Rainer Eitzinger: "Es zählen nur die Top 100"

Jahresbilanzen 2005 - Teil 12: Superliga-Champ und Stadthallen-Achtelfinalist Rainer Eitzinger im Interview.

Rainer, wie geht's dir?
Nicht besonders. Nach meiner Rückkehr aus Helsinki habe ich gesundheitliche Probleme bekommen, die zwischenzeitlich deutlich besser geworden sind, im Moment schaut's wieder etwas schlechter aus.

Was hast du genau gehabt?
Einen bronchialen Infekt, der sich doch recht lange gezogen hat. Zuerst habe ich versucht, die Sache ohne Antibiotika auszukurieren und stattdessen mit homäopathischen Sachen hinzukriegen. Das hat aber nicht hingehaut. Seitdem ich jetzt Antibiotika schlucke, ist es etwas besser geworden.

Lass uns zum eigentlichen Thema kommen: Du hast ein tolles Jahr hinter dir – siehst du das auch so?
Es kann immer besser laufen, aber im Großen und Ganzen bin ich zufrieden. Ich wollte heuer den Umstieg auf die Challenger-Ebene schaffen und dazu ein paar Grand Prix-Turniere spielen. Das ist mir gelungen.

Und wie soll's weiter gehen?
Ein großes Ziel ist auf jeden Fall der erste Challenger-Titel. Dazu will ich weiterhin bei ein paar Grand Prixs starten, vielleicht gelingen mir ja dort mehr Erfolge wie in Wien.

Und auf die Ranglisten-Position bezogen?
Das ergibt sich dann eigentlich von selber. Aber in der ersten Hälfte des Jahres sollten eigentlich die Top 200 fallen, in der zweiten Hälfte die Top 150, vielleicht kann ich da auch an die besten 100 hinschnuppern.

Wie schaut die Vorbereitung dazu in den nächsten Wochen aus?
Erst einmal muss ich gesund werden. Danach beginnt der Aufbau für 2006, der bis zur Abreise zu den Australian Open dauern wird. Gleich nach dem Grand Slam geht’s für mich drei Wochen nach Südamerika zu einer Challenger-Tour. Dann wird's noch einen weiteren Aufbau geben. Danach werd' ich bis Dezember durchspielen – vielleicht mit einzelnen Wochen Pause dazwischen. Generell will ich 2006 wieder mehr auf Sand spielen, denn auf Hardcourt ist es heuer nicht so gut gelaufen.

Eine Ausnahme davon ist aber sicher Wien. Dort hast du mit der absolvierten Quali und dem Zweitrunden-Einzug sicher den größten Erfolg deiner Karriere gefeiert. Wieso ist es so gut gelaufen?
Ich war da einfach komplett mit positiver Energie vollgetankt. Ich bin als letzter in die Quali reingerutscht und konnte, auch begünstigt durch die eher langsamen Bedingungen, total ohne Druck spielen. Ich war dann durch die ganze Atmosphäre wie auf einer Wolke und wollte das einfach genießen.

Das ist dir ja auch gelungen …
Das kann man sagen. Dabei waren die Partien gar nicht so extrem gut. Ausnahmen waren da nur die Partie gegen den Almagro und zum Teil gegen Snobel. Gegen Nalbandian war ich dann sehr nervös und vom Spielerischen her gar nicht so zufrieden. Aber ich hatte in Wien einfach das gewisse Glück, dass ich die knappen Partien für mich entschieden habe.

Nach Wien hat es bis zum Saisonende ja dann überhaupt nicht mehr geklappt…
Das ist etwas hart formuliert, aber da lief sicher einiges ziemlich unglücklich. Speziell die Korea-Tournee - für die musste ich schon vor Wien nennen, zu einem Zeitpunkt, wo die Wildcards für Hauptbewerb und Quali schon abgelehnt waren und es überhaupt nicht so ausgesehen hat, als würde ich noch in den Bewerb rutschen. Wenn ich gewusst hätte, dass ich mich in Wien ins Achtelfinale spiele, hätte ich sicherlich nicht Korea genannt und mir die Reisestrapazen und den Jetlag erspart.

Und bei den restlichen drei Turnieren?
Da hatte ich das Glück, das ich in Wien hatte, einfach nicht mehr. In Eckental hab ich gegen den Michael Berrer, der letztendlich dort den Titel geholt hat, sehr gut gespielt, aber knapp verloren. In Helsinki hatte ich Pech mit der Auslosung – da hab ich mit dem Philipp Kohlschreiber einen Spieler bekommen, der im Ranking momentan auf 86 steht. Und in Prag hab ich den Virus schon gespürt. Da hab ich mich zwar reingestellt, es war mir aber klar, dass ich da nichts gewinnen werde.

Gibt’s einen wesentlichen Unterschied zwischen Futures und Challengern?
Auf jeden Fall. Bei den Futures ist das Niveau bei weitem nicht so hoch wie bei den Challengern. Bei denen hast du keine blinden Gegner mehr, da ist jeder einzelner ein gewaltiger Spieler.

Und organisatorisch?
Da stehen Challengers auch eine deutliche Stufe darüber. Futures sind von den Bedingungen teilweise extrem schlecht: Da musst du sowieso schon an irgendeinen unmöglichen Ort fahren und dich dann auch noch mit Kakerlaken im Hotelbett herumschlagen.

Du hast vorher schon das Match gegen Nalbandian genannt. Im Mai beim Zagreb-Challenger hast du auch schon gegen Ivan Ljubicic gespielt. Gegen beide hast du ja sehr gut ausgesehen. Was unterscheidet einen Rainer Eitzinger noch von den beiden?
Das Bankkonto… Im Ernst: Ljubicic hat natürlich beim Aufschlag große Vorteile. Allerdings trau ich mir da auf Sand, wenn ich eine gute Leistung abliefere, auf jeden Fall zu, dass ich das Match offen halten kann. Auf Hardcourt oder in der Halle ist das natürlich noch eine andere Geschichte. Und Nalbandian ist unmenschlich konstant und spielt eine unglaubliche Rückhand, sein Spiel liegt mir bei weitem nicht so wie jenes von Ivan.

Ein großer nationaler Erfolg war ja der Superliga-Titel mit Klagenfurt, wo du im Finale sogar den entscheidenden Doppelpunkt geholt hast. Was bedeutet dir dieser Triumph?
Es war ein schöner Erfolg mit einer tollen Mannschaft. Marco Tkalec und ich haben zwar den entscheidenden Doppelpunkt geholt, gesiegt hat aber die ganze Mannschaft inklusive Mannschaftsführer Horst Skoff.

Apropos Horst Skoff: Du trainierst seit Sommer auch mit ihm. Was ist bei ihm besser als in der Südstadt?
Da möchte ich betonen, dass mich der ÖTV auch weiterhin unterstützen wird, trotz meines Abganges aus der Südstadt. Thomas Weindorfer ist ein ausgezeichneter Trainer und hat sehr viel zu meiner Entwicklung beigetragen. Trotzdem war ich am Ende mit der Betreuung nicht zufrieden. Es kamen vier neue Spieler, die insgesamt fünf Punkte am Konto hatten. Mein Schwerpunkt lag auf Challengerebene, während diese vier nur auf Futures fahren konnten. Ich war also sozusagen in einem Team, in das ich nicht mehr gepasst habe. Thomas fährt mit den anderen 30 Wochen im Jahr auf Turniere, er hatte einfach keine Zeit mehr für mich.

… und deswegen trainierst du jetzt mit dem Horst?
Ihn sehe ich eigentlich fast mehr als Mentor. Er kann mich nicht immer auf Turnier betreuen, weil er in Klagenfurt unter anderem für die Nachwuchsarbeit gebraucht wird und dort Verpflichtungen hat. Horst ist ab und zu auf dem Platz und trainiert mich auch, aber was bei ihm vor allem zählt, ist seine Erfahrung.

Das heißt, die Arbeit mit ihm ist nicht auf Dauer?
Wie ich schon sagte, eine professionelle und demnach hundertprozentige Turnierbetreuung ist nicht möglich. Ich werde deswegen in nächster Zeit festlegen, wie es diesbezüglich weitergeht. Vor allem, ob ich mir überhaupt selber einen Trainer finanzieren will. Denn das ist in Wirklichkeit für mich praktisch unleistbar. Will man sich das leisten, muss man sich fast ein bisschen selber verkaufen. Und ich weiß nicht, ob ich das will.

Letzte Frage: Du warst heuer zwischenzeitlich viertbester Österreicher in der Entry List. Schaust du auf so etwas?
Eigentlich ist mir das komplett gleich. Würde ich US-Nummer 30 sein, wäre ich nicht trauriger als die Nummer eins in Lettland. Es sind zwar nette Spielereien, ein paar kleine Duelle unter Spielern zu haben. Aber es zählen ohnehin nur die Top 100 – vorher ist alles schön und gut, aber nicht so wichtig.

Interview: Andi Pernsteiner




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