"Wenn's sein muss, hol' ich ihn eigenhändig vom Platz herunter"

Martin Spöttl ist der neue alte Trainer von Daniel Köllerer. Warum die Zusammenarbeit im Vorjahr für den Vorarlberger nicht mehr tragbar war, und wie er es schaffen will, Crazy Däni doch noch auf den richtigen Weg zu führen, erzählte er tennisweb.at.

Martin Spöttl ist Trainer auf der Anlage des WTV und nach recht kurzer Zusammenarbeit im Sommer des Vorjahres nun wieder Coach von Daniel Köllerer. Der 30-jährige Dornbirner stand im Mai 2000 auf ATP-Position 181 und musste im Juli 2001 seine Karriere verletzungsbedingt beenden. Nun hat er einen Plan, wie er den bis Ende August auf ATP-Ebene gesperrten Bad Boy doch noch in die Weltspitze führen will.

In einer Presseaussendung wurdest du als neuer Trainer von Daniel Köllerer vorgestellt. Aber ist das wirklich neu, ihr habt ja schon im Vorjahr zusammengearbeitet?
Wir waren im Vorjahr zwei Monate ein Team, danach habe ich die Zusammenarbeit nach einigen Vorfällen beendet. Damals war es einfach mit meinen Vorstellungen nicht zu vereinbaren, ihn noch länger zu trainieren.

Du wurdest damals zitiert mit den Worten: "Man muss sich mit ihm sowohl auf als auch außerhalb des Platzes nur genieren." Stimmt das?
Genau das hab ich gesagt. Es kann ja nicht sein, dass ich nach den Matches zu den anderen Coaches hingehen muss, und mich bei denen für das Verhalten meines Spielers entschuldigen. Ich wollte ihn schon davor zwei Monate keine Turniere spielen lassen. Aber das war damals leider unmöglich.

Warum?
Er hat genau zu diesem Zeitpunkt die Wildcard für Kitzbühel bekommen und war in jedem Challenger gesetzt. Da hätte mich wohl jeder für verrückt erklärt, wenn ich ihm gesagt hätte: Lieber Daniel, wird wohl nix aus Kitz und den vielen Challengern, jetzt trainieren wir mal zwei Monate.

Aber dadurch hätte er sich seine Sperre ersparen können.
Leicht möglich. Aber ehrlich gesagt sehe ich die Sperre sehr positiv. Man müsste der ATP ja fast ein Dankschreiben schicken für diesen Schritt. Sonst wäre es wahrscheinlich immer so weiter gegangen.

Wie soll es jetzt weitergehen?
Das wichtigste ist, dass wir jetzt Zeit haben, Stärken auszubauen, und Schwächen zu beseitigen. Die Ausgangslage ist eine ganz andere als damals. Darum haben wir uns entschieden, wieder miteinander zu arbeiten. Jetzt läuft alles anders.

Inwiefern?
Ich habe einen Plan ausgearbeitet, den ich Daniel, seinem Manager und auch seinen Eltern präsentiert habe. Wir sind uns einig, dass dieser Plan wahrscheinlich die einzige Möglichkeit ist. Auch Daniel hat begriffen, dass sich etwas ändern muss.

Das hört man nicht zum ersten Mal ...
Das ist richtig, das hört man wirklich nicht zum ersten Mal. Trotzdem bin ich weiter überzeugt von ihm, und ich werde alles daran setzen, ihn auf die richtige Bahn zu lenken.

Wie soll das passieren? Was beinhaltet dieser Plan?
Ich entscheide, wann Daniel wieder Turniere spielt. Und ich entscheide, was trainiert wird, sowohl bezüglich Tennis als auch Kondition.

Was ist also, wenn er sich beim Trainieren aufführt?
Meine Toleranz ihm gegenüber ist bei Null komma Null. Ein anderer Spieler kann sich weitaus mehr erlauben als er. Solange ich mit ihm am Platz bin, kann er sich nicht das geringste erlauben, und das weiß er ganz genau. Daniel hat Vorgaben und wenn er sich an diese nicht hält, dann sitzt er eben drei Stunden länger am Rad.

Und wie läuft's bis jetzt? Wurde schon viel radgefahren?
Der Anfang ist gemacht, die erste Trainingswoche hat er überstanden. Und es war sicher nicht leicht für ihn. Eine Woche ist schön und gut, Daniel muss mir aber über lange Zeit beweisen, dass er sich an unsere Vereinbarungen hält. Wenn man sich jahrelang nach seinem Schema präsentiert, bessert man sich nicht einfach von heute auf morgen. Das braucht Zeit.

Wie ist der Ton im Training? Wie beim Militär?
Würde ich nicht sagen. Ich bin grundsätzlich ein ruhiger Typ.

Wie schwierig ist es für dich selbst, diese Aufgabe durchzuziehen?
Ich bin da ganz entspannt. Ich habe einen Plan, an den ich mich strikt halte. Nur so kann es funktionieren.

Angenommen, es funktioniert. Wann wird Daniel wieder ein Turnier spielen?
Für die French Open ist er ja nicht gesperrt. Aber nur wenn er mir hundertprozentig bewiesen hat, dass er spielerisch und mental so weit ist, werden wir dorthin fliegen. Ich werde das kurzfristig entscheiden.

Könnte es zum Beispiel auch sein, dass er sein nächstes Turnier erst im Juli spielt?
Ich hoffe nicht, aber möglich wäre es. Wenn bis Paris alles glatt geht, dann fliegen wir hin. Wenn nicht, dann bleiben wir eben daheim und trainieren bis zum Umfallen. Es kann auch sein, dass er erst nach seiner Sperre im September wieder ein Turnier spielt. Es liegt einzig und allein an ihm.

Ok. Und angenommen, ihr fährt zu einem Turnier und es gibt einen Vorfall?
Dann hol' ich ihn eigenhändig vom Platz herunter. Mit Sicherheit.

Was sind deine sportlichen Ziele?
Obwohl es bei Daniel noch so viel Verbesserungspotential gibt, war er schon die Nummer 144 der Welt. Er hat noch Reserven in allen Bereichen: sowohl technisch, als auch taktisch, konditionell und mental. Und genau das stimmt mich positiv und zuversichtlich, dass es mit ihm weiter nach oben gehen kann.

Wie hoch schätzt du seine Möglichkeiten ein?
Über seine Fähigkeiten brauchen wir wohl nicht zu diskutieren, spielerisch hat er die Top 50 sicher drauf. Aber auch Spieler um 500 oder 600 hätten rein spielerisch Top 50-Niveau. Den Erfolg machen eben viel mehr Faktoren als nur eine gute Vorhand oder eine gute Rückhand aus: Selbstvertrauen, das Verhalten am Platz, wie man mit Niederlagen umgeht, wie man Rückschläge wegsteckt. All das muss zusammenpassen.

Interview: Peter Brandhofer




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