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Pörtschach statt Paris – oder doch beides?
Österreichs Neo-Top 100-Spieler Oliver Marach im tennisweb.at-Interview. Über Ziele, Druck, Grand Slams, seine Wildcard in Pörtschach und den Daviscup.

Oli, das war eine tolle Woche für dich in Rom: Turniersieg und damit die Top 100 geknackt. Hättest du dir das am Wochenbeginn gedacht?
Nein, sicher nicht. Ich bin inzwischen müde vom vielen Herumreisen. Ich war die ganze Woche gesundheitlich nicht auf der Höhe, hab Fieber gehabt.
Dein großes Ziel hast du damit erreicht. Wie geht's dir jetzt als Top 100-Spieler?
Ich würde sagen ein kleineres Ziel hab ich damit erreicht. Natürlich fühl ich mich jetzt super, aber das große Ziel ist auch in den Top 100 zu bleiben und vielleicht noch heuer um 75 zu stehen.
Du klingst jetzt nicht so euphorisch ...
Die Euphorie ist nicht so groß, dafür bin ich derzeit zu blau.
Wie sieht das am Platz aus? Überspielst du da die Müdigkeit?
Bei meinen Matches schau ich aus wie ein Toter. Ich schleiche zwischen den Ballwechseln herum. Aber bei den Punkten konzentriere ich mich voll.
Ist jetzt eine Pause eingeplant?
Nach Rom mach ich dann zwei Wochen Turnierpause. Fünf Tage mach ich nichts, nur relaxen in der Therme. Und dann beginnt die Vorbereitung auf Pörtschach. Ich werde schon am Dienstag (15. Mai, Anm. d. Red.) oder Mittwoch anreisen, am Sonntag hab ich dann wahrscheinlich mein erstes Match.
Das Thema Top 100 hat dich ja schon einige Zeit beschäftigt. Ist dir jetzt ein riesiger Stein vom Herzen gefallen?
Ich glaube, das war ein großer Knackpunkt. Ich war heuer oft schon knapp davor in die Top 100 zu kommen, hab mir dann den Druck gemacht und verloren. Es war immer im Hinterkopf. Zuletzt ist dann der Cut für den French Open-Hauptbewerb dazugekommen – ich hab gewusst, wenn ich noch ein paar Punkte mache, bin ich drinnen. Ich hoffe, dass ich ohne diesen Druck jetzt besser spielen kann.
War dieser Druck auch der Grund für die Niederlage gegen die Nummer 566 der Welt, Mehdi Tahiri, beim ATP-Turnier von Casablanca?
Da denkst natürlich nach – bei einem Grand Prix-Turnier einen solchen Gegner zu haben. Du weißt, dass du ganz knapp an den Top 100 dran bist. Aber wenn man Favorit ist, strengt sich der Gegner immer doppelt so viel an. Tahiri genauso wie Guccione in Rom, der mir im ersten Satz 20 Asse schießt. Aber in Rom bin ich damit gut umgegangen.
Die Top 100 bedeuten ja auch die Hauptbewerbsteilnahme bei den Grand Slams. Bei den French Open bist du derzeit ja nicht sicher dabei. Wie stehen deine Chancen noch hineinzurutschen?
Wenn drei Spieler absagen, bin ich dabei. Ich denke, Andre Agassi und Taylor Dent werden nicht spielen, und dann hoffe ich noch auf einen Glücksraben.
Sollte es sich nicht ausgehen – spielst du dann Qualifikation?
Nein. Ich spiel Pörtschach voll. Ich hab eine Wildcard-Zusage fürs Einzel und das Doppel mit Cyril Suk.
Wie sieht es mit Wimbledon aus? Kommst du da in den Hauptbewerb?
Ja, das ist fix. Aber ich werde mich nicht speziell vorbereiten, außer ich komme bei einem der Vorbereitungsturniere in den Hauptbewerb.
Und wenn wir schon bei den Großereignissen sind: Wie steht's mit dem Daviscup? Für dich ein Thema?
Dass ich in der Steiermark nicht im Team war hat mir sehr wehgetan. Ich hätte ja nicht spielen müssen, aber als Österreichs Nummer zwei hätte ich es mir schon verdient. Ich weiß nicht, was ich falsch gemacht hab, ich hab im Training alles gegeben und auch gut gespielt.
Wirst du gegen Mexiko spielen, falls du nominiert wirst?
Derzeit möchte ich eher nicht Daviscup spielen.
Interview: Peter Robic
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