Conny Gruber: "Ich spüre, dass da noch was geht"

Jahresbilanzen 2005 - Teil 23: Warum Konstantin "Don" Gruber (26) ein Leidensgenosse von Alex Peya ist - und trotz verpatzter Saison 2005 sehr zuversichtlich für 2006.

Conny, du schließt das vierte Jahr in Serie zwischen Rang 400 und 600 ab. Ist das nicht etwas frustrierend?
Ich würde lügen, wenn ich nein sagen würde. Es ist mehr als nur frustrierend, dass ich immer noch dort herumkrebse.

Woran ist es gelegen?
Nur an mir selbst. Ich habe mir zuviel Druck gemacht, war verkrampft, mental zu schwach und hab de facto das ganze Jahr grottenschlecht gespielt, von Anfang an. Ich bin mit großen Erwartungen in die Saison gegangen, war knapp über 400 im Ranking und hatte fast nichts zu verteidigen. Aber es ist alles schief gegangen, was schief gehen konnte.

Zum Beispiel?
Meine Turnierplanung war katastrophal. Ich wollte möglichst viele Turniere spielen, hab daher nur eine kurze Aufbauphase von etwa drei Wochen gemacht und hab schon in der ersten Jänner-Woche zu spielen begonnen – das war sicher ein Fehler. Mitte des Monats hab ich also meine ersten Futures bestritten und genau gar nix gerissen – auf den schnellen Belägen fühle ich mich einfach nicht so wohl wie auf Sand.

Bei den ersten fünf Turnieren gab's vier Auftaktniederlagen ...
Das war ein Wahnsinn. Das hat mir gleich einmal das Genick gebrochen: Ich hatte null Selbstvertrauen und wusste nicht mehr, wie man ein Match gewinnt. Du bist total motiviert, fährst von Turnier zu Turnier, bemühst dich, trainierst viel, aber es geht einfach nichts. Du verlierst, fährst heim, dann kommt das nächste Turnier, du verlierst wieder, fährst wieder heim – und so zieht sich das dann die ganze Zeit. Ich hab nie reingefunden. Und dann fängt man an, nach den Fehlern zu suchen. Ich hab mir Anfang April mal ein, zwei Wochen Zeit genommen, über alles nachgedacht und mich schließlich von meinem Trainer, dem Markus Forsthuber, getrennt.

Warum?
Wir haben drei Jahre zusammengearbeitet. Und wenn du so lange mit einem Trainer zusammen arbeitest, sieht der ein paar Sachen und Fehler nicht mehr. Und wenn etwas nicht klappt und läuft, braucht man als Spieler Veränderungen. Ich hatte das Gefühl, dass ich jetzt einen Trainerwechsel brauche, einen neuen Input.

Das erinnert mich an Alex Peyas Saisonbilanz.
Die hab ich gelesen. Da sind wirklich einige Parallelen. Ihm ist das Gleiche passiert wie mir, nur halt auf einem anderen Level. Er hatte sein Ziel Top 100 – wie ich mein Nahziel, den Sprung auf Challenger-Ebene – schon vor Augen, und er ist dann mit der Verletzung und der Niederlagenserie auch nicht aus dem Sumpf rausgekommen. Der Peter Moshamer hat dem Alex in seiner Karriere sicher sehr geholfen. Dennoch war's auch für ihn höchste Zeit für einen neuen Trainer, er hat wie ich eine Veränderung gebraucht.

Ist dir die Entscheidung auch so schwer gefallen wie dem Alex?
Definitiv. Der Markus war ein sehr guter Freund von mir und ist es noch immer. Er hat das alles zum Glück recht gut aufgenommen.

Hast du sonst noch etwas geändert?
Nein. Ich hab mich dann noch mit meinen Eltern zusammen gesetzt und mit ihnen geredet. Sie haben mir irgendwo auch den Anstoß gegeben, weiter zu machen. Sie haben gemeint, dass es zu früh wäre um aufzuhören.

Unterstützen dich deine Eltern finanziell noch?
Ja. Ohne das geht es auch nicht bei Futures – auch wenn einen die immer noch billiger kommen als Challenger. Meist sind es gleich drei Futures hintereinander in einem Land. Da musst du dir zwar das Hotel selber zahlen, aber nicht jede Woche einen Flug buchen, um zum nächsten Turnier zu kommen.

Und wie finanzierst du dir die ganzen Reisen sonst noch? Die Einnahmen der ersten Saisonhälfte mit sechs ATP-Punkten bis Mitte Juni können es vom Preisgeld her ja nicht gewesen sein.
2004 war für mich finanziell gesehen mit Abstand das beste Jahr – relativ halt für einen Future-Spieler. Es ist mir von den Einnahmen ein bisschen für heuer über geblieben. Und durch die Liga kommt natürlich auch einiges zusammen. Ich hab heuer in Kroatien, Deutschland und Österreich gespielt, jeweils in der höchsten Spielklasse. In Kroatien werde ich nächstes Jahr aber vielleicht nicht mehr spielen, da muss ich mir noch überlegen, ob sich das wirklich rentiert.

Apropos nächstes Jahr: Im Vorjahr meintest du, dass du zumindest diese Saison international noch voll durchspielen willst. Wie sieht's nun mit 2006 aus? Liege ich richtig mit meiner Vermutung, dass du weiter auf Tour gehst?
So ist es. Wahrscheinlich auch noch das ganze Jahr. Bis Mai, wenn die Liga in Deutschland beginnt, spiele ich mal definitiv voll, dann sehen wir weiter. Fest steht: Ich muss weiterhin Freude daran haben. Reisen macht zum Beispiel am Anfang Spaß, aber mit der Zeit natürlich nicht mehr. Das mache ich schon seit so vielen Jahren, und der Jüngste bin ich halt auch nimmer. Ich hab schließlich eine Freundin und bin auch mal gern nur in Österreich.

Wovon hängt es ab, ob du weiter machst?
Von meinem Gefühl, das wird es mir beantworten. Solange ich noch das Gefühl habe, dass da was geht, werde ich weiter spielen. Und es hängt auch davon ab, wo ich vom Ranking her stehe. Bei einem Rang um 350 wäre ich wenigstens bei einigen Challengern direkt im Hauptbewerb, die Grand Slam-Qualis wären nicht mehr weit weg. Das muss mein Ziel bis Sommer sein. Das wäre eine neue Herausforderung, da würde ich sicher noch mindestens zwei Jahre anhängen. Vorerst bin ich jedenfalls noch Vollprofi – und habe jetzt zum Glück das richtige Umfeld gefunden.

Wie sieht dieses aus?
Günter Bresnik hat mir ein tolles Angebot gemacht. Er ist für mich auf alle Fälle einer der besten Trainer Österreichs. Ich darf jetzt mit ihm in der Südstadt trainieren und habe super Trainingspartner, unter anderem Stefan Koubek, Nenad Zimonjic und Christian Blöcker. Und ich habe jetzt auch einen sehr guten Konditionstrainer dort, den Anatol. Er ist Russe und eine echte Koryphäe auf seinem Gebiet.

Wie ist das alles zustande gekommen?
Ich bin nach meiner Trennung vom Markus Forsthuber vorerst ohne Trainer auf Tour gewesen, wollte es auf eigene Faust probieren. Ich hab gedacht, ich brauch keinen – ein Fehler. Die Ergebnisse sind nicht besser geworden. Ich bin dann zum Günter gegangen und hab ihn darum gebeten, dass er zwei Wochen hart mit mir trainiert, damit ich wieder den Anschluss finde. Nach den zwei Wochen wollte ich ihn bezahlen. Er hat aber gesagt, zwei Wochen brauch ich nicht bei ihm trainieren, das interessiert ihn gar nicht, er wird mir ein gutes Angebot machen. Und das Angebot war sensationell. Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich in dieser Trainingsgemeinschaft dabei sein kann.

Die zweite Saisonhälfte war dann schon wesentlich besser – lag's am Training mit Günter?
Auf jeden Fall! Er hat mir wirklich sehr weiter geholfen, mir so wie meine Familie positiv zugeredet, mir eingebläut, dass ich mit den guten Leuten absolut mithalten kann. Ich hab wieder Mut geschöpft, bin's gleich mit einer ganz anderen Einstellung angegangen. Ich hab es dann geschafft, das Jahr wenigstens noch halbwegs positiv abzuschließen – falls man davon bei so einer Saison überhaupt sprechen kann.

Dank deines ersten Challenger-Viertelfinales auf Réunion Island bist du am 28. November sogar erstmals Top 400 gewesen - wenn auch nur für eine Woche. Angesichts deines in Summe verkorksten Jahres irgendwie paradox, oder?
Ja, das ist es. Irgendwie lustig. Aber so was in der Art hatte ich schon öfter.

War Réunion Island für dich ein echtes Highlight?
Das lässt sich nicht damit vergleichen, wenn man schon die Ehre hatte, für sein Land Daviscup und in der Stadthalle am Centercourt spielen zu dürfen. Aber es waren für mich auf jeden Fall einige der schönsten Momente dieses Jahres. Ich bin am Flughafen angekommen und hab gleich Schlüssel für einen Peugeot 207 in die Hand gedrückt bekommen. Ich hab mich dort sehr wohl gefühlt, war entspannt, und das Turnier ist dann ja auch gut gelaufen – auch wenn die Auslosung natürlich etwas glücklich war. Réunion Island hat mir gezeigt: Ich kann's doch. Es ist immens wichtig, ein Jahr so zu beenden, das gibt mir viel Auftrieb für die neue Saison.

Wie groß schätzt du eigentlich dein Potenzial ein?
Es wäre utopisch zu sagen, ich will in eineinhalb Jahren Top 100 sein. Ich weiß nicht, wie weit ich kommen kann. Vielleicht werd ich nie besser sein als um die 200 – oder vielleicht geht mir plötzlich der Knopf auf. Ich will mir nur nachher nicht den Vorwurf machen müssen, nicht alles probiert zu haben. Ich spüre, dass da noch was geht. Und deswegen spiele ich noch immer und tu' mir die Future-Tour überhaupt an.

Warum soll 2006 besser werden?
Ich werde versuchen, alles lockerer zu sehen, mir keinen Druck zu machen, positiv eingestellt zu sein. Wozu sollte ich mich auch unter Druck setzen? Schlechter als 2005 kann es eh nicht werden. Darin sehe ich meine Chance. Punkto Turnierplanung werde ich mir mehr Gedanken machen, da muss ich alte Fehler vermeiden. Ich habe bis zum Sommer fast nichts zu verteidigen, was sicher ein großer Vorteil ist. Wenn es gut läuft, kann ich dann auf Challenger-Ebene voll angreifen. Momentan passt alles, ich habe ein perfektes Umfeld.

Wenn du deine Ziele nicht erreichen solltest, was willst du nach deiner Karriere machen?
Darüber will ich mir so wenige Gedanken wie möglich machen. Vielleicht werde ich Trainer, das könnte ich mir recht gut vorstellen. Aber das ist alles noch weit weg.

Der direkte Link zur Activity von Konstantin "Don" Gruber.

Interview: Manuel Wachta




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