French Open: Alle Österreicher out - schlechtestes Ergebnis seit 1985

Österreichs drei Vertreter in den Einzel-Hauptbewerben der French Open in Roland Garros sind ausgeschieden.

Paris, Montagfrüh, Regen – zwei Stunden vor dem offiziellen Spielbeginn in Roland Garros sah es noch nicht nach einem regulären Spieltag beim zweiten Grand Slam-Turnier des Jahres aus. Das Wetter erinnerte an das ATP-Turnier von Pörtschach in der Vorwoche. Doch anders als am Wörthersee, hörte es an der Seine kurz vor elf wie bestellt zu regnen auf.

Österreich – Deutschland 0:2
Obwohl Österreichs beste Herren an die kühlen Bedingungen gewohnt waren, konnten sie den - zugegeben zweifelhaften - Vorteil nicht nutzen. Jürgen Melzer unterlag seinem Angstgegner (Bilanz 0:7) Nicolas Kiefer 6:7 (4), 3:6, 1:6. Oliver Marach musste sich Philip Kohlschreiber 4:6, 5:7, 7:6 (6), 2:6 geschlagen geben.

Sybille Bammer unterlag der großen Venus Williams am zweitgrößten Court in Paris.
Bammer trotz Problemen mit Chancen
1:09 Stunden wehrte sich Sybille Bammer gegen die ehemalige Weltranglistenerste Venus Williams auf dem Court Suzanne Lenglen – dem zweitgrößten Platz der Anlage – ehe sie als 4:6, 3:6-Verliererin vom Court ging. Die angeschlagene Achillessehne machte der Ottensheimerin Probleme: "Ich hab bei jedem Schritt Schmerzen gehabt, war beim Aufschlag gehandicapt. Trotzdem war ich dran ..." Drei Breaks genügten gegen die Siegerin von 2002 nicht, in den entscheidenden Phasen war Williams zu aggressiv, Bammer hingegen oft den Schritt zu spät und den Meter zu kurz.

Wieder nichts zu holen für Melzer
"Vielleicht kommt irgendwann der Tag an dem ich ihn schlage", meinte Jürgen Melzer im Anschluss an sein Match mit Kiefer. Was hat gefehlt? "Keine Ahnung." Die Partie verlief zunächst ausgeglichen, bei 5:6 wehrte Jürgen zwei Satzbälle ab, im Tiebreak verwertete der Deutsche aber seinen fünften zum 7:4. Ein frühes Break im zweiten auf 1:2, noch eines auf 3:5 und nach einem Vorhand-Fehler war auch Satz zwei weg. Im dritten Satz lag Österreichs Nummer eins gegen sein deutsches Pendant schnell 0:5, 0:40 zurück, machte noch ein Ehrengame, ehe Kiefer zu Null ausservierte. "Er hat sich sehr gut bewegt, wenig Fehler gemacht. Vor allem aber besser serviert als ich und mit der Vorhand mehr angetaucht, als im letzten Spiel (Anm: vor zwei Wochen in Hamburg)."

Marach mit kurzem Fuß ohne Weg
Ein von Beginn an mit sich hadernder und humpelnder Oliver Marach wehrte in Satz drei bei 4:5 einen Matchball ab, gewann diesen Durchgang im Tiebreak, verlor dann aber Satz vier glatt und damit das Match. "Ich weiß, dass ich gut drauf bin. Und dann schießen mir die Leute die Bälle um die Ohren", war Oli enttäuscht, zollte seinem aggressiv spielenden Gegner aber Respekt. "Hier oben können alle Tennis spielen, daran muss ich mich noch gewöhnen", so der Steirer, der mit seinem Knöchel nur wenige Probleme hatte: "Ich hab heute ohne Tape gespielt, bis zum vierten Satz ging das problemlos. Dann hat’s begonnen weh zu tun, gleichzeitig bin ich mental abgefallen." Das Fazit: "Ich hab keinen Weg gefunden, ihn ins Stolpern zu bringen." Apropos: Warum Marach immer zu humpeln scheint: "Ein Fuß ist bei mir 1,5 Zentimeter kürzer ..."

Spritzen verboten
Kurios: Unabhängig voneinander haderten beide Österreicher mit den Platzverhältnissen. "Der Court war bereits ein richtiger Hartplatz, die Steine sind herausgekommen, jeder Ball ist abgezogen", meinte Marach, der den Platz nach Satz drei spritzen lassen wollte. Der Wunsch blieb ihm verwehrt, das Platzpersonal als Entscheidungsträger winkte ab, der Stuhlschiedsrichter wollte den Supervisor nicht einmal holen lassen. Bei Melzer, "es war so rutschig", kam der Supervisor nach Satz zwei zumindest auf den Platz, erklärte aber, dass das Court-Personal über Spritzen oder Nichtspritzen entscheide. Entschieden wurde auf Nichtspritzen – beide Male.

Schlechtestes Ergebnis seit 1985
Für Österreich bedeutet das Auftaktaus der drei Vertreter in den Einzel-Hauptbewerben, das schlechteste Ergebnis seit 1985. Damals war Thomas Muster der einzige Heimische im Einzel; er unterlag dem Ungarn Balazs Taroczy in Runde eins. Seither hatte es immer zumindest eine Dame oder ein Herr aus Österreich bis in Runde zwei geschafft. Melzer, Marach und Bammer werden in Roland Garros 2006 noch im Doppel zu sehen sein: Melzer mit Knowle, Marach mit Suk und Bammer mit Schruff. Vielleicht gibt es auch noch Mixed mit rot-weiß-roter Beteiligung: Marach/Bammer haben bereits genannt. Melzer könnte mit Anastasia Myskina spielen. Auch Julian Knowle ist ein Kandidat für ein gemischtes Doppel.

Peter Robic aus Paris, Roland Garros


Die tennisweb.at-Raster von den French Open:
Herren-Quali
Damen-Quali
Damen
Herren


zurück zur Übersicht