"Österreich braucht keine drei ATP-Turniere"

Pörtschachs Turnierdirektor Ronnie Leitgeb spricht über seine Ziele mit dem Turnier, über Tradition und Zukunft und warum Ivanisevic statt Ljubicic vorbei kommt.

Nach zwölf Jahren in St. Pölten ist das ATP-Turnier nun nach Pörtschach übersiedelt. Wann wurde der Entschluss gefasst, das Event nach Kärnten zu bringen?
Ein wichtiger Ausgangspunkt war meine Funktion als KTV-Präsident. Die Leute sind an mich herangetreten, und haben gesagt: "Wir haben die schönste Tennisanlage in Österreich und sie wird so selten benutzt."

Und Sie haben das geändert.
Ja. Wir haben uns dann entschieden zu versuchen, das ATP-Turnier nach Pörtschach zu verlegen. Und im März in Key Biscayne hat die ATP der Verlegung schlussendlich zugestimmt.

Und jetzt konnte man lesen, der Vorverkauf hat jenen von St. Pölten bereits um 30 Prozent überschritten. Sind Sie mit der Entwicklung zufrieden?
Man muss sich vorstellen, in welcher Kurzfristigkeit das alles entstanden ist. Innerhalb von drei Monaten wurde es möglich gemacht, ein ATP-Turnier zu vermarkten. Ich glaube, das ist Weltrekord. Normalerweise läuft das Marketing das ganze Jahr und es gibt sogar Weihnachtsaktionen. Wir haben hier in kürzester Zeit was geschaffen, was wirklich sehr positive Resonanz hervorgerufen hat.

Was macht den Unterschied zwischen Pörtschach und St. Pölten aus?
Es ist die ganze Atmosphäre. Am Wörthersee gibt es umfassende Gastronomie und Hotellerie, in St. Pölten gibt es genau ein Hotel. Das Turnier soll der Startschuss für den Pörtschacher Tennis-Sommer sein. Ich glaube der Termin in der dritten Mai-Woche ist genau der richtige dafür.

Warum braucht Österreich eigentlich drei ATP-Turniere? Wäre nicht eines in der Halle und eines im Sommer auch genug?
Österreich braucht keine drei ATP-Turniere. Aber wir haben damals durch Thomas Muster eine dritte Lizenz erhalten, welche man jetzt unbedingt behalten muss. Heute würden wir wahrscheinlich keine neue mehr bekommen. Die Chance mit Pörtschach hat sich aufgetan, und wir waren sehr dahinter, diese auch zu nutzen.

Mit Lleyton Hewitt und Nikolai Davydenko sind zwei Topstars bereits fix. Wie konnte das Budget für ein Turnier dieser Größenordnung so kurzfristig aufgestellt werden?
Wir haben mit der Hypo Group Alpe Adria einen tollen Hauptsponsor und auch wirklich viele regionale Sponsoren, die uns sehr kurzfristig geholfen haben. Es muss aber sehr viel investiert werden, sodass das Turnier in den ersten zwei Jahren – wenn überhaupt – nur kostendeckend wirtschaften kann.

Auch Goran Ivanisevic wurde als Star vorgestellt. Sind Hewitt, Davydenko und Melzer heutzutage schon zuwenig, und Senioren-Events bei solchen Veranstaltungen unumgänglich?
Es gibt kein Senioren-Event in dem Sinn. Goran Ivanisevic ist einer der bekanntesten Kroaten und Kroatien stellt für unseren Hauptsponsor einen sehr wichtigen Markt dar. Dazu kommt noch Janica Kostelic als Pendant für den Wintersport. Ivan Ljubicic haben wir leider nicht bekommen, der hatte schon andere Verpflichtungen.

Horst Skoff hat gemeint, Tennis braucht mehr Show Acts, mehr Rahmenprogramm. Sind Sie auch dieser Meinung?
Ja, das ist schon richtig. In Pörtschach versuchen wir, Tradition und Future miteinander zu verbinden. Pörtschach hatte schließlich 1899 das erste Tennisturnier in Österreich.

Wie soll die Tradition fortgeführt werden?
In den alten Schwarz-weiß-Filmen von Kärnten sind die Leute immer mit dem VW Käfer Cabrio rund um den Wörthersee gefahren, wir stellen heuer in Pörtschach den neuen VW Eos Cabrio vor. Außerdem wird der Fünf-Uhr-Tee – ein Klassiker aus alten Zeiten – wiederbelebt. Dazu kommen die Dancing Stars. Man muss irrsinnig kreativ sein.

Und die Future?
Für die Jugend in Kärnten gibt es durch die Kooperation mit dem Landeshauptmann eine besondere Möglichkeit: Von Montag bis Mittwoch haben alle Jugendlichen aus Kärnten die Bahnfahrt nach Pörtschach und den Eintritt ins Stadion frei. So sollen die Kinder wieder zum Tennis gebracht werden.

Bei solchen Aktivitäten ist natürlich ihre Funktion als KTV-Präsident hilfreich.
Selbstverständlich. Als Präsident lassen sich einige Entscheidungen einfach schneller treffen. Und als Turnierveranstalter versuche ich, wieder Geld für den Verband zu erwirtschaften. Es lässt sich einfach gut verknüpfen.

Wie viel arbeiten Sie als Turnierdirektor, wie viel als Präsident?
Das lässt sich nicht so genau trennen. Mein Tag ist jedenfalls ausgefüllt.

Sie haben in St. Pölten als Turnierleiter begonnen, damals war das Turnier mit einem Thomas Muster als Zugpferd fast ein Selbstläufer. Ist es heute sehr viel schwieriger, ein Turnier gewinnbringend zu veranstalten?
Es ist wesentlich aufwendiger. Man muss viel mehr Partnerschaften eingehen, viel mehr Kooperationen. Damals sind die Leute einfach von alleine nach St. Pölten gefahren.

Und wurden von Muster nicht enttäuscht. Welche Österreicher werden wir in Pörtschach im Hauptbewerb sehen?
Neben Jürgen Melzer wird auf jeden Fall der Ur-Kärntner Stefan Koubek eine Wildcard bekommen.

Zwei Wildcards sind dann noch offen. Wird Oliver Marach auch eine bekommen?
Auch er ist ein Thema. Aber es muss noch gecheckt werden, welche internationalen Stars noch verfügbar sind. Wenn noch ein Top 20-Spieler spielen könnte, wäre das schon sehr interessant.

Und wer bekommt die Wildcards für die Qualifikation?
Das wird mit Gilbert Schaller entschieden.

Vielleicht noch kurz zu ihnen: Auf der Homepage des Kärntner Tennisverbands steht bei ihrer Person eine Adresse und eine Telefonnummer von Monte Carlo. Ist das noch aktuell?
Das ist die Adresse meiner Firma. Ich bin eigentlich immer von Montag bis Donnerstag in Monte Carlo und – wenn man so will – ein Wochenend-Kärntner.

Das Turnier ist nun auf fünf Jahre gesichert. Was wollen Sie in dieser Zeit erreichen?
Wir wollen uns international etablieren und der ganzen Welt schöne Bilder von Kärnten präsentieren. Das Turnier soll sich für ganz Kärnten zu einem großen Highlight entwickeln und eine Werbung für die Region darstellen. Der Tourismus war ja in St. Pölten leider zur Gänze zu vernachlässigen.

Wer wird das Turnier 2006 gewinnen?
Ich wünsche mir, dass Lleyton Hewitt das Turnier gewinnt. Aber auch Jürgen Melzer als Sieger wäre fein.

Interview: Peter Brandhofer




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