Der Marathon-Mann

Jahresbilanzen 2005 - Teil 7 Oliver Marach: Warum er die zweitmeisten Turniere auf der Tour gespielt hat, über das Ende der Trainingsgemeinschaft mit Daniel Köllerer und lange Fußmärsche.

Oli, du überwinterst als Österreichs Nummer zwei. Hättest du das zu Jahresbeginn gedacht?
Sicher nicht. Es ist natürlich schön, aber wichtiger ist, dass die Saison für mich selbst gut gelaufen ist und ich mich verbessert habe.

Obwohl du dein "offizielles" Ziel, zwischen 110 und 120 zu überwintern, verfehlt hast?
Ja, eigentlich bin ich schon zufrieden. Enttäuscht bin ich nur über die Südamerika-Tour am Saisonende.

Naja, ein Achtel-, ein Viertel-, ein Semifinale bei großen Challengern in fünf Wochen ist zwar nicht berauschend, aber auch nicht schlecht.
Die ersten drei Turniere waren überhaupt ein Horror. Ich hatte starke Probleme mit der Umstellung von der Halle auf Sand, Probleme mit der Schulter, war total ausgebrannt und hab bei meinen Schlägen nur herumgezittert. Und dann musste auch noch mein Coach abreisen.

Wieso das?
Aus familiären Gründen. Zum Glück ist meine Freundin nachgekommen. Dafür haben wir dann bei der Abreise was durchgemacht. Das war der krönende Abschluss.

Was ist passiert?
Wir fahren mit dem Taxi zum Flughafen, und plötzlich fünf Kilometer davor stand alles, weil wegen eines Sitzstreiks die Straße komplett zu war. Wir mussten dann unsere sechs Taschen packen und bei 40 Grad zu Fuß weiterrennen, um unser Flugzeug zu erreichen.

Die ganzen fünf Kilometer?
Ja, zum Glück hat uns nach einer Weile jemand mit einem Rollwagen geholfen, sodass wir die Taschen durch die sitzenden Menschen durchziehen konnten. Dann hatte noch das Flugzeug in Buenos Aires und in Madrid Verspätung, schließlich waren wir über 20 Stunden unterwegs.

Aber immerhin hast du bei den letzten beiden Turniere noch ganz gute Punkte geholt.
Stimmt, da ist es besser gegangen. Vor allem beim letzten in Buenos Aires, im Speziellen gegen Nicolas Lapentti hab ich unmenschlich gut gespielt. Das Turnier hätte ich gewinnen können, wenn nicht das Fernsehen etwas dagegen gehabt hätte.

Das Fernsehen?
Das Match gegen Lapentti war in der Nightsession angesetzt, deshalb war ich erst knapp vor Mitternacht fertig. Da musste ich dann aber noch essen und konnte überhaupt nicht schlafen. Am nächsten Tag musste ich aber wegen der Live-Übertragung im Fernsehen schon wieder vor zwölf auf den Platz. Ich hab mich da nicht einmal eingeschlagen und konnte überhaupt nicht spielen. Wäre es nicht im Fernsehen gewesen, hätte ich sogar aufgegeben.

Die Trainingsgemeinschaft mit Crazy Däni war nur von kurzer Dauer.
Auch Daniel Köllerer spielte die Tournee bis zur letzten Station. Warum seid ihr gegen Ende nicht mehr gemeinsam im Doppel angetreten?
Wir haben unsere Trainingsgemeinschaft beendet.

Warum?
Mein Coach und ich haben einige Erfahrungen gesammelt und sind draufgekommen, dass Daniel nicht zu uns passt. Mehr möchte ich dazu aber nicht sagen, das haben Daniel und ich so ausgemacht.

Na gut ... nächstes Thema. Insgesamt hast du heuer laut ATP 37 Turniere und damit hinter Razvan Sabau die zweitmeisten auf der ganzen ATP-Tour gespielt. Warum so viele?
Naja, es waren sogar ein paar mehr. Aber man muss auch sehen, dass ich 14 Mal nur erste Runde gespielt habe. Da kann ich natürlich mehr Turniere spielen als der Federer, der jedes Turnier gewinnt.

Wie schaut nun dein weiterer Plan aus?
Ich mach jetzt mal einen Fitnesstest, und dann werden wir sehen, ob ich nächste Woche wieder nach Italien fahre um zu trainieren oder noch nicht.

Wer wäre dort dein Trainingspartner?
Hicham Arazi und Youness El Aynaoui sind dort. Die beiden wollen es nach ihren Verletzungen noch einmal probieren.

Und wann geht's turniermäßig wieder los?
Fix eingeplant sind der Doha-Challenger am Jahresende und die anschließende Quali für das dortige ATP-Turnier. Und natürlich die Australian Open.

Das heißt, nächstes Jahr stehen noch mehr ATP-Turniere auf dem Programm?
Zu Beginn werde ich natürlich auch noch Challenger von 100.000 aufwärts spielen. Da gibt's schon gute Punkte. Aber in Wochen mit drei oder vier ATP-Turnieren gleichzeitig sind meine Chancen auf einen Platz im Hauptbewerb nicht mehr so schlecht.

Und das Ziel?
Ich halte es so wie Sybille und stecke mir kleine Ziele. Zuerst Top 100, dann Top 80 und schlussendlich Top 50. Das traue ich mir zu, Spieler dieser Preisklasse habe ich schon geschlagen.

Interview: Peter Brandhofer




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