auf die sechs besten Österreicherinnen verzichten. Das tennisweb.at-Interview.

Würden Sie sagen, dass Niki Hofmanova, Melanie Klaffner und Babsi Schwartz das schwächste österreichische Team bilden, das je unter Ihnen gespielt hat?
Es ist das erste Mal, dass wir zu dritt irgendwo hinfahren. Ich würde sagen, das Team ist nicht wesentlich schwächer als das gegen die USA 2002 (Anm. 3:2-Auswärtssieg von Österreich). Babsi Schwartz, Evi Fauth, Marion Maruska und Daniela Kix standen Monica Seles und Jennifer Capriati gegenüber. Solche Kaliber haben die Japanerinnen nicht.

Das klingt sehr positiv. Haben wir Ihrer Meinung nach eine Siegchance?
Ich glaube, dass mit Bammer, Meusburger und Paszek die Chancen da gewesen wären. Ohne die drei werden wir sicher nichts gewinnen. Aber wir werden sehen, wie weit die jungen Spielerinnen schon sind, und wie weit Babsi Schwartz nach ihrer Pause wieder ist.

Wieso sind es gerade diese drei geworden?
Die ersten sechs in der Rangliste sind ausgefallen. Bammer mit Verletzung, alle anderen haben kein Interesse gezeigt. Dabei muss ich sagen, dass Anna Bartenstein sicher sehr spät kontaktiert wurde. So viele Absagen waren nicht abzusehen.

Glauben Sie, dass alle Gründe für die Absagen ihrer Stammspielerinnen stimmen?
Ich glaube schon, dass Sybille verletzt ist. Und ich glaube, dass Yvonne die weite Reise nicht in den Turnierplan passt. Sie ist im Ranking zurückgefallen, und dann kommt so etwas wie Torschlusspanik. Sie hat 30 Turniere im Computer und hat es nicht zusammengebracht, weiter vorne zu stehen. Aus ihrer Sicht ist es wahrscheinlich die richtige Entscheidung, Japan auszulassen. Tamiras Vater hat mir gesagt, dass ihr Coach den Turnierplan macht. Und der FedCup passt da nicht rein. Sie wird ja die Staatsmeisterschaften spielen, müsste dann von Rasen auf Hartplatz und dann auf Sand wechseln. Obwohl man auch sagen muss, dass die ersten drei Runden für Tamira bei den Staatsmeisterschaften wohl keine Probleme darstellen würden.

Rächt sich jetzt vielleicht das schlechte Verhältnis zu Daniela Kix – die Geschichte mit dem Fitnesstest ist uns da noch in Erinnerung ...
Nein. Sie war ja gegen Russland dabei. Ich habe ihr nach dem Teamcup vor Evi Fauth und Nicole Remis ohne jeden Fitnesstest den Vorzug gegeben. Aber ihr ist die Amerika-Tournee wichtiger.

Warum sind die Klemenschits-Schwestern nicht dabei?
Gegen Japan habe ich die beiden nicht in Betracht gezogen. Japan hat mit Ai Sugiyama und Shinobu Asagoe zwei Top 20-Spielerinnen im Doppel. Und ich denke, dass die Jungen im Einzel genauso gut sind wie die Klemenschitse.

Es gab ja Unstimmigkeiten beim letzten FedCup-Duell. Sind die geklärt? Und werden die beiden wieder für Österreich spielen?
Die beiden haben sich nicht gerade mannschaftsdienlich verhalten. Aber die Unstimmigkeiten sind beigelegt. Ob sie wieder einberufen werden, hängt von ihrer Entwicklung im Doppel ab. Wenn sie sich wieder in die Top 100 spielen und wir ein eingespieltes Doppel brauchen, das vielleicht den dritten Punkt bringt, sind die Klemenschitse sicherlich ein Thema.

Wieso sind Spielerinnen wie Stefanie Haidner, Patricia Mayr, Petra Russegger oder Eva-Maria Hoch bei der aktuellen Nominierung übersprungen worden?
Das wären einmalige Notlösungen gewesen. Ich glaube nicht, dass eine dieser Spielerinnen einen Fixplatz im FedCup-Team beanspruchen wird. Ich möchte um eine oder zwei routinierte Spielerinnen ein junges Team aufbauen. Melanie Klaffner und Niki Hofmanova waren am Sprung ins Team, mit den Absagen haben sie es nun etwas früher geschafft.

Haben Sie die beiden schon spielen gesehen?
Nicht gegen Damen, ich kenne sie noch von Jugendturnieren. Aber ich habe natürlich ihre Entwicklung anhand der Ergebnisse verfolgt.

Nach der letzten Absagenflut und vor dem aussichtslos scheinenden Duell gegen Japan: Wollen Sie als Kapitän überhaupt weiter machen?
Man darf nicht persönlich beleidigt sein. Der FedCup hat bei den Spielerinnen einfach nicht oberste Priorität. Man muss davon ausgehen, dass die Spielerinnen, die drei oder vier Mal in Folge abgesagt haben, kein Interesse am Bewerb haben. Ich sehe das entspannt und werde meinen Vertrag noch erfüllen.

Wie lange läuft ihr Vertrag?
Noch bis Ende 2007. Danach werde ich mich nicht mehr um den Posten anstellen. Das ist auch mit dem Präsidenten ausgemacht.

Warum ist den Spielerinnen der FedCup nicht wichtig? Das Phänomen, dass die Profis auf den FedCup verzichten, ist ja nicht neu. Patty Schnyder spielt ja zum Beispiel auch nicht mehr ...
Zuerst kommen die privaten Interessen, dann der FedCup. Das muss man akzeptieren. Es gibt nur sehr wenige Spielerinnen – wie eine Babsi Schwartz –, für die der FedCup Pflicht ist.

Was sind Ihrer Meinung nach die Gründe?
Eine Tokio-Reise mitten in der Saison ist nicht angenehm. Auch die USA sind in der ersten Runde schwach angetreten. Wenn es für den FedCup Weltranglistenpunkte gäbe, könnte man vielleicht die Top-Spielerinnen leichter dafür motivieren. Auch der finanzielle Anreiz ist für die Spitzenspielerinnen nicht groß genug: Die 10.000 bis 15.000 Euro, die sie bekommen, verdienen sie bei den Turnieren auch.

Kann der ÖTV etwas verbessern?
Nächstes Jahr sollten wir die FedCup-Verträge mit Spielerinnen abschließen, die von vornherein bereit sind, beide Termine einzuhalten. Es wäre sinnvoll, wenn man vier bis fünf Spielerinnen findet, die dann den Stamm bilden.

Interview: Peter Robic




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