"G'scheit oder gar nicht" - Egger wird wieder Vollprofi

Jahresbilanzen 2005 - Teil 2: Heuer verdiente Markus Egger sein Taschengeld auf der ÖTV-Tour. Jetzt trainiert er wieder im Leistungszentrum Linz und will es noch einmal wissen: "Das bin ich mir schuldig."

Beim letzten Turnier in Anif musstest du w.o. geben. Bist du schon wieder fit?
Ja, ich war nur etwas krank, es geht schon wieder.

Warum hast du seit Anfang September so wenige Turniere bestritten?
Ich habe fünf Wochen Aufbautraining hinter mir. Ich trainiere jetzt wieder im Leistungszentrum in Linz, wo wir uns auf den Israel-Satellite Ende November vorbereiten.

Mit wem arbeitest du zusammen?
Ich trainiere gemeinsam mit Thomas Holzmann bei Jürgen Waber. Ich war schon vor meiner Zeit in der Südstadt drei Jahre da. Hier taugt's mir.

Und wo hast du dieses Jahr trainiert?
Mit Markus Möslinger in Gmunden. Das ist ein super Verein und ich hab mich dort wirklich sehr wohl gefühlt. Dennoch wollte ich nochmal den Schritt ins Leistungszentrum unternehmen.

Warum?
Um sich selbst zu verbessern, muss man mit besseren oder zumindest gleich guten Spielern trainieren. Da gibt es in Linz doch mehr Möglichkeiten. Außerdem ist dort auch ein Hartplatz, was für die Vorbereitung auf viele Turniere ein großer Vorteil ist.

Wenn man das Leben in der Südstadt und jenes als Einzelkämpfer in Gmunden vergleicht - was sind die grundlegendsten Unterschiede?
Während der Zeit in Gmunden bin ich allein zu den Turnieren gefahren, in der Südstadt sind wir immer in der Gruppe mit Betreuer gereist. Ausserdem wird man vom ÖTV gesponsert und hat super Trainingspartner. Aber ich hab dort nicht hingepasst.

Wieso nicht?
Ich habe meinen Aufenthalt in der Südstadt wegen Differenzen mit Thomas Weindorfer früher als geplant beendet. Ich bin einfach gern zuhause und hauptsächlich wegen meiner Freundin wieder zurück nach Oberösterreich gegangen.

Wie warst du mit deiner ersten Saison nach der Südstadt zufrieden?
National war ich sehr zufrieden, ich hab einige Turniere gewonnen. International eigentlich auch, immerhin hab ich mein erstes Future-Semifinale gespielt.

Die Trainingsbedingungen sind nicht besser geworden, trotzdem hast du dich im ÖTV- und im ATP-Ranking verbessert. Wie gibt es das?
Ich tue mir einfach leichter, wenn ich mir den Tag, das Training und die Turniere selbst einteilen kann. In der Südstadt ist alles fix vorgegeben, aber ab einem gewissen Alter sollte man selber wissen, was für einen das beste ist. Jetzt probiere ich es in Linz nochmal.

Mit welchem Ziel?
Ich möchte so schnell wie möglich unter die Top 500 kommen. Ich habe vor, nächstes Jahr 20 bis 25 internationale Turniere zu spielen. Ich probiere es noch mal zumindest ein Jahr als Vollprofi, das bin ich mir schuldig.

Von deinen Ex-Kollegen aus der Südstadt sind derzeit Max Raditschnigg und natürlich Rainer Eitzinger in den Top 500. Wie kannst du deren Entwicklung mit deiner vergleichen?
Vom Rainer bin ich wirklich überrascht. Ehrlich gesagt, war ich mir sicher, dass er es nicht schafft. Der hatte nie eine Chance gegen Schmölzer, Raditschnigg und mich.

Was ist der Grund, dass er es trotzdem geschafft hat?
Der lebt Tennis wirklich 24 Stunden am Tag. Wenn wir um acht am Abend vom harten Training platt waren, war er noch in der Kraftkammer Bank drücken. Wenn eine Stunde laufen am Plan gestanden ist, ist der Rainer eineinhalb Stunden gerannt. Das hab ich halt nicht gemacht.

Und heuer bei den Staatsmeisterschaften hat er dich geschlagen.
Genau. Unglaublich, wie der sich entwickelt hat. Der hat sich um Klassen gesteigert. Da sieht man, was möglich ist.

Und Max?
Der hat früher mit 700 km/h geschossen, aber null Taktik gehabt. Jetzt spielt er viel cleverer und gewinnt deshalb viel mehr.

Wie finanzierst du die Reisen und das Training?
Über die Meisterschaft in Österreich und Deutschland, über die Hauptsponsoren Mama und Papa, und im letzten Jahr hab ich auch Trainerstunden gegeben.

Und die Zeit als Trainer ist dann vorbei?
Ja, das hört sich jetzt wieder auf. Ich hab gesehen, es gibt nur zwei Möglichkeiten: Entweder man probiert's gescheit oder gar nicht.

Und was machst du, wenn es im nächsten Jahr nicht klappt?
Ich sehe meine Zukunft auf jeden Fall auf dem Tennisplatz. Ich habe vor den Trainer zu machen, und würde gerne junge Leistungs-Spieler nach oben pushen. Auch nationale Turniere werde ich weiterhin spielen, da kann man ein gutes Taschengeld dazuverdienen.

Interview: Peter Brandhofer




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