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Der österreichische Ion Tiriac
Jahresbilanzen 2005 - Teil 15: Stefan Hirn spielte sich auf Platz 17 der ÖTV-Rangliste vor. Offcourt will Stefan Hirn bald zu den Großen im österreichischen Tennis zählen.

Stefan, du hast heuer dein Career-High von 17 in der ÖTV-Rangliste erreicht, hast drei Turniere gewonnen, deinen ersten ATP-Punkt geholt. Eine gelungene Saison?
Es war eine perfekte Saison, wenn man bedenkt, dass es meine erste volle Saison in Österreich war. Ich hab bis letzten Dezember in den USA studiert, davor hab ich immer nur im Sommer und zu Weihnachten Turniere gespielt.
31 Turnierstarts, zwölf Finalteilnahmen, drei Titel, dazu die Liga in Österreich – du bist ein Vielspieler ...
Und die Liga-Spiele in Deutschland darf man natürlich nicht vergessen. Ich spiel' dort in der Landesliga für Augsburg Lechhausen. Insgesamt waren's heuer 140 Matches. Und 90 von meinen 120 Singles hab ich gewonnen.
120 Einzel – mehr als Federer oder Nadal heuer gespielt haben. Die gewinnen halt Grand Slam-Turniere. Aber was waren deine Highlights?
Im Jänner in Anif hab ich eines meiner Lebensziele verwirklicht, ich hab einen ATP-Punkt geholt. In der Quali hab ich drei ATP-Spieler geschlagen, dann hab ich gegen Patrick Linke gespielt.
Du hast damals gemeint, es war das beste Los.
Mir ist lieber, ich bekomm' den Patrick, als jemand anderen. Er liegt in meinem Bereich. Eines darf man aber nicht vergessen, ich hab ja nicht gegen den Platzwart von Anif gespielt. Der Patrick ist auch kein schlechter Spieler, er hat viel internationale Erfahrung.
Später hast du bei den Hallenmeisterschaften im Februar ganz knapp das Semifinale verpasst ...
Der Sieg über Titelverteidiger Walter Treu in Runde eins war ein toller Erfolg. Ich hab 7:6 im dritten Satz gewonnen, dann auch Markus Egger geschlagen und im Viertel gegen Markus Polessnig 5:7 im dritten verloren. Sonst hätt' ich gegen den Schiessi gespielt.
Gegen den hast du ja in Hornstein im Juni fast die Sensation geschafft, im Finale 6:7 im dritten Satz verloren. Auch ein Highlight?
Das Turnier war sicherlich auch ein Highlight. Ich hab taktische Größe gezeigt, war gegen den Schiessi knapp am Sieg dran.
Noch vor Hornstein hast du dich in der Quali von St. Pölten versucht, dort aber gegen Markus Hipfl glatt verloren. Du hast nachher aber gemeint, er spielt nicht besser als ein Martin Schneiderbauer, den du knapp davor geschlagen hattest ...
In St. Pölten zu spielen war schon immer ein Traum, da ich ja halber St. Pöltener bin: Ich bin im Krankenhaus St. Pölten geboren, und beim Turnier war ich früher auch Ballkind. Aber für mich war das ganze Drumherum neu: die Ballkinder, die Linienrichter, die Fernsehkamera, die Zuschauer.
Du hast heuer zum Beispiel einen Ingo Neumüller hinter dir im Ranking gelassen. Wie wichtig ist dir so etwas?
Unser Ranglistensystem baut stark auf die großen Turniere auf. Ingo hat bei den Hallenmeisterschaften in Runde eins verloren, im Freien war er gar nicht dabei. Aber grundsätzlich hat jeder die gleichen Möglichkeiten zu punkten. Und wer die besser nützt, der steht auch vorne. So auch im Champions Race.
Was meinst du?
Das Austrian Champions Race von Georg Zwettler, das ihr einige Zeit bei euch auf tennisweb.at hattet. Nach meinen Kalkulationen hab ich das gewonnen. Das ist übrigens auch ein Highlight für mich.
Nach einer so highlightreichen Saison: Was nimmst du dir für 2006 vor?
Ich möchte auch 2006 bei den Jahresbilanzen von tennisweb.at dabei sein, also mein Ranking um Top 20 halten.
Welchen Aufwand betreibst du derzeit fürs Tennis, um deine Ziele zu erreichen?
Seit der Staatsliga im September hab ich zurückgeschaltet. Da war ich in der Stadthalle beruflich engagiert. Ich spiel' zweimal die Woche Tennis und mach' hauptsächlich Kraft- und Ausdauertraining. Das lässt sich mit meinem Job besser vereinbaren.
Der Job hat dich ja auch nach St. Anton am Arlberg zur größten Tennisparty der Welt geführt ...
So ist es. Ich war bei der Firma Sportproductions im Organisationskomitee, Mädchen für alles. Besser gesagt Bursche für alles.
Wie bist du dazu gekommen?
Über ein Inserat auf tennisweb.at. Ich hab gesehen, dass Raimund Stefanits, den ich noch von Isospeed kenne, Mitarbeiter sucht. Ich war mit meinem Sportmanagement-Studium gut geeignet, hab mich beworben, und wir haben gleich Nägel mit Köpfen gemacht.
Wie taugt's dir?
Es ist meine erste Position im Management-Bereich, und ich hab gleich bei zwei der größten Turniere in Österreich mitgearbeitet, der BA-CA Tennistrophy in der Stadthalle und der tele.ring Tennis Trophy in St. Anton am Arlberg. Der Job gefällt mir sehr gut, er passt zu meinen Karriere-Zielen.
Die da wären?
Ich sag, man muss sich hohe Ziele setzen: Ich möchte sozusagen der Ion Tiriac des österreichischen Tennis werden. Tennis ist mein Leben, ich will hier etwas bewirken. Vielleicht veranstalte ich einmal ein größeres Turnier. Aber ganz durchgeplant ist das Konzept noch nicht.
Interview: Peter Robic
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