Alfred Tesar und das GlĂĽck bei den Frauen

Die Nominierten des Jahres-Awards 2005 - Teil 2 Der 57-jährige FedCup-Kapitän hat auch 2005 sehr vieles sehr richtig gemacht. Und nun scheint sogar die Versöhnung mit Sybille Bammer möglich.

Alfred Tesar scheint ein gewisses Faible für aussichtslose Situationen zu haben, und er hatte früh Gelegenheit, es auszuleben: Zu seinem ersten FedCup-Länderkampf fuhr er im April 2002 mit Barbara Schwartz, Evi Fauth, Marion Maruska und Daniela Kix in die USA. Man erwartete allgemein ein Debakel an der Grenze der Menschenrechtsverletzung. Es folgte das historische 3:2, eine der Allzeit-Sensationen des Welttennis. Der Herr mit dem über alle modischen Zeitläufte erhabenen blonden Schnauzbart und dem verschmitzten Lächeln sah sich trotzdem nur als Platzhalter, als Übergangslösung auf der Bank. Es folgten in den Jahren darauf unter anderem Siege über Kroatien, Kanada, die slowakische Republik und neuerlich die USA. Es begann eine gewisse Routine in der Bewältigung scheinbar unbewältigbarer Aufgaben zu entstehen.

Riskiert – und nur knapp verloren
Dann also 2005, und das Wort von der unbewältigbaren Aufgabe erhielt eine neue Dimension. Das erste Jahr ohne Babsi Schett, das erste Jahr ohne Patricia Wartusch, Babsi Schwartz verletzt. Im April kam Frankreich mit Mauresmo, Pierce, Dechy, Razzano. Es drohte ein Debakel nicht nur, es schien ein Debakel unausweichlich. Was tat Tesar? Er nominierte mit den Salzburger Klemenschits-Zwillingen zwei Debütantinnen. Und er schickte mit Tamira Paszek eine 14-Jährige in den ersten Tag. Was passierte? Das angekündigte Debakel nicht. Im Gegenteil: Zur Sensation fehlten nicht viel mehr als ein paar Bälle. Das einzige Team ohne Top 100-Spielerin in der Weltgruppe 2005 hätte dem späteren Finalisten beinahe ein Bein gestellt.

Aus wenig viel machen
Mit jener Mannschaft, die die Französinnen geärgert hatte, ging es im Play-off in die Schweiz. Paszek punktete zwei-, Meusburger einmal, die Klemenschits-Zwillinge siegten souverän. Österreich, der absolute Underdog der Weltgruppe 2005, steht auch in der Weltgruppe 2006 – und damit unter den acht besten Damentennis-Nationen der Welt. „Das ist“, sagt Tesar, und er hat damit nicht weniger als völlig Recht, „sensationell.“

Viel Optimismus ... und etwas weniger leise Töne
Tesar sorgte 2005 erstmals nicht nur durch Zurückhaltung für Aufsehen. „Top 100“, sagte er salopp, befragt nach dem Niveau Tamira Paszeks, und es war noch ziemlich früh im Jahr. „Mein Wunschlos!“, jubelte er, als er von den ersten Gegnerinnen im Jahr 2006 erfuhr. (Es geht nach Spanien, und Österreich ist nicht Favorit. Tesar freilich sagt: „Die Spanierinnen haben keine herausragende Spielerpersönlichkeit.“) Sein Zwist mit Sybille Bammer ist auch acht Monate nach seiner harten Pörtschacher Entscheidung nicht überwunden, doch die Signale zur Versöhnung mehren sich: „Am Wochenende werde ich sie zu einem Gespräch treffen“, sagt Tesar. „Ich bin zuversichtlich, dass wir uns einigen.“

Vom kaufmännischen Angestellten ... zum Trainerstar?
Alfred Tesars Karriere erreichte 2005 ihren bisherigen Höhepunkt. Es ist die bemerkenswerte Karriere eines Mannes, der zunächst als kaufmännischer Angestellter arbeitete, dann Tennistrainer wurde, der erst als 39-Jähriger eine Position beim ÖTV bezog, der sich zunächst viele Jahre lang im Nachwuchsbereich verborgene Verdienste erwarb (unter anderem als einer der wichtigsten Jugendtrainer von Barbara Schett). Alfred Tesar geht 2006 in sein fünftes Jahr als FedCup-Captain, sein Vertrag wurde vorzeitig verlängert, läuft bis 2007, vorläufig. Alfred Tesar sieht sich nicht mehr als Platzhalter. Er hat Lust auf mehr.

red.



Das Voting für den Jahrespreis des tele.ring Tennis Award presented by tennisweb.at läuft vom 1. bis 7. Dezember.


zurück zur Übersicht