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Julians Traum von Top 10 und Masters
Jahresbilanzen 2005 - Teil 29: Julian Knowle hat auch mit 31 noch hochgesteckte Ziele. Ob er sie mit Jürgen Melzer verwirklichen kann, ist aber fraglich.

Julian, Stefan Koubek hat dich erst mit seinem letzten Turnier um gerade einmal 500 Euro überholt, um ein Haar wärst du Nummer zwei im österreichischen Preisgeld-Ranking 2005 gewesen. Verfolgst du so was?
Nein, das hab ich nicht gewusst. Es ist mir aber auch ziemlich egal, ob ich zweit-, fünft-, oder zwanzigst-bestverdienender Österreicher im Tennis bin. Es muss für mich persönlich passen.
War 2005 nicht so lukrativ, wie du’s dir erhofft hättest?
Ich habe heuer das erste Jahr praktisch völlig aufs Einzel verzichtet. Und auch im Doppel habe ich bis April sehr schlecht gespielt.
Der Grund?
Ich hab die ersten vier Monate mit Petr Pala gespielt, das war leider nicht so erfolgreich. In München hab ich’s dann mit Mario Ancic probiert und auf Anhieb das Turnier gewonnen.
Mit Landsmännern ist’s heuer besonders gut gelaufen: Mit Jürgen Melzer hast du tolle Ergebnisse geholt, mit Alex Peya hast du beim Challenger in Graz gewonnen.
Jürgen und ich haben wirklich gut gespielt, gleich bei den French Open das Viertelfinale erreicht. Aber wir haben auch oft knapp verloren, vor allem bei den großen Turnieren. Bei den French Open haben wir im Viertelfinale 4:2 im dritten Satz gegen Massu/Gonzalez geführt, in der dritten Runde von Wimbledon gegen Björkman/Mirnyi in fünf Sätzen verloren ...
... aber in St. Petersburg habt ihr dann den Titel geholt.
Das war natürlich ein toller Abschluss. Das war das ganz große Ergebnis, das uns bis dahin gefehlt hat.
In St. Petersburg wurde nach den klassischen Doppelregeln gespielt. Bei den Turnieren davor, als die alternativen Methoden erprobt wurden, wart ihr nicht so erfolgreich. Zufall? Oder gibt’s dafür einen Grund?
Für uns ist die No-Ad-Regel kein Vorteil, weil wir beide gut retournieren. Bei den meisten Doppeln gibt es nur einen guten Rückschläger, auf den musst du dann bei Einstand immer servieren.
In der Stadthalle hast du von einem Verfahren gegen die Änderung der Regeln gesprochen. Jetzt wird aber No-Ad gespielt, und statt dem letzten Satz gibt’s ein Champions-Tiebreak. War das Verfahren nicht erfolgreich?
Die ATP wollte bei 4:4 schon Tiebreak spielen, plus No-Ad plus Champions-Tiebreak. Und ab 2008 hätten sie nur noch Spielern den Doppelstart erlaubt, die auch im Einzel-Hauptbewerb stehen. Das haben wir abgewendet.
Wie zufrieden bist du nun mit deinem Jahr? Als Nummer 28 der Doppel-Weltrangliste hast du begonnen, jetzt bist du die Nummer 32.
Man muss bedenken, dass ich 2004 im Wimbledon-Finale gestanden bin, das waren 700 Punkte bei einem Turnier. Die musste ich in diesem Jahr mit anderen Turnieren reinspielen. Das zeigt, dass ich heuer konstanter war als 2004.
Du hast letztes Jahr gemeint, die Top 10 im Doppel sind möglich ...
Die sind auch früher oder später mein Ziel, aber im Moment wäre es falsch, sich das Ziel mit Jürgen zu setzen. Nicht, weil er nicht gut genug wäre, sondern weil die Priorität vom Jürgen auf dem Einzel liegt.
Wäre Jürgen als Doppelspieler gut genug für die Top 10?
Er ist sehr, sehr gut – er braucht sich vor keinem zu verstecken. Er ist sicher einer der besten Rückschläger unter den Doppelspielern. Er hat vor allem im letzten Jahr einen Riesensprung gemacht, ist viel konstanter geworden.
Ist das Doppel Knowle/Melzer gut genug fürs Masters?
Das Masters ist natürlich mein Traum, aber es wäre nicht richtig, es als Ziel für 2006 zu nennen. Wenn wir es schaffen, wäre es eine Sensation. Ich glaube, dass es zu viele Teams gibt, die sich ausschließlich aufs Doppel konzentrieren.
Wie wichtig ist Jürgen das Doppel?
Er nimmt es total ernst, in St. Petersburg hab ich das gemerkt. Es war sein letztes Turnier, Jürgen war im Einzel ausgeschieden, wir waren im Doppel-Semifinale. Ich hatte befürchtet, das reicht ihm. Aber er war absolut professionell, hat alles gegeben.
Auch mit Nenad Zimonjic, deinem Stammpartner 2004, hast du St. Petersburg schon gewonnen. Er hat heuer mit Leander Paes sogar das Finale beim Doppel-Masters erreicht. Was sagst du dazu?
So ist das Geschäft, die Partner wechseln. Ich hab mit Nenad das bisher erfolgreichste Turnier meiner Karriere gespielt, das möchte ich nicht missen.
Ist man da nicht etwas neidig?
Nein, ich bin weder neidig noch böse. Nenad ist ein ausgezeichneter Doppelspieler, der mit Leander einen Partner gefunden hat, der gut zu ihm passt. Und im nächsten Jahr wird er mit Fabrice Santoro wahrscheinlich noch besser harmonieren.
Santoro hat heuer das Masters gewonnen. Weißt du, wer sonst noch seinen Partner wechselt?
Ich hab gehört, dass Wesley Moodie mit Mahesh Bhupathi spielen wird, Leander Paes mit Martin Damm, Paul Hanley mit Kevin Ullyett. Die Bryans und Björkman/Mirnyi bleiben zusammen.
Wie viele Turniere wirst du mit Jürgen spielen?
Ich würde sagen, 90 Prozent. Überall, wo Jürgen spielt, werde ich mit ihm spielen. Vorausgesetzt natürlich, dass es körperlich möglich ist. Wenn er eine Pause macht, kann es sein, dass ich das eine oder andere Turnier mit einem anderen Partner spiele.
Deine Turnierplanung ist also wieder hauptsächlich aufs Doppel ausgelegt?
Bei den Turnieren, wo ich mit meinem Ranking von etwa 650 reinkomme, spiele ich auch Einzel. Aber auf ein Doppelturnier zu verzichten und stattdessen Challenger-Qualis zu spielen, kann ich mir nicht vorstellen.
Wenn du heuer Einzel gespielt hast, hast du meist ganz gute Ergebnisse eingefahren – Beispiel Viertelfinale beim Graz-Challenger.
Ja, mein einziger Challenger-Hauptbewerb heuer. Auch in der Stadthalle hab ich gegen Almagro eine gute Partie gespielt – ohne Training. Aber ich muss ehrlich genug zu mir selber sein: Ich bin jetzt 31 Jahre alt. Wenn ich mich wieder vor spielen möchte, müsste ich mich auf Challenger-Qualifikationen und vielleicht sogar auf Futures konzentrieren. Wenn ich dann ein gutes Jahr habe, stehe ich vielleicht am Ende zwischen 150 und 200. Das bringt mir nichts mehr und gibt mir auch nichts. Ich versuch' lieber, meinem Doppel-Ziel Schritt für Schritt näher zu kommen.
Wie wichtig ist dir die Nummer-eins-Position in Österreich? Jürgen hat dich da ja im Doppel überholt.
Mir wär’ Recht, wenn der Jürgen die Nummer eins der Welt im Doppel wäre und ich die Nummer zwei.
Also ist das kein Problem für dich?
Nein. Ich wünsch’ mir, dass wir beide weiter nach vorne kommen. Und daran arbeiten wir.
Das klingt nach „gemeinsam“ dran arbeiten ...
Ja. Ich mache den Aufbau gemeinsam mit Jürgen und Karl-Heinz Wetter.
Wird dich Karl-Heinz 2006 auch coachen?
Das kann man so nicht sagen. Karl-Heinz ist sicher der Letzte, der mir nicht hilft, wenn ich etwas brauche. Er ist Jürgens Coach und betreut mich lediglich auf unseren gemeinsamen Turnieren mit. Aber er wird nicht mit mir zu einem Doppelturnier fahren.
Sicher dabei ist er beim Daviscup. Weißt du schon, wer in Unterpremstätten spielen wird?
Von der Nominierung weiß ich noch nix. Ich hoffe schon, dass ich dabei bin.
Dein Tipp, wie gehtÂ’s aus?
Von 5:0 bis 3:2 für Österreich ist mir alles Recht.
Letzte Frage: Du hast es vorher schon angesprochen, bist schon 31. Wie lange spielst du noch?
Solange ich Spaß habe und das Gefühl, dass mein Körper mit macht. Und solange ich erfolgreich spielen kann. Das heißt, wenn ich kämpfen muss, um hie und da eine Runde zu gewinnen, und das über ein Jahr lang, dann würde ich es wohl sein lassen.
Der direkte Link zur Activity von Julian Knowle.
Interview: Peter Robic
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