Joe Ager: "Wahnsinn, wenn du keine Luft mehr bekommst"

Jahresbilanzen 2005 - Teil 6: Johannes Ager spricht im tennisweb.at-Interview über sein Leben mit Asthma, seine nächsten Ziele und die enttäuschende Saison 2005.

Joe, nach mehr als drei Monaten Asthma-bedingter Turnierpause hast du dich mit dem Titel beim Turnier in Seefeld zurückgemeldet. Wie war es beim Comeback?
Beim ersten Spiel nach so einer langen Zeit war alles ein bisschen ungewohnt. Ich bin aber von Match zu Match immer mehr in Schuss gekommen und hab mich immer wohler gefühlt.

Das sieht man an den Ergebnissen, du hast alles relativ klar in zwei Sätzen gewonnen.
Wichtig war vor allem, dass ich sehr gut aufgeschlagen habe. Das ist in dieser Seehöhe dann die halbe Miete.

Körperlich war es kein Problem?
Nein, mir geht es jetzt eigentlich immer besser. Die Pollenzeit ist ja zum Glück jetzt vorbei.

Was steht als nächstes auf deinem Spielplan?
Ich werde heuer kein Turnier mehr spielen. Voll einsteigen möchte ich dann wieder bei den Hallen-Futures in Salzburg zu Beginn nächsten Jahres. Die Förderungsvergabe durch den ÖTV ist da übrigens eine Super-Sache.

Bis dorthin …?
… werde ich weiter in Seefeld trainieren und schauen, dass ich das mit dem Asthma noch besser in den Griff bekomme. Ich bin aber schon wieder fast der Alte und denke, dass die dreimonatige Auszeit für mich persönlich sehr wichtig war.

Warum?
Ich war bei Turnieren oft echt unzufrieden, weil ich gemerkt habe, dass ich eigentlich viel mehr könnte – gesundheitlich aber einfach nicht mehr möglich ist. Das ist natürlich schon frustrierend.

Was genau war da los? Blieb dir auf einmal die Luft weg?
Ja, genau. Eigentlich ein Wahnsinn! Die Ausdauer war ja sonst immer meine Stärke, dann spielst du einen langen Ballwechsel und auf einmal bekommst du keine Luft mehr.

Und dass war bei jeder Partie so?
Nein, einzelne Matches sind nicht unbedingt ein großes Problem. In der Meisterschaft hab ich auch den Summerer (Anm: derzeit ATP 221) geschlagen, sogar echt gut gespielt. Vor allem aber wenn ich länger auf Turnierreisen war, hab ich gemerkt dass es von der Luft her nicht mehr geht. Es hat ja keinen Sinn mit 60 bis 70 Prozent vom eigentlichen Leistungsniveau weiterzuspielen.

Apropos Meisterschaft: Du bist ja mit dem TC Schwaz aus der II. Division abgestiegen. Wo wirst du nächstes Jahr dein Racket schwingen?
Ich werde den TC Schwaz verlassen und nächstes Jahr für den UTC Ried auflaufen. Dort spielen ja schon meine Trainingspartner Georg Fankhauser und der Thomas Schiessling, der auch den Kontakt zu mir hergestellt hat. Da der Schiessi nächstes Jahr weg ist, spiel ich dann dort statt ihm.

Wieder zurück zu deiner Erkrankung: Wann hast du erstmals mitbekommen, dass mit dir was nicht in Ordnung ist?
Das war im September letzten Jahres. Ich hab in Deutschland Futures gespielt und von einem Tag auf den anderen irrsinnigen Keuchhusten bekommen. Der ist dann einen Monat nicht weggegangen. Teilweise habe ich in der Früh schon so heftig gehustet, dass ich mich übergeben musste.

Davor hattest du nie Probleme?
Nein, eigentlich nie. Ich hab mir gedacht, das ist ein normaler Husten. Ungewöhnlich war halt, dass er einfach nicht weggegangen ist.

Und was hast du dagegen unternommen?
Ich bin von einem Arzt zum anderen gezogen. Die haben mir dann verschiedenste Medikamente und Antibiotika verschrieben. Ich dachte mir, die muss ich nehmen, um die Turniere spielen zu können.

Aber das hat dann doch nicht gepasst?
Nein, mir war echt nicht mehr wohl bei der ganzen Sache. Deshalb bin ich dann zu einem Homäopathen gewechselt, seither geht es eigentlich immer besser.

Wie wird das dann zukünftig sein. Kannst du wieder ganz fit werden?
Ich werde genauso problemlos spielen können wie vor der Erkrankung. Mir geht es momentan ja schon wieder sehr gut, es ist fast schon wie früher.

Du bist auch vom Training her auf dem selben Level?
In letzter Zeit hab ich schon wieder einiges getan. Vom Ausmaß her zwar schon etwas weniger wie zu meinen besten Zeiten, wo ich fünfmal in der Woche vier bis fünf Stunden pro Tag trainiert habe, dort möchte ich aber bald wieder hinkommen.

Welche Ziele setzt du dir für die nächste Zeit? Du bist immerhin erst 21 und warst vor mehr als einem Jahr schon mal ATP-Nummer 266.
Oberste Priorität ist wieder körperlich topfit zu werden. Ich möchte so schnell wie möglich den internationalen Anschluss finden.

In der letzten Saison wolltest du bei Challengern Fuss fassen. Waren hauptsächlich die körperlichen Probleme schuld daran, dass du dieses Ziel verfehlt hast?
Nicht unbedingt, das soll nicht als Ausrede gelten. Am Anfang des Jahres hab ich ja Hallen-Challenger in Deutschland gespielt, dort teilweise auch starke gute Leistungen gebracht, gegen die guten Leute aber meist knapp verloren.

Woran lag das?
Es ist wichtig, gerade solche knappen Partien für sich zu entscheiden, um Selbstvertrauen zu tanken. Mir ist das leider Gottes dann nicht gelungen.

Im Juli, knapp einen Monat vor deinem Rückzug, hast du ja bei den Austrian-Futures mit den Finaleinzügen in Anif und Telfs dann aber wieder groß aufgezeigt. Wie war das möglich?
In Telfs war ich selbst von mir überrascht. Ich habe echt sehr gut gespielt, gute Leute wie den Benedikt Dorsch (ATP 285) mit 6:3, 6:2 geschlagen. Das war mit Abstand mein bestes Turnier dieses Jahr. Ich hab dann wieder Mut geschöpft und gedacht, jetzt geht es echt wieder.

Ging es ja auch – in Anif hast du wieder Finale gespielt …
… ja stimmt, ich hab aber keine Ahnung, wie ich das genau gemacht habe. Mir ging es echt schlecht, ich musste mich dort am Platz sogar einige Male übergeben.

Und nach Anif?
Nach Salzburg hab ich noch die Liga-Matches in Deutschland und Österreich gespielt, da wusste ich aber schon, dass ich mir irgendetwas einfallen lassen muss. Es hat ja keinen Sinn wenn du am Platz stehst und auch gegen Gegner verlierst, wo du genau weißt, dass es normalerweise sicher reicht.

Gereicht hat es letztendlich dann nicht für dein Heimturnier in Kramsach und Kitzbühel, du musstest absagen.
Ja, das war echt ein brutaler Dämpfer! Wenn du merkst, die Form ist wieder besser und du dann auf einmal beim Heimturnier raußziehen musst. Noch dazu wo ich im Jahr zuvor dort Finale gespielt hab. Mit Kitzbühel fiel dann auch das nächste Saisonhighlight weg. Ich bin froh, dass es jetzt wieder aufwärts geht.

Interview: Michael Kirner




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