Petra Russegger: "Ich fühle mich wie neugeboren"

Jahresbilanzen 2005 - Teil 5: Petra Russegger ist nach einer Saison voller Ungewissheit wieder fit und hat "das sportlich Tollste meiner Karriere" erlebt.

Wegen einer Zyste im Unterkiefer konntest du seit September kein Match mehr bestreiten. Wie gehtÂ’s dir derzeit?
Ich fühle mich wie neugeboren. Ich wurde Anfang Oktober operiert und habe letzte Woche erstmals wieder Tennis gespielt. Endlich bin ich wieder gesund.

Und davor? Konntest du dich irgendwie fit halten?
Nein, ich konnte nach der Operation gar nichts machen. Nicht einmal laufen gehen.

Du warst ja das ganze Jahr über schon gehandicapt.
Ich hab schon seit längerem gemerkt, dass mit mir etwas nicht stimmt, wusste aber nicht was es ist. Ich war immer müde, oft erkältet und kränklich. Und Ende August kam zu all dem noch Zahnweh dazu.

Und dadurch wurde klar, was der Grund ist?
Ich war während des Jahres oft beim Arzt, hab Blutspiegelungen gemacht, aber es konnte nie geklärt werden, was ich habe. Als ich dann beim Zahnarzt war, hat der die Zyste gefunden.

Wie hast du die Zeit seit der Operation verbracht?
Am Anfang war es schlimm, ich konnte ja nur Brei essen. Aber es war irgendwie auch schön, wieder einmal so lange daheim zu sein und so viel Zeit für die Freunde zu haben.

Hast du in dieser Zeit überhaupt ans Tennis gedacht, oder gerät das in so einem Fall ganz in den Hintergrund?
Nein. Tennis war schon immer wichtig für mich. Und ich werde auf jeden Fall wieder leistungsmäßig spielen.

Probierst du es auch noch einmal auf der Tour?
Das ist noch nicht sicher. Ich werde vorerst vermehrt Preisgeldturniere in Österreich und Deutschland spielen und dann im Mai Liga.

Du bist 2001 wegen einer Verletzung sogar aus den Top 1000 gefallen und hast dich wieder zurückgekämpft. Glaubst du, dass du das noch einmal schaffen kannst?
Ich bin jetzt 26 und mein Ziel ist, bis Ende April wieder voll fit zu sein. Das Ranking ist mir nicht mehr so wichtig.

Wo trainierst du dich wieder auf?
Ich spiele immer mit den Mädels vom Ladies Future Team Tirol - Veronika Sepp, Iris Khanna, Sandra Liebl, Mona Wanner und Franziska Klotz - und trainiere mit meinem Freund Michael Gruber und Karel van Wyk. Karel und Michael sind auch die Betreuer vom Future Team. Ich werde nächstes Jahr auch Meisterschaft in Innsbruck spielen.

Warum nicht mehr in Altenstadt?
Es ist schön nach Altenstadt und dem BMTC wieder zu Hause zu spielen. Ausserdem glaube ich, dass ich in fittem Zustand dem Team im ersten Jahr in der Staatsliga eine Stütze sein kann.

Trotz deiner Probleme hast du auch heuer zwölf Turniere und einige Meisterschaftspartien gespielt. Lässt sich da eine Bilanz ziehen?
Wenn ich gerade fit war, war ich vom Spielerischen her total zufrieden. Der absolute Höhepunkt des Jahres war die Universiade in Izmir.

Warum?
Das war das Tollste, was ich sportlich je erlebt habe. Wie bei Olympia wurde eine eigene Stadt dafür aufgebaut. Jedes Land hatte ein eigenes Haus, so haben auch alle Österreicher zusammen in einem Haus gewohnt und sich dann bei den Wettbewerben angefeuert.

Beim Tennis waren aber nur du und Eva-Maria Hoch.
Ja, insgesamt waren aber etwa 35 Österreicher und in Summe 10.000 Athleten. Bei Turnieren ist man halt immer alleine unterwegs und da waren wir ein großes Team. Wir haben zum Beispiel Markus Rogan beim Schwimmen angefeuert, und Eva-Maria und ich hatten dann unsere Fans beim Tennis.

Das heißt, du bist das nächste Mal wieder dabei?
Das ist ein Ziel. Die nächste Universiade ist in zwei Jahren in Bangkok.

Welche Pläne hast du neben deiner aktiven Karriere?
Ich habe jetzt mit der Trainerausbildung begonnen.

Das heißt, du wirst Tennis auf jeden Fall in irgendeiner Form weiter betreiben?
Ich könnte mir schon vorstellen, dass ich selber ins Trainergeschäft einsteige und daneben weiterhin Meisterschaft und Preisgeldturniere spiele.

Waren Meisterschaft und Preisgeldturniere auch dieses Jahr schon deine Haupteinnahmequellen?
Ja, ich hab mir dieses Jahr vor allem durch Einnahmen bei Preisgeldturnieren und Ligaspielen finanziert. Teure Turnierreisen irgendwohin sind leider nicht mehr drin, ich versuch halt an Orten zu spielen die mit dem Auto erreichbar sind. Zum Beispiel in Deutschland und Italien.

Interview: Peter Brandhofer




zurück zur Übersicht