... und jährlich grüßt das Murmeltier

Stefan Koubek über die Hintergründe der Niederlage bei den US Open, über den Verlust des Top 100-Platzes - und wie er den heißesten Herbst seiner Karriere überstehen möchte.

Sogar die Schuhe beider Spieler waren durchnässt vom Schweiß an diesem drückend schwülen New Yorker Spätsommertag. Am Ende ging Florent Serra als Sieger vom Platz – weil er bei 5:4 im vierten Satz seine wahrscheinlich letzte Chance nützte, das entscheidende Break zum Vier-Satz-Sieg über Stefan Koubek ins Trockene brachte. Einen fünften Satz hätte wohl der fittere Österreicher für sich entschieden, „aber verloren ist verloren“, sagt Koubek, der auch einige Tage nach der „schmerzhaftesten Niederlage meiner Grand Slam-Karriere“ noch verärgert ist.

Koubek verlor in New York nicht nur das Match, sondern mit hoher Wahrscheinlichkeit auch seinen Platz unter den Top 100 der ATP. Ein Gefühl, das er vor fast genau einem Jahr bereits eine Woche lang kennen lernen musste: Vom 23. bis 30. August 2004 wurde er als Nummer 101 des ATP-Rankings geführt – dann kam der große Aufschwung.


Du hast schon seit der Rückkehr auf die Tour im Sommer mit dem Druck gelebt, dass im Herbst eine ganze Lawine von Punkten zu verteidigen ist. Bis zu den US Open hat das sehr gut geklappt. Ist der Druck ausgerechnet jetzt in New York zu groß geworden?

Kann schon sein, dass das auch eine Rolle gespielt hat. Die Rangliste ist das, was bei uns zählt. Man schaut immer drauf, zumindest mit einem Auge, man rechnet immer ein bissl herum.

Kann man diesen Punktedruck auf dem Platz wegschieben?

Wenn es so extrem ist wie jetzt bei mir, dass ich in einem Viertel vom Jahr drei Viertel der Punkte verteidigen muss, dann ist das immer im Hinterkopf präsent. Das kannst du nicht mehr wegschieben.

Nach den US Open wirst du ziemlich sicher nicht mehr in den Top 100 gereiht sein. Wie weh tut das?

Natürlich ist das nicht angenehm. Aber da muss man durch. Ich bin im letzten Jahr auch rausgefallen und hab’s wieder zurück geschafft. Da war die Ausgangsposition genau die gleiche. Ich komm mir schon vor wie im Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“.

Heuer ist das Szenario sogar verschärft: 90 Punkte stehen in Madrid zur Verteidigung an, 110 in Basel. Das heißt, du musst im Rest des Jahres auf Top 30-Niveau spielen, um unter den Top 100 zu überwintern.

Dann muss ich halt versuchen, auf Top 30-Niveau zu spielen. Ich hab auch im letzten Jahr gezeigt, dass ich dem Druck standhalten kann. Ich kann wieder gut spielen, ich bin wieder fit, ich habe auch einiges Selbstvertrauen aufgebaut nach den guten Partien der letzten Zeit. Wenn man bedenkt, wo ich vor zwei Monaten gestanden bin, ist da schon sehr viel weiter gegangen.

Wie groß ist der Knacks durch den Rückschlag von New York?

Es war klar, dass es nicht immer nur aufwärts gehen kann, dass es Rückschläge geben wird. Jetzt ist der Rückschlag halt zum blödesten möglichen Zeitpunkt gekommen. Wenn ich auf den Raster von New York schaue, könnte ich mich ohrfeigen. Die Chance, hier ein paar Runden zu gewinnen, war wirklich groß. Die Form hat gepasst, die Auslosung, eigentlich alles. Deswegen ist das jetzt besonders bitter, dass es nicht geklappt hat. Aber das ist Vergangenheit.

Wie gehtÂ’s jetzt weiter?

Ich muss in den nächsten Wochen einfach mein Tennis spielen, das ist alles, der Rest kommt von alleine. Jetzt panisch zu werden, das wäre ganz verkehrt.

Ist der Rückfall in der Rangliste eine Zusatz-Motivation? Oder verkrampft man da, beginnt an sich zu zweifeln?

Für mich ist das eher eine Motivation, das war’s im Vorjahr auch. Ich weiß, ich gehöre in die Top 100, mindestens. Und das möchte ich beweisen.

Was kannst du heuer noch erreichen?

Am Jahresende in den Top 100 stehen, das ist mein Ziel. Dafür sind wie gesagt einige sehr, sehr gute Turniere nötig. Aber ich hab’s im Vorjahr geschafft, und ich weiß, dass ich das auch heuer schaffen kann.

Interview: Stefan Wagner




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