"Gonzalez hab ich zuletzt nur im Fernsehen gesehen"
Mit tennisweb.at plauderte er über Tomas Zib, Fernando Gonzalez und ein Leben zwischen Perugia und Graz.

Du hast heute eine sensationelle Partie gespielt. Erzähl kurz das Match aus deiner Sicht.
Zu Beginn war ich sehr nervös und hab wirklich verkrampft gespielt. Richtig gut war es erst ab 4:5 im zweiten Satz. Da hab ich drei Games super gespielt.
Und der dritte Satz?
Ich hab gewusst, dass das erste Game sehr wichtig ist. Ich hab es aber nach 40:15 noch verloren und war dann sogar 0:2 hinten.
Die Hagelpause ist dir wohl gerade recht gekommen.
Schon. Wobei man sagen muss, dass ich ohne den Sturm bei eigenem Aufschlag nicht 0:30 hinten gewesen wäre. Aber in der Pause hab ich viel mit meinem Coach geredet und dann meine Taktik geändert.
Was hast du anders gemacht?
Ich hab mit viel Spin auf Zibs sehr gerade Vorhand gespielt, und er hat gleich mit vier Fehlern begonnen. Eigentlich liegt mir ja das Tschechen-Spiel mit den guten Returns nicht so, aber zum Schluss hab ich ihn super im Griff gehabt.
Was hast du dir eigentlich nach der Auslosung gedacht, als du erfahren hast, dass Tomas Zib dein Gegner ist?
Ich war nicht begeistert. Ich hab in Stuttgart mit ihm trainiert, und er hat dort unglaublich gespielt. Ich glaube, er ist der bestgereihte Spieler, den ich je besiegt habe.
Du hast zuletzt in Australien eine ähnlich knappe Partie bei einem großen Turnier verloren. Was ist heute der Unterschied zu damals gewesen?
Ich hab heute im ersten Game des dritten Satzes sogar an diese Partie gedacht. Da hab ich mit genau dem gleichen Ball das entscheidende Break bekommen. Aber ich bin jetzt mental und auch spielerisch viel stärker und bin bei 0:2 ruhig geblieben.
 | | Olli Marach und Peter Brandhofer beim Interview. | |  |  | Wie hast du zu dieser Stärke gefunden?
Ich trainiere seit etwa zwei Monaten in Perugia mit einem tollen Team. So zufrieden wie dort war ich bisher noch nie. In Kitzbühel ist mein Coach Julian Vespan dabei, dort arbeite ich mit Mentaltrainer Alberto Castellani. Der hat auch schon Leute wie Arazi, Karlovic und El Aynaoui betreut.
Wie sieht das in Italien genau aus? Wohnst du jetzt auch dort?
Es gibt dort sehr viele super Trainer, auch Ivo Karlovic trainiert dort. Zu fast allen Turnieren fährt einer von den Coaches mit. Ich werde mir eine Wohnung dort nehmen und dann oft zwischen Perugia und Graz pendeln.
Dein nächster Gegner ist nun Fernando Gonzalez. Was rechnest du dir gegen ihn aus?
In diese Partie kann ich völlig unbeschwert gehen. Er hat eine unglaubliche Vorhand und einen der besten Aufschläge der Welt. Ich muss probieren, ihm keinen Rhythmus zu geben.
Wie willst du das anstellen?
Ich werde sicher nicht nur von hinten spielen, sondern viel probieren, auch Serve-and-Volley.
Ihr habt ja schon einmal gespielt. Kannst du dich an die Partie noch erinnern?
Ja, das war vor Jahren bei einem Future in Argentinien. Ich hab damals in drei gewonnen. Gonzalez hat auch damals schon auf die Vorhand draufgeprügelt. Aber trotzdem ist das nicht vergleichbar.
Wann hast du ihn das letzte Mal live gesehen?
Live? Keine Ahnung. GonzalezÂ’ Spiel kenn ich nur vom Fernsehen, da hab ich ihm das letzte Mal bei den French Open gegen Federer zugeschaut.
Zuschauen musstest du zuletzt auch beim Daviscup. Ist das für dich eigentlich wieder ein Thema?
Das muss der Tom entscheiden. Ich hab vor Australien mit ihm geredet, aber da war ich wegen des Untergrunds kein Thema.
Und jetzt gegen Ecuador auf Hartplatz?
Ich hab gar nicht gewusst, dass wir auf Hartplatz spielen. Es wäre schon super, dabei zu sein. Ich muss ja nicht spielen, aber ich würde mich schon freuen, wenn ich mittrainieren dürfte.
Apropos Training: Du hast jetzt einen Tag Pause, wie wirst du den gestalten?
Heute werde ich zwar kein Halli-Galli machen, aber doch sicher ein bisschen feiern und unterwegs sein. Am Dienstag bin ich dann beim Kids Day im Einsatz und hab eine Autogrammstunde. Alles Sachen, die mich ein bisschen ablenken und die ich sonst nie mache. Natürlich wird auch trainiert.
Du hattest vorige Woche auch deinen 25. Geburtstag. Gab es auch da Zeit zu feiern?
Nein. Ich war nur mit meiner Family und meiner Freundin essen. Mein Programm ist so dicht, da bleibt leider dazu wenig Zeit.
Wie geht’s nun nach Kitzbühel für dich weiter?
Ich hab für Samstag meinen Flug nach Segovia gebucht und dann geht’s weiter zum zweiten 100.000er nach San Marino. Ich muss jetzt einfach höher dotierte Turniere spielen, um mich an das Level zu gewöhnen. Auch wenn ich bei kleineren vielleicht mehr Punkte machen könnte.
Wo ist derzeit dein Level?
Manche Spieler sagen beim Training: „Unglaublich, wie weit hinten du in der Rangliste bist.“ Zurückfallen möchte ich natürlich nicht, vielleicht kann ich sogar schon an den Top 100 kratzen.
… was auch finanziell ganz wichtig wäre. Weißt du eigentlich, wie viel Geld dir der Auftaktsieg in Kitzbühel eingebracht hat?
Nein. Ich habe heute in keinem Moment ans Geld gedacht . Da verkrampfe ich nur. Aber punkte- und geldmäßig zahlt sich sowieso erst das Semifinale aus.
Aber da ist ja schon der Flug gebucht.
Naja. Man weiß ja nie, was passiert.
Interview: Peter Brandhofer
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