Im Süden viel Neues: Horsti als Kärntens Tennis-Messias

Die Nominierten 2005 - Teil 5: Binnen kürzester Zeit schaffte es "Hooorsti", den Tennissport in Kärnten wieder zu beleben.

"Wir haben bewiesen, dass Tennis lebt", stellte Horst Skoff nach dem Gewinn der Superliga fest. Und man konnte sehen, wie stolz er an diesem Tag war - wofür ausreichend Grund bestand. Als Playing Captain hatte "Horsti" die Sportunion Klagenfurt im Vorjahr in die höchste Spielklasse geführt. Als Non Playing Captain führte er den Aufsteiger auf Anhieb ohne eine einzige Niederlage zum Titelgewinn. Dass sich Skoff nicht aktiv beteiligen konnte, lag an einem nicht ganz ausgereiften Diätprogramm - diesen kleinen Makel machte die heimische Legende aber mehr als wett. Die Tennis-Party, die die ehemalige Nummer 18 der Welt rund um das Superliga-Finale gegen den ULTV Linz organisierte, lockte fast 2.000 zahlende Besucher an den Wörthersee.

Mit Koubek und Sampras zum Meister?
Was im Herbst 2005 gelang, soll keine Eintagsfliege gewesen sein. Das logische Ziel für das nächste Jahr ist der erneute Mannschaftsmeistertitel mit der Sportunion Klagenfurt – und die Wiederholung des imposanten Tennis-Festes. Behilflich sollen ihm dabei zwei prominente Verpflichtungen sein. Skoff, um große Töne nie verlegen: "Stefan Koubek hat zugesagt, drei bis vier mal im Jahr zur Verfügung zu stehen, sofern es ihm sein Turnierplan gerade erlaubt. Mit Pete Sampras bin ich derzeit am Verhandeln, ich versuche ihn für zwei Partien für uns zu gewinnen." Am heutigen 26. November reiste Skoff extra in die USA, um diesen mehr als nur unglaublich scheinenden Coup mit dem 14-fachen Grand Slam-Sieger zu verwirklichen.

Ja zum Spitzensport
Auch wenn viele seiner Ideen vor allem durch großen Optimismus Aufsehen erregen: Skoff bewegt etwas, macht Tennis zum Thema, ist mit dem Herz dabei. Und er scheut sich nicht, Arbeit an der Basis zu leisten. Als Spitzensport-Referent hat Horst Skoff im Kärntner Tennisverband nun große Verantwortung übernommen - und rührt im südlichsten Bundesland Österreichs kräftig um. So soll in Kärnten beispielsweise ein neues ATP-Turnier mindestens in der Größe von Kitzbühel entstehen, vorzugsweise in der Region um den Wörthersee: "Wir stecken da noch mitten in den Verhandlungen. Nach momentanem Stand haben wir zwei sehr interessante Optionen vorliegen", hält sich Skoff vorerst noch recht bedeckt. Viel Überzeugungsarbeit war von Seiten des ehemaligen 'Musketiers' erforderlich, um dem Land Kärnten ein Bekenntnis zum Spitzensport abzuringen: "Ohne einen Spitzenspieler aus Kärnten werden wir auch die breite Masse nicht zum Tennissport bekommen. Unsere oberste Priorität muss es daher sein, in den nächsten zwei bis vier Jahren einen Spitzenspieler zu haben, der Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit und in den Medien erregt."

Engagement in allen Bereichen
Seit heuer arbeitet Horsti mit Österreichs Nummer sechs Rainer Eitzinger zusammen - der Tiroler hat sich heuer bemerkenswert gut entwickelt. "Er hat absolut das Potenzial für die Top 100", ist sich Skoff sicher. "Meine Aufgabe ist es jetzt nur, das bestmögliche Umfeld für ihn zu schaffen und ihn dort hin zu bekommen, wo er hingehört." Gäbe es da nicht ein Problem: "Er würde jemanden brauchen, der zu 100 Prozent hinter ihm steht, aber ich kann nicht auf Tour mit ihm fahren. Ich habe zu viele Verpflichtungen und fixe Zusagen getätigt." Denn nicht nur im Spitzensport sorgt Skoff für neue Impulse, vor allem aus der Nachwuchsarbeit in Kärnten ist der 37-Jährige nicht mehr wegzudenken. Unter anderem organisiert Skoff in Klagenfurt ein zentrales Training für eine geförderte Gruppe von neun- bis 18-jährigen KTV-Talenten, für die "das bestmögliche Trainerteam zur Verfügung steht. Wir haben eine solide Basis geschaffen, um wieder jemanden aus Kärnten an die Spitze zu bringen."

Gibt es bald den nächsten Skoff?
Mit der Einstellung seiner Gruppe zeigt sich Horst Skoff sehr zufrieden: "Die 15 bis 16 Spieler in diesem Team, die wollen wirklich. Die wissen, dass man einen gewissen Preis dafür bezahlen und einiges in den Hintergrund stellen muss, wenn man Profi werden will." Besonders positiv beurteilt Skoff den Fortschritt von Paul Kügler, Björn Probst und natürlich Rainer Eitzinger. Geht es nach "Horsti", kommen auf Kärntens Tennis rosige Zeiten zu: "Wir haben hier extrem viele Super-Talente, vor allem im Alter zwischen neun und zwölf. Positiv ist für sie, dass jetzt perfekte Rahmenbedingungen zur Verfügung stehen, sodass kein Fehler mehr passiert – in spieltechnischer wie spielpraktischer und körperlicher Hinsicht." Ist denn ein neuer Skoff schon in Sicht? "Es gibt ein paar gute Kandidaten auf eine Karriere wie meine, aber letztendlich wird es an jedem Spieler selbst liegen." Skoff forciert nun auch eine grundlegende mentale Ausbildung für die Kids – "Die jungen Burschen sollen lernen, mit Druck- und Stresssituationen umzugehen, in wichtigen Situationen gut zu reagieren und nicht hektisch zu werden. Das ist ganz entscheidend."

Alles Eitel Wonne im KTV
Im Kärntner Tennisverband scheinen mit Skoff Professionalität und Ruhe eingekehrt zu sein. "Meine Rolle ist es gewesen, ein Team mit auf die Beine zu stellen, bei dem jeder weiß, worum es geht, bei dem jeder bedingungslos und vollinhaltlich hinter meinem Konzept steht, und das auch dementsprechend versucht, umzusetzen. Das war bisher immer die größte Schwierigkeit. Ich habe jetzt ein Team gefunden, mit dem ich mittel- bis langfristig zusammenarbeiten kann, jeder hat hier seine eigene Verantwortung zu tragen, jeder ist gleich wichtig wie der andere." Bemerkenswert: KTV-Präsident ist Ronnie Leitgeb - lange Zeit galten er und Skoff nicht gerade als die besten Freunde. Nun funktioniert im Sinne Kärntner Tenniserfolge die Kommunikation zwischen den beiden tadellos: "Ich bin sehr positiv angetan davon, wie wir seit einem Jahr miteinander umgehen", sagt Skoff. "Die Zusammenarbeit mit ihm klappt hervorragend und basiert auf absolutem Verantwortungsbewusstsein - von beiden Seiten."

mw




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