Marach: "Bin kein Frühstarter"
Oliver Marach über das Geheimnis seines Erfolgs und den Unterschied zwischen Top- und Nicht-Top-Spielern. Plus Anleitung: Wie schlägt man Jiri Novak.

Oliver, wie schlägt man einen Jiri Novak?
Man muss ihn viel bewegen, gut servieren, aggressiv spielen.
Das klingt jetzt relativ einfach. Stefan Koubek und Jürgen Melzer ist das bisher nicht gelungen ...
Es kommt viel auf die Tagesverfassung an. Ich hab heute gut gespielt, er eher schlecht. Im Tennis liegt alles so eng beieinander.
Ist so ein Sieg für dich etwas Besonderes?
Ich denke, es ist solange etwas Besonderes einen Top-Mann zu schlagen, bis man selbst einer ist. Wenn du in den Top 50 stehst und einen Top 50-Spieler besiegst, ist das dann nichts Außergewöhnliches mehr.
Wo liegt dann der Unterschied zwischen einem Top-Mann und einem Challenger-Spieler?
In meinen Matches gegen Top-Leute habe ich gemerkt, dass die in den entscheidenden Momenten immer zulegen können.
 | | Oliver Marach und tennisweb.at-Redakteur Peter Robic freuten sich über zwei Österreicher in Runde zwei. | |  |  | Ein Beispiel ...
Letzte Woche gegen Olivier Rochus zum Beispiel – in Rückstand liegend hat er mir zwei Rückhand-Longline-Winner aus dem Lauf reingehaut, die er das ganze restliche Match nicht gespielt hat.
Kannst du auch in entscheidenden Momenten zulegen?
Es kommt jetzt immer öfter vor, dass ich wenn's drauf ankommt, mein Potenzial abrufen kann. Es ist heuer einiges weitergegangen.
Spielerisch, rankingtechnisch, oder was meinst du?
Eigentlich in allen Bereichen. Aber vor allem mental.
Viele Spieler reden über Mentaltraining, aber was machst du da konkret?
Enorm wichtig für mich ist das Visualisieren. Ich denke mir die Partie am Tag vorher durch, berücksichtige die Eventualitäten und bin dann darauf vorbereitet. Heute war ich auf den Lärmpegel der Kids eingestellt, hab mich dadurch nicht aus der Ruhe bringen lassen und gewonnen.
Das ist das Geheimnis deines Erfolgs?
Nicht nur. Dazu kommt, dass mein Schläger, der Prince O3-Tour, mir optimal liegt. Ich muss nicht soviel mit der Kraft machen, habe dadurch in längeren Matches noch Power. Und meine Freundin Tina hat auch sicher viel damit zu tun, dass ich derzeit wirklich gut spiele – sie gibt mir die Unterstützung die ich brauche.
Du stehst mit jetzt 25 Jahren knapp vor den Top 100. Warum hat das solange gedauert?
Ich weiß, dass ich kein Frühstarter bin. Aber auch ein Gilbert Schaller ist erst spät durchgestartet. Fünf bis sieben Jahre hab ich ja noch – und da will ich noch sehr viel Geld verdienen.
Finanziell ist 2005 ja ein Top-Jahr für dich, oder?
Ich beende das Jahr schon positiv. Aber da ich mit Trainer toure, bleibt nicht soviel über. Ab den ersten 100 wird's interessant – da steht man dann fix in einigen ATP-Hauptbewerben, das ist finanziell viel wert.
Auf deiner neuen Homepage verkaufst du ja quasi Abende mit dir. Ist das eine lukrative Einnahmequelle?
Das sind Pakete für Sponsoren. Normalerweise ist es ja so, dass ein Sponsor Geld bezahlt, ein Spieler sich ein Patch aufnäht und das war's dann. Ich möchte den Leuten, die mich unterstützen mehr geben.
Und hat sich da schon jemand gemeldet?
Noch nicht. Aber die Seite ist erst seit wenigen Tagen online und noch nicht ganz fertig. Generell hab ich die Seite für meine Fans gemacht – denen möchte ich etwas zurückgeben. Danke an dieser Stelle für eure Unterstützung.
Deine Fans durften einen stetigen Aufstieg 2005 verfolgen. Wie wird's bei dir weitergehen?
Zunächst sind die Top 100 das große Ziel. Ich hoffe, dass ich es bis zu den Australian Open schaffe, um dort im Hauptbewerb zu stehen. Genug Selbstvertrauen hab ich jetzt, und konstant genug spiel' ich auch.
Und die nähere Zukunft? Was traust du dir gegen Feliciano Lopez zu?
Ich traue mir den Sieg zu. Ich hab heuer schon gezeigt, dass ich mit vielen Topspielern mithalten kann.
Interview: Peter Robic in der Stadthalle
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