Selbstbewusst, zielstrebig, bescheiden: Österreichs neue Nummer zwei

Die Nominierten 2005 - Teil 9 Oliver Marach spielte sich 2005 in neue Höhen. Doch der Steirer bleibt am Boden.

1996 hatte es zuletzt ein Österreicher geschafft, Jiri Novak zu besiegen: Thomas Muster in Mexico City. Stefan Koubek, Jürgen Melzer und Markus Hipfl hatten es danach neun Jahre und elf Matches lang versucht, Markus war dabei als einzigem ein Satzgewinn gelungen. Am Montag, den 10. Oktober 2005, war es wieder so weit: Jiri Novak musste sich wieder einmal einem Österreicher geschlagen geben. Und zwar nicht Melzer oder Koubek, sondern dem Außenseiter Oliver Marach – der sich 2005 freilich Schritt für Schritt aus dem Außenseiterdasein gespielt hatte. Und entsprechend gelassen auf den bisher spektakulärsten Erfolg seiner Laufbahn reagierte: "Eigentlich war es mir egal, dass er der Österreicher-Schreck ist. Ich habe mich extra für die Stadthalle vorbereitet, super Hallentennis gespielt und Jiri keine Chance gelassen." Oliver Marach hat 2005 nicht nur sein Tennis verbessert, sondern vor allem auch sein Selbstbewusstsein. Er sagt: "Ich weiß inzwischen, dass ich fast jeden Gegner schlagen kann."

Vom Sandplatzwühler zum Allrounder
Und zwar auf allen Belägen, könnte man hinzufügen. Egal ob zu Jahresbeginn auf Hardcourt bei den Australian Open, im Hochsommer auf Sand in Kitzbühel oder in der Halle von Wien: Überall besiegte der 25-jährige Ex-Sandplatzspezialist Spieler, die in der Weltrangliste weit vor ihm platziert waren. In der Halle fühlte er sich sogar so wohl, dass er kurzfristig sogar auf die Südamerika-Sandtournee verzichten wollte. Nur der europäische Winter verhinderte das: "Bei der Kälte im Winter hab ich immer Probleme mit der Durchblutung der Gelenke und bin sehr verletzungsanfällig." Anfangs hatte er mit der Umstellung auf Sand ein wenig zu kämpfen ("... das ist mir überhaupt noch nie passiert!"), dann aber lief's umso besser – Highlight: ein unglaubliches 6:2, 6:2 über Nicolas Lapentti, ehemalige Nummer sechs der Welt.

"Der Stefan hat doch viel mehr Erfahrung"
Marach hat sich heuer in der ATP-Rangliste um 70 Plätze auf Position 130 verbessert, damit Stefan Koubek als heimische Nummer zwei abgelöst. Anfang Februar trifft Österreich im Daviscup nahe Marachs Heimat in Graz-Unterpremstätten auf Kroatien. Laut Papierform stehen die Chancen des Lokalmatadors demnach gut, von Landsmann, Jugendidol, Kapitän (und Stadthallen-Doppelpartner) Thomas Muster einberufen zu werden. Doch das Thema Daviscup ist für Marach – noch - kein primäres: "Der Stefan Koubek hat viel mehr Erfahrung im Daviscup als ich. Außerdem ist sein Horrorjahr dann schon lange vorbei, und das Spiel der aufschlagstarken Kroaten liegt ihm als super Rückschläger viel mehr als mir. Vielleicht wäre es besser, wenn er einlaufen würde." Mit Muster ist für Anfang Dezember dennoch ein Gesprächstermin vereinbart, Thema: Oliver Marachs Jahr 2005 und seine (Daviscup-)Zukunft.

Vorbild Bammer
Weitere Ziele? Oli verweist auf die gleichaltrige Sybille Bammer: "Ich halte es so wie Sybille und stecke mir kleine Ziele. Zuerst Top 100, dann Top 80 und schlussendlich Top 50. Das traue ich mir zu, Spieler dieser Preisklasse habe ich schon geschlagen." Auch was den tele.ring Tennis Award presented by tennisweb.at 2005 betrifft, hat Oliver eine klare Nummer eins: "Meiner Meinung kann es nur eine Siegerin geben: Sybille Bammer. Denn sie ist wirklich eine vorbildliche Kämpferin. Und das alles noch dazu als Mutter, das ist echt bemerkenswert."

pb





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