Lehrjahr eines Einzelkämpfers

Jahresbilanzen 2005 - Teil 8: Max Raditschnigg hatte 2005 sein bisher bestes Jahr. 2006 spielt er aber Landesliga B. tennisweb.at fragte nach.

Max, was treibst du in deiner freien Woche?
Ich lass' mich zum Beispiel operieren. Meine Nasenscheidewand ist schief, ich bin daher dauernd verkühlt.

Hört sich böse an.
Ist halb so schlimm. Ich fall' vielleicht für zwei Wochen aus, nichts Aufregendes.

Dann zu etwas Aufregendem: Deine bisher beste Saison liegt hinter dir, Career-High von 449 erreicht, ersten Future-Titel eingefahren. Zufrieden?
Ich hatte mir vorgenommen ein Future zu gewinnen und in der Rangliste 400 zu stehen. Ich hab meine Ziele also nicht ganz erreicht. Aber das ist schon eine gute Basis.

Immerhin hast du das alles ohne Betreuer geschafft ...
Ich hab die Aufbauphase alleine gemacht, bin alleine auf die Turniere gefahren. Ja, dafür lief es ganz gut.

Warum lief es heuer soviel besser als in den Jahren davor?
Wahrscheinlich nicht obwohl, sondern weil ich alles alleine gemacht habe. Ich bin ein Einzelgänger. Es taugt mir einfach, alles alleine zu bestimmen – den Turnierplan, den Trainingsplan. Auch wenn ich natürlich Fehler gemacht hab.

Zum Beispiel?
Ich hab phasenweise zu viel gespielt. Nach dem Finale in den Niederlanden Anfang September hätt' ich eine Pause einlegen müssen. Oder auch nach dem Turniersieg in Prag Ende Oktober hab ich gleich weitergespielt. Und viel rausgekommen ist dabei nicht.

Aber du hast deine Lehren daraus gezogen?
Ich hab mir heuer viel Wissen angeeignet, hab beim Matchverhalten und im taktischen Bereich viel gelernt. Wichtig war, dass ich mich alleine durchgekämpft hab.

Wirst du dich auch im nächsten Jahr alleine durchkämpfen?
Ein bis zwei Jahre kann man das machen. In die Top 100 schafft man es aber alleine nicht.

Da willst du aber hin ...
Top 100 bis 150 in den nächsten drei Jahren ist das Ziel.

Was nimmst du dir für 2006 vor?
Ich möchte ähnlich wie Marco Mirnegg heuer den Sprung auf Challenger-Ebene schaffen. Ab Mai möcht' ich die 10.000er hinter mir lassen und hauptsächlich Challenger spielen. Rankingmäßig sind die Top 300 mein Ziel.

Wie vereinbarst du das mit deinem Trainingspartner Patrick Schmölzer, mit dem du ja meistens tourst? Patrick liegt ja im Ranking knapp 250 Plätze hinter dir.
Ich hoffe, er packt das. Das nächste halbe Jahr wird für ihn mit einem Ranking um 700 brutal hart.

Hast du überlegt, dich an andere Österreicher dranzuhängen, Marco Mirnegg, Rainer Eitzinger zum Beispiel?
Die beiden sind halt derzeit in einer anderen Liga; sie stehen bei den meisten Challengern im Hauptbewerb. Aber ich bin grundsätzlich für alles offen: ob mit den beiden, oder mit der Thomas-Weindorfer-Gruppe aus der Südstadt.

Wie läuft die Vorbereitung für dich?
Patrick und ich spielen nächste Saison in Voitsberg in der Landesliga B. Daher können wir dort kostenlos in der Halle trainieren, arbeiten in der Aufbauphase mit Wolfgang Tinnacher zusammen. Und wir können das Konditionstraining mit Alfred Konic machen.

Zwei ATP-Profis in der Landesliga B? Wie kam's denn dazu?
Wir haben als Kinder schon in Voitsberg gespielt. Und man hat uns ein gutes Angebot gemacht – jeder spielt drei Meisterschaftspartien, das Training wird gesponsert, und zusätzlich bekommen wir auch noch etwas bezahlt.

Wo ist der Haken?
Da ist keiner! Patrick und ich können es jetzt ein paar Jahre versuchen. Sollten wir es in den Bereich der Top 150 schaffen, würden wir den Voitsbergern auch wieder etwas zurück erstatten.

Wenn wir schon beim Geld sind: Wie war das Jahr für dich finanziell?
Futures werfen nicht soviel ab. Aber da ich immer alleine war, also keinen Coach zahlen muss, steig' ich heuer nur mit einem leichten Minus aus.

Wann gehst duÂ’s wieder mit Turniertennis an?
Ich werd' wegen der Operation wohl erst gegen 20. Dezember voll fit sein. Die Futures in Bergheim spiel' ich als Wettkampftraining. Danach hab ich eine Woche Training eingeplant, und dann stehen zwei Kroatien-Futures am Programm.

Wie wirst du's nächstes Jahr mit den nationalen Turnieren handhaben? Immerhin hast du ja ein Finale bei den Hallen-Staatsmeisterschaften zu verteidigen, wo du nach einem vergebenen Matchball gegen Tommy Schiessling verloren hast ...
Die Hallenstaats werd' ich wohl nicht spielen. Aber im Freien dann wohl schon.

Planst du auch wieder weitere Reisen? Heuer warst du ja in Thailand ...
Ich hab vor, hauptsächlich in Europa zu spielen. Ich halt nix davon, zum Beispiel nach Nigeria zu fahren. Die Bedingungen sind einfach beschissen. Mir ist der Cut egal, solang das Drumherum passt.

Interview: Peter Robic




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