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Der viel beschäftigte Kapitän
Jahresbilanzen 2005 - Teil 38: Thomas Muster über seine Saison auf der Tour of Champions, nationale Vergleiche, TOMS Lifestyle, das Musterland Steiermark und seine Fixstarter im Daviscupteam.

Tom, du hast heuer neun von elf Turnieren auf der Delta Tour of Champions gespielt – mehr als jeder andere. Wieso?
Es kommen jedes Jahr mehr dazu. Für mich ist das eine gute Möglichkeit fit zu bleiben. Die Turniere sind gut aufgeteilt, ich bin etwa ein Drittel des Jahres mit der Tour beschäftigt. Außerdem ist das Interesse groß, den Fans gefällt es.
Dazu kommen noch einige Schaukämpfe und Einladungsturniere. Wie war das für dich wieder so viel Tennis zu spielen?
So viel ist das auch wieder nicht. Die Schaukämpfe und Vergleiche dauern ein oder zwei Tage. Und die Turniere auf der Tour vier Tage. Das ist nicht so arg.
Die Turniere in Rom und Graz hast du heuer gewonnen, du schließt im Ranking als Nummer drei der Tour of Champions ab. Wie happy bist du mit deiner Saison?
Ich bin schon ganz zufrieden. Nur leider habe ich nicht die Zeit, so viel zu trainieren, wie ich gerne würde. Ich hab ja auch sonst genug zu tun.
Darauf möchte ich später noch eingehen. Noch mal zur Tour of Champions: Wie ernst ist das Ganze eigentlich?
Klar spielen wir alle, weil es Spaß macht. Aber wir sind Sportler, wenn wir am Platz stehen, wollen wir gewinnen. Das hat man im Kopf. Aber natürlich gibt es auch enorme Leistungsschwankungen ...
... die durch Trainingsmangel zu erklären sind?
So ist es. Viele von uns sind ja voll berufstätig. Jim Courier hat eine Werbeagentur, veranstaltet teilweise selbst Turniere. Und ich hab mit meinem Unternehmen und als Daviscupkapitän viel zu tun. Wenn man zwei Monate keinen Schläger in der Hand hat, kann man sich keine Siege gegen einen Ivanisevic oder McEnroe erwarten.
Dennoch hast du heuer teilweise gute Leistungen gezeigt. Du hast Goran Ivanisevic, der Daviscup-Finale im Aufgebot von Kroatien stand, dort im Training angeblich Ivan Ljubicic und Mario Ancic geschlagen hat, zweimal besiegt. Was bedeuten dir solche Erfolge?
Wenn man gegen so einen gewinnt, ist es auch auf der Champions Tour okay. Aber es verändert mein Leben nicht. Goran hat eigentlich nie richtig aufgehört mit dem Profitennis, er ist ja auch der Jüngste bei uns. Wenn er kein Schulterproblem hätte, würde er wohl noch immer auf der ATP-Tour spielen. Ich bin auch sicher, dass er – wenn sein Aufschlag kommt – auf Rasen oder in der Halle auch heute noch gegen viele aktuelle Profis gewinnen würde.
Bei einem Schaukampf in Halle hast du heuer Boris Becker auf Rasen geschlagen. Auch ein wertvoller Sieg?
Man muss fairer Weise sagen, dass Boris eine Knieoperation hinter sich hatte und nicht 100-prozentig fit war. Aber ich hab ihn später auch in der Halle in Bremen bei einer Exhibition geschlagen. Dennoch – es ehrt mich, ihn auf Rasen zu schlagen, egal wie. Das in der Halle in Bremen war natürlich auch schön. In der Situation freut man sich einfach, aber ich will es nicht überbewerten.
Nicht so gut abgeschnitten hast du gegen John McEnroe. Wieso hast du die letzten vier Matches gegen ihn verloren?
John ist noch mit Leib und Seele Tennisspieler. Er trainiert vier bis fünf Mal in der Woche, spielt auf der ganzen Welt Schaukämpfe, Turniere. Er beschäftigt sich ausschließlich mit dem Sport. In Amerika kommentiert er auch Tennismatches im Fernsehen. Er spielt einfach am meisten von uns allen.
Aber immerhin ist McEnroe schon 46 Jahre alt ...
Aber mit dem Training kann er sich besser halten als alle anderen. Das muss man auch respektieren. Im Tennis kann man nix erschummeln. Für das was man trainiert, wird man belohnt. Es ist für mich nicht so wichtig, ob ich am Ende des Jahres Nummer eins, zwei oder drei bin.
Ehrlich? Das ist dir ganz egal?
Natürlich hab ich einen gewissen Ehrgeiz. Aber ich hab jetzt halt andere Prioritäten. Es geht mir auch um den Spaß, die Zuschauer und das Aufrechterhalten von Kontakten zu Tennisspielern und Turnierveranstaltern.
Wie lange wirst du bei den Champions noch dabei sein?
So lange es mir Spaß macht. Aber das ist auch eine körperliche Frage.
Oft wird von deinem Niveau im Vergleich mit den aktuellen ATP-Spielern gesprochen. Wo denkst du, würdest du derzeit stehen?
Es macht keinen Sinn da Vergleiche anzustellen. Mein Fitnesslevel passt nicht. Tatsache ist, ich hab 1999 mit dem Profitennis aufgehört. Das was ich jetzt mit meinem aktuellen Trainingsaufwand auf der Champions Tour spiele, ist nicht schlecht.
Bei uns im Forum wird diskutiert wie du gegen Thomas Schiessling und Konsorten abschneiden würdest. Hättest du Interesse an Vergleichen mit den nationalen Topspielern?
Das bringt mir überhaupt nichts. Ich traue mir schon zu gegen die Top 10 in Österreich zumindest einen Satz ausgeglichen zu gestalten. Technisch und vom Tempo ginge das sicher. Aber dann kommt es halt auch wieder auf die Fitness an. Gegen einen, der täglich trainiert, kommt es sehr darauf an wie man zum Ball steht, wie man sich bewegt.
Wie ist es um deinen Fitnesslevel bestellt?
Wenn man von 100 Prozent zu meiner Zeit als Profi ausgeht, stehÂ’ ich jetzt bei 35 Prozent.
Wo lag er vor deiner Rückkehr, als du noch in Australien warst?
Im Minusbereich, das will ich gar nicht kommentieren. Allerdings war ich vor zweieinhalb Jahren, als ich meine erste Saison auf der Champions Tour gespielt habe, sicher bei 75 Prozent.
Woran hapert es jetzt?
Mein Level hat sich aufgrund meiner Arbeit etwa halbiert. Ich sitz’ viel im Büro herum. Es ist auch nicht leicht in Graz regelmäßig einen guten Partner fürs Training zu finden. Fürs Tennis braucht man immer einen Zweiten. Und jene, die gut spielen, sind immer unterwegs.
Hast du eigentlich einen Coach? Oder macht das bei einem Spieler mit deiner Erfahrung keinen Sinn?
Für das was ich spiel, macht’s keinen Sinn. Es würde nur Kosten verursachen, für nichts und wieder nichts. Nur organisatorisch würde es vielleicht Sinn machen – er könnte die Trainingspartner, den Platz und so weiter organisieren.
Kommen wir doch jetzt zu deinen anderen Tätigkeitsbereichen. Deine Marke TOMS ist ja neben der Bekleidungslinie auch Namensgeber für Wasser und Wein. Wie geht’s da weiter?
Wir wollen uns weiter im Lifestyle-Bereich etablieren und jede Sparte größer und profitabler machen. Wir planen eine TOMS-Kosmetik-Linie, außerdem wird es nächstes Jahr eine Kooperation mit Kneissl geben: TOMS Machine wird zurückkommen.
Die verschiedenen Bereiche von TOMS werden jeweils von Franchise-Partnern betreut. Was ist da dein Part?
Der Weinberg auf dem TOMS Wein angebaut wird, ist meiner. Manfred Tement bearbeitet den. Ich bin bei allen TOMS Produkten Lizenzgeber und bin in der Produktion, im Marketing und beim Design eingebunden.
Wie geht’s dem Musterland Steiermark? Es hieß, spätestens ab dem Frühjahr 2006 wird dort trainiert. Dabei ist noch nichts gebaut ...
Nein! Ab dem Frühjahr 2006 wird gebaut. Ich gehe davon aus, dass im Herbst die erste Winter-Saison in der Halle begonnen werden kann.
Kann man vielleicht schon einige Namen nennen? Welche Trainer, welche Spieler werden dabei sein?
Unsere Partner-Clubs und Partner-Trainer suchen bereits nach Talenten. Es gibt viele Bewerbungen, die erst geprüft werden müssen: Trainer, Ärzte, Psychotherapeuten. Aber heute schon über Jobs zu reden, die es noch nicht gibt, bringt nichts.
Es ist ja nicht mehr so lange hin. Gibt’s da noch nichts Konkretes? Wie viel wird ein Spieler bezahlen müssen?
Nein, da gibt’s noch gar nichts Konkretes. Außer den Kosten, die anfallen werden. Wir müssen das Projekt zunächst realisieren.
Kann man die Kosten nennen?
3,5 Millionen Euro werden die baulichen Kosten betragen, 700.000 bis 800.000 Euro unser jährliches Budget.
Kommen wir noch kurz zu deinem Tätigkeitsbereich als Davicupcaptain: Da geht’s im Februar gegen Titelverteidiger Kroatien. Wie stehen unsere Chancen?
Die Kroaten sind als Titelverteidiger sicher zu favorisieren. Aber durch den Heimvorteil haben wir die Möglichkeit unsere Chancen zu verbessern. Wir fühlen uns in der Lage für eine Überraschung zu sorgen.
Wer wird für Österreich spielen? Kannst du schon Namen nennen?
Für mich sind nur Jürgen Melzer und Julian Knowle fix. Der eine weil er die Nummer eins Österreichs ist, der andere weil er der beste Doppelspieler Österreichs ist.
Und die restlichen beiden Plätze? Kann man sagen, dass die von zwei Spielern aus dem Kreis Marach, Köllerer, Koubek, Eitzinger besetzt werden?
Das kann man sagen.
Der direkte Link zur Activity von Thomas Muster.
Interview: Peter Robic
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