Marion und das Murmeltier

Jahresbilanzen 2005 - Teil 31: Warum Marion Walter so gut platziert ist wie nie zuvor, und was ihr dennoch innerhalb von 35 Minuten erstmals widerfahren ist.

Weißt du, wer heuer mehr Titel bei nationalen Turnieren gewonnen hat: Du oder dein Freund Thomas Schiessling?
Ich muss zugeben, das weiß ich gar nicht. Aber ich glaub, ich hab weniger gewonnen als im Vorjahr.

Du hast sechs Titel geholt, Tom vier. Hast du irgendeinen Turniersieg besonders in Erinnerung?
Ja, über den Sieg in Pörtschach hab ich mich wirklich gefreut, weil ich da gute Leute geschlagen hab, außerdem war das Umfeld am Wörthersee einfach total super. Auch Scheibbs ist mir in Erinnerung, da hab ich zwar im Finale verloren, aber im Semifinale Nicole Remis geschlagen. Das zählt fast mehr als ein Titel.

Man spielt ja auf der nationalen Tour sehr oft gegen die gleichen Spielerinnen, kennt jede Gegnerin ganz genau. Ist das eher positiv, oder erinnert es einen an „Täglich grüßt das Murmeltier“?
Gesellschaftlich gesehen ist es nett, wenn man sich untereinander gut kennt. Sportlich gesehen wäre es interessanter, wenn man manchmal andere Gegnerinnen hätte, um zu sehen, wo man im internationalen Vergleich steht. Deshalb hab ich heuer auch zwei Turniere in der Schweiz und in Deutschland gespielt.

Und wie warÂ’s?
Die Dichte war viel größer als bei uns. Da musst du schon ab der ersten Runde Vollgas geben, in Österreich denkst du dir halt „Naja, die ersten zwei Runden werd’ ich schon gewinnen“.

Wie weit bist du dort gekommen?
In der Schweiz hab ich nach hartem Kampf im Viertelfinale 7:6 im dritten Satz verloren! Ich hatte sogar schon Matchbälle. In Deutschland hab ich auch im Viertelfinale in drei Sätzen verloren.

Du bist jetzt die Nummer sieben in Österreich. Warst du schon jemals so gut platziert?
Nein, noch nie.

Wie ist das möglich? Im Vorjahr warst du mit elf Turniersiegen die Nummer elf und der Meinung, weiter nach vor geht’s nicht, wenn man nur national spielt.
Babsi Schett und Patricia Wartusch haben aufgehört, Babsi Schwartz war lange verletzt. Und viele junge Spielerinnen spielen heutzutage gar keine nationalen Turniere mehr, sondern gehen gleich auf Tour. Wenn’s dann international nicht läuft, haben sie keine Punkte. Ich bin dadurch weiter nach vor gekommen, obwohl ich nicht mehr gewonnen habe.

Du hast heuer im Frühjahr die PÄDAK abgeschlossen. Unterrichtest du schon?
Nein, noch nicht. Es schaut auch nicht gut aus, dass ich in den nächsten Jahren einen Platz in einer Hauptschule als Englisch- und Sportlehrerin bekomme.

Was machst du sonst?
Ich mache gerade die Tennislehrerausbildung, gebe etwa zehn Stunden in der Woche, spiele Liga in Österreich, Deutschland und Frankreich und nationale Turniere. Und ich trainiere hauptsächlich, weil's mir Spaß macht und um mein Level zu halten. Derzeit aber leider nicht – weil ich mir beim Turnier in Seefeld einen doppelten Bänderriss im Sprunggelenk zugezogen hab.

Mit wem trainierst du, wenn du fit bist?
Mit Thomas Kargl in Enns. Ich hoffe, dass ich in zwei Wochen wieder spielen kann.

Spielst du auch öfters mit Thomas Schiessling?
Ja, wenn er da ist manchmal. Aber ich hab solche Probleme mit seinem „heavy“ Spin, sowas kennt man im Damentennis eigentlich nicht.

Seid ihr das beste „Mixed-Paar“ in Österreich?
Hellwig/Falenti wären sicher auch sehr gut, aber wer wirklich die besten sind, ist schwer zu beantworten. Da müsste es mal einen Mixed-Bewerb geben.

Würde der angenommen werden?
Ich glaub’ schon, es gibt ja einige Turniere, bei denen Herren und Damen zeitgleich spielen. Vielleicht würden sich da einige Mixed-Paare finden. Aber ob Spieler und Spielerinnen, die gleich ganz zu Beginn ausscheiden, nur wegen des Mixed da bleiben, ist natürlich eine andere Frage. Das ist sicher auch ein Grund, warum der Doppelbewerb nur bei den Staats gespielt wird.

Da hast du mit Susi Six gewonnen.
Ja, das Finale gegen Remis/Zika war unglaublich knapp. Die hatten schon Matchbälle und dabei wirkliche Auflagen. Ich hab mich über den Titel echt gefreut, weil ich sehr gerne Doppel spiele.

Auch ein Match bei den Hallenmeisterschaften ist dir wahrscheinlich noch in Erinnerung: Das Semifinale gegen Daniela Kix ...
So etwas hab ich noch nie gesehen. Die hat mir in 35 Minuten eine Null-Null gegeben, so schnell konnte ich gar nicht schauen. Ihre Returns auf meine ersten Aufschläge waren nur Winner, alle zehn Zentimeter zur Linie. So unglaublich gut wie bei diesem Turnier hab ich sie noch nie spielen gesehen. Wenn sie so weiter macht, ist da noch einiges drin.

Du hast heuer gegen Kix und in der Superliga gegen Yvonne Meusburger gespielt. Sybille Bammer ist deine Kollegin beim Kornspitz-Team. Welcher Spielerin von Österreichs Top Drei traust du am meisten zu?
Kix spielt extrem aggressiv und hat noch viel Potenzial in der Beinarbeit, Bammer und Meusburger sind hingegen läuferisch und konditionell sehr stark. Bammer trau’ ich nächstes Jahr sicher die Top 50 zu, ob die anderen das auch schaffen, weiß ich nicht.

Wenn man so wie du nur national unterwegs ist, welche Ziele setzt man sich da von Jahr zu Jahr?
Mein primäres Ziel ist es, ein Ranking um Platz zehn zu halten. Das ist wichtig, um weiterhin gute Verträge für die Meisterschaft zu bekommen. Mein zweites Ziel ist, weiterhin Spaß beim Tennis zu haben. Wenn's nur um Preisgeld und um die Anzahl der Turniersiege ginge, das wäre mir nicht genug.

Sind nächstes Jahr auch die Futures in Österreich ein Thema? Das wäre doch ein reizvoller Vergleich?
Da stellt sich die Frage, ob ich überhaupt reinkomme und ob sich das zeitlich mit Liga und anderen nationalen Turnieren kombinieren lässt. Generell würd’ es mich natürlich schon interessieren, die Futures zu spielen. Aber die sind hauptsächlich für jüngere Spielerinnen wichtig, die versuchen wollen, international zu spielen. Da muss man nicht weit fahren und kann gleich abchecken, ob es überhaupt Sinn macht, weitere Reisen zu unternehmen.

Der direkte Link zur Activity von Marion Walter.

Interview: Peter Brandhofer




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