"Wenn du etwas willst, dann frage"

Wer ist Michael Winkler? Er ist bei jedem großen Tennisevent in Österreich dabei. Er hat Grand Slam-Erfahrung. Jetzt schlug er Christian Kern und will in die Top 10. Das Interview.

Christian Kern hat beim Turnier in St. Pölten bei 3:6, 4:3 gegen dich aufgegeben. Was sagst du zur Partie?
Normalerweise gewinnt der Christian gegen mich immer. Ich hab inspiriert vom Daviscup absolut am Zenit, am Limit gespielt und sieben Games gemacht. Er spielt drei Klassen über mir. Es tut mir leid für ihn, dass er sich wehgetan hat.

Was hat er sich getan?
Er hat mit 200 km/h serviert und sich dabei den Rücken verrissen. Er hat das ab und zu, hat er mir gesagt.

Du hängst ja manchmal die Kroatien-Fahne bei deinen Matches auf. Auch gegen Christian Kern?
Gegen Christian nicht. Ich hänge sie auf, wenn Daviscup-Stimmung beim Turnier herrscht.

Du warst ja mittels Wildcard in St. Pölten dabei. Wie ist es dazu gekommen?
Ich habe bei Bernd Haberleitner ganz offiziell angesucht und ihn offenbar überzeugt.

Hast du dir schon ausgerechnet, was der Sieg für dich bedeutet? Es gibt 22 Bonuspunkte, plus zwei Rundenpunkte. Das bringt dich etwa auf Platz 220 in der ÖTV-Herrenrangliste.
Ich hab gedacht für einen w.o.-Sieg gibt’s keine Bonuspunkte. Aber 220 ist ja nicht so gut, oder?

Schlecht aber auch nicht. Was ist dann gut?
Top 100.

Wo würdest du dich spielstärkemäßig selbst einordnen?
Landesliga B bei den Senioren. Aber mir ist wichtig gegen gute Leute zu spielen, da zwinge ich mich zu höherem Risiko. Nicht wie andere, die sogar Turniere absagen, wenn stärkere Gegner mitspielen. Wenn einer besser ist, dann ist das okay. Aber in St. Pölten hab ich gesehen, dass die Topspieler nicht so weit weg sind. Auch im Match gegen Isaev. Das Training zahlt sich aus.

Verbesserst du dich noch?
Ja. Vor allem meine Rückhand und mein Spielverständnis habe ich verbessert. Auch meine Taktik – ich spiel’ jetzt auch manchmal nur rein. Aber ich bin Serve-and-Volley-Spieler –damit überrasche ich viele.

Wie sieht dein Trainingspensum aus?
Ich trainiere drei bis vier Mal in der Woche am Platz, meist beim Tennispoint in der Baumgasse. Dort hat man die besten Trainingsbedingungen. Dazu Krafttraining und in Australien war ich zuletzt jeden Tag laufen. Mit meinem Coach Bernd Eberl trainiere ich zwei Mal in der Woche.

Hast du auch Ziele?
Natürlich. Ich möchte in der ITF-Seniorenrangliste unter die Top 10 kommen – darauf hab ich mit Stefan Koubek um eine Flasche Champagner gewettet. Und auch in der nationalen Rangliste sind die Top 10 mein Ziel. Dafür muss ich viele erfolgreiche Turniere spielen – fünf internationale habe ich geplant. Noch in dieser Woche bin ich bei den Österreichischen Seniorenmeisterschaften am Start.

Du hast seit 2004 auf der nationalen Seniorentour nie mehr als ein Match pro Turnier gewonnen. Wie gibt’s das?
Ich hab oft zuviel riskiert, hab versucht die Spiele zu dominieren. Beim Wegdrücken hab ich aber zu viele Fehler gemacht. Und die Senioren spielen meist nur rein. Ich will mir aber beim nächsten Mal anschauen wie ich gegen einen Charamza spiele, wenn ich von hinten mitgurke.

Du warst letztes Jahr ja national gesperrt. Kannst du kurz schildern was da war?
Ich hab in Schwechat gegen Uli Rehlen gespielt. Im zweiten Satz meinte er, er habe das Game schon gewonnen. Es stand aber erst 40:30. Er hat sich wohl verzählt. Und selbst wenn ich mich verzählt habe, war das was er gemacht hat nicht okay. Er kam mit einer Drohgebärde auf meine Seite und meinte, "dass dir noch keiner eine aufgelegt hat". Ich hab darauf gesagt, dass er es nicht sein wird, der das macht. Dann hat er gefragt, ob er mir sein Geschlechtsteil von hinten in meinen Körper stecken soll. Daraufhin wollte ich nicht mehr weiterspielen und bin abgetreten und disqualifiziert worden. Nachher hab ich dann meine Hose gerichtet, das hat Schiedsrichter Josef Bobrowsky – wir sind ja bereits öfters aneinander geraten – fehlinterpretiert.

Was heißt, du hast deine Hose gerichtet?
Ich habe mir in den Schritt gegriffen. Die Geste galt Rehlen. Aber Bobrowsky hat das als vulgäre Geste gegen seine Person interpretiert.

Du bist dann mit einer Strafe belegt worden, die du zunächst nicht bezahlt hast. Warum dann doch?
Ich wollte nicht zahlen, da ich Bobrowskys Entscheidung so nicht stehen lassen konnte. Ich bin von der journalistischen Seite an das Problem herangegangen, habe im Happy Tennis darüber geschrieben. Zum Glück ist Bobrowsky daraufhin als Schiedsrichter zurückgetreten. Für mich war er unfähig. Ich wollte aber wegen der Aktion nicht mein Leben lang auf der nationalen Tour gesperrt sein. Und Ende letzten Jahres bin ich von Herrn Wolner begnadigt worden, musste statt 600 nur 350 Euro bezahlen – und das hab ich dann gemacht.

Du sagst, du bist von der journalistischen Seite an das Problem herangegangen. Viele fragen sich ja, was macht Michael Winkler? Bist du Journalist? Für wen arbeitest du?
Ich arbeite für die Sportzeitung "Sportive" in Wien. Außerdem für den hessischen Rundfunk in Frankfurt.

Aber du fotografierst ja auch ...
Ja. Im Journalismus kann man nicht nur in eine Richtung gehen. Neben euch, sind meine Bilder auch auf der Jürgen Melzer-Homepage veröffentlicht, oder im Happy Tennis. Das ehrt mich schon.

Letztes Jahr hast du gemeint: "Ich habe den Grand Slam gemacht!" Du und Rod Laver also. Du warst bei allen Grand Slams, dazu bist du auch bei praktisch allen internationalen Events in Österreich dabei. Wieso?
Es ist natürlich beruflich, aber Tennis ist meine Leidenschaft. Ich war bei den letzten acht Grand Slam-Turnieren, da fährst du nicht hin, wenn du Tennis nicht in deinem Herzen hast. Und ich habe immer tolle Sachen erlebt.

Zum Beispiel?
In Wimbledon bei meinem ersten Grand Slam-Turnier vor zwei Jahren. Ich war dort, hatte aber praktisch keine Chance auf ein Quartier – geschweige denn auf ein günstiges. Alles war komplett voll. Ich wollte mir ein Ticket für die U-Bahn kaufen, dafür muss man dort ein Foto machen. Eine junge Frau zeigte mir wo man das Foto macht. Ich hab gemeint, wenn sie das weiß, weiß sie auch wo man eine günstige Unterkunft findet. Und sie wusste es – ihre Mutter hatte ein Zimmer frei. Und die wohnt acht Minuten vom Centercourt entfernt. Seitdem darf ich dort wohnen – kostenlos. Und in Melbourne und New York war es ähnlich. Ich hab dort nette Leute kennengelernt, bei denen wohne ich. Und im Gegenzug lad ich sie zu mir nachhause ein, wenn sie in Österreich sind.

Das nenne ich Glück.
Ich denke, der Herrgott passt auf mich auf. Wenn jemand aufbricht auf eine große Reise, passieren die unglaublichsten Dinge. Mein Motto ist: Wenn du etwas willst, dann frage.

Neben deinen internationalen Turnierbesuchen bist du auch auf der ITF-Seniorentour aktiv. Letztes Jahr hast du mit Ernst Tenkl in Marbella sogar einen Doppeltitel geholt. Gibt’s da einen Unterschied zu den nationalen Turnieren?
Es ist ein anderes Gefühl. In Spanien haben die Organisatoren einfach eine andere Leidenschaft. Bei uns haben die nur wenige, dabei fallen die Turniere von Bernd Haberleitner positiv auf.

Bleiben wir kurz bei der ITF. Du hast in deinem Profil angegeben, dass dein Wohnort Monte Carlo ist, du als Coach aktiv warst oder bist. Was hat es damit auf sich? Warst du schon einmal in Monte Carlo?
Ich war schon mal in Monte Carlo, wohne aber in Wien. Das ist nur eine Finte. Zum Coachen: Wenn Irakli Labadze in Wien ist, trainieren wir zusammen. Er hat natürlich einen echten Coach, unsere Beziehung ist freundschaftlich. Aber mir macht es große Freude.

Als Lieblingsspieler hast du Goran Ivanisevic angegeben. Du wirst ja auch Goran genannt. Woher kommt dein Naheverhältnis zu Kroatien?
Von vielen Urlauben und Tenniscamps in Kroatien. Ich habe dort mein schönstes Doppel gespielt – nach einem Camp auf der Anlage des ATP-Turniers von Umag vor 80 oder 90 Zuschauern. Die Stimmung war ein Wahnsinn. Und Goran taugt mir, weil er die Leidenschaft hat, aber auch oft deswegen scheitert. Und ich scheitere auch oft.

Interview:Peter Robic




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