"Die Südstadt ist die beste Lösung"

Jahresbilanzen 2005 - Teil 26: Südstadt-Youngster Armin Sandbichler im Interview über Rivalität, Vorbilder, Tennis-Senioren und Jungstars.

Du hast heuer deine erste komplette Saison bei den Herren gespielt. Wie zufrieden bist du damit?
Im Großen und Ganzen hat das schon sehr gut gepasst. Besonders ab Juli hab ich sehr gut gepunktet. Aber natürlich gibt’s wie immer ein paar Partien, die man nicht hätte verlieren dürfen …

Zum Beispiel?
Im Oktober hab ich in Venezuela bei zwei Turnieren hintereinander im dritten Satz ganz knapp verloren, einmal gegen den späteren Turniersieger. Beim Italien-Future im August in San Benedetto das selbe, da hat Giorgini später auch den Titel geholt.

War deine Steigerung so wie am Jahresbeginn angepeilt?
Ich hab mich heuer vor allem spielerisch deutlich verbessert. Und was das Ranking betrifft, hab ich mir vorher gar nichts Spezielles vorgenommen. Am Schluss hätte ich gerne den 5er vorne stehen gehabt, das wäre mir ohne die vorher genannten Niederlagen vielleicht auch gelungen. Jetzt steh ich auf ATP-Position 634, das passt natürlich auch ganz gut.

Was hast du genau verbessert?
Eigentlich mein komplettes Spiel. Von der Basis auf der Grundlinie bis hin zum Umsetzen der Spieltaktik. Auch das Aufschlag-Percentage wollte ich verbessern, weil man sich dadurch viele freie Punkte holen kann. Und zu guter Letzt haben wir stark an der Kondition gearbeitet – ich erinnere mich an das Future in Chennai, wo ich zu Mittag bei 40 Grad die Nummer eins der Quali rausgenommen habe. Das geht ohne Kondi gar nicht.

Dein größter Erfolg heuer war sicher der Final-Einzug in Kramsach in Tirol. Warum hat es dort so gut geklappt? War es der Heimvorteil?
Der hat sicher mitgespielt. Kramsach ist von mir zu Hause nur wenige Minuten entfernt, es ist also wirklich mein Heimturnier. Ich spiele daheim auch sehr gerne. Ich verstehe gar nicht, wieso immer vom Druck gesprochen wird, wenn man zu Hause spielt. Ich hab da keinen Druck gespürt. Noch dazu hatte ich spielerisch eine Traumwoche, hab mehrere wirklich gute Matches gespielt.

Nur im Finale hatÂ’s nicht ganz gereicht Â…
Das war ein bisschen unglücklich. Da habe ich im ersten Satz schon 5:4 und 6:5 geführt, hatte zweimal 0:30 bei Korolevs Aufschlag. Beide Male hat er voll riskiert, beide Male ist es ihm aufgegangen. Dann hab ich den Satz im Tiebreak verloren. Wenn das nicht passiert, gewinne ich das Match vielleicht. Der Korolev steht jetzt übrigens Top 200.

Du bist der bestplatzierte Spieler aus dem HSZ-Kader. Was machst du besser als die anderen drei?
Das kann ich gar nicht sagen, denn jeder einzelne von uns könnte dort auch stehen. Vor allem Christoph Steiner schätze ich im Moment sehr, sehr gut ein.

Wie gut versteht ihr euch untereinander? Gibt’s da auch Rivalität?
Nein, die gibt’s überhaupt nicht. Wir kennen uns schon sehr lange und verstehen uns sehr gut. Klar gibt’s ab und zu auch kleine Reibereien, aber das klären wir dann auch immer sehr schnell. Sonst würde es auch gar nicht funktionieren, rund um die Welt immer gemeinsam zu touren.

Wie wohl fühlst du dich allgemein in der Südstadt? In der Vergangenheit hörte man ja nicht immer nur das Beste …
Es ist für mich eindeutig die beste Lösung. Es gibt sonst in Österreich keine andere so gute Möglichkeit, was vor allem die Trainingspartner betrifft. Das habe ich in dieser Saison besonders gemerkt, als ich vor den letzten beiden Mexiko-Futures krankheitsbedingt für zwei Wochen heim nach Tirol reisen musste. Da war’s sehr schwer, Trainingspartner aufzutreiben.

Wie bist du finanziell heuer ausgestiegen?
Was das Geld betrifft, ist es auf Future-Ebene extrem schwierig. Es ist im Prinzip unmöglich, da im Plus auszusteigen. Obwohl manche Leute sogar glauben, dass man bei Futures unmenschlich viel Geld verdient.

Wie schaffst du es, dir das trotzdem leisten zu können?
Eine Einnahmequelle ist die Meisterschaft in Österreich und Deutschland. Aber mein größter Geldgeber ist der Papa. Ansonsten bin ich schon lange auf der Suche nach einem anderen Sponsor – nur mit dem Finden hapert es ein bisschen.

Wie sehen deine Ziele aus - sowohl kurzfristig als auch langfristig?
Im nächsten Jahr will ich den Umstieg auf Challenger schaffen, das Ranking will ich in etwa halbieren. Und langfristig sind sicher die Top 100, vielleicht auch die Top 50 das größte Ziel. Alles weitere ist dann eine Sache des Glücks.

Du bist ja einer von mehreren Tirolern auf dem Vormarsch. Hast du in deinem Heimatbundesland ein Vorbild – vielleicht Rainer Eitzinger oder Thomas Schiessling?
Vorbild würde ich eher nicht sagen. Aber klar gibt es da ein paar Leute, von denen man sich versucht, ein bisschen etwas abzuschauen und sich die positiven Dinge rauszupicken. In Tirol sind das sicher der Thomas und der Rainer – aber auch Johannes Ager. Und schon als Kind hab ich Leuten wie Stefan Lochbihler oder Jürgen Hager genau auf die Finger geschaut.

Du hast Ende September in Venezuela gegen einen 37-Jährigen verloren, den Niederländer Sander Groen. Ist das nicht speziell für dich als junger, aufstrebender Spieler ein arger Dämpfer?
Nein, das war’s überhaupt nicht. Groen hatte damals in der ersten Runde einen klaren Sieg über die Nummer vier, und auch gegen mich hat er das ganze Match hindurch voll riskiert – und alles getroffen. Ich hab versucht, mich ebenso zu steigern – und bin statt dessen immer verunsicherter gewesen.

Zweifelt man da nicht an sich? So nach dem Motto: Ich bin hier am Ende der Welt, und dann muss ich mich einem geschlagen geben, der fast 20 Jahre älter ist …
(Lachend) Naja, kurzfristig ärgert man sich da schon gewaltig. Aber nachher analysiert man das dann und denkt schon wieder vernünftiger drüber. Man weiß ja, dass man selber auch schon sehr gute Leistungen gebracht hat.

Zum Abschluss: Rafael Nadal ist etwa eineinhalb Jahre jünger als du. Wie sehr beunruhigt einen das? Hat man das Gefühl, es läuft einem die Zeit davon?
Natürlich beobachtet man das. Noch dazu wo Nadal nicht der einzige ist – es gibt ja da einen Monfils oder Gasquet auch noch. Aber ich lass mich da nicht verunsichern. Ich hab erst mit 14, also ziemlich spät, überhaupt auf ÖTV-Ebene zu spielen begonnen. Vorher war ich nur im Bezirk oder in Tirol aktiv. In diesem Alter war der Nadal schon international eine Nummer, er hat da also einigen Vorsprung.

Der direkte Link zur Activity von Armin Sandbichler.

Interview: ap




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