"Im Tennis kann man mir nichts vormachen"

Horst Skoff sprüht vor Elan: Mit seinem neuen Schützling Rainer Eitzinger geht er auf Tour, in Kärnten soll das größte ATP-Turnier Österreichs entstehen.

Horst Skoff ist wieder voll da. Beim Generali Open in Kitzbühel trainierte er mit Markus Hipfl und saß beim Quali-Match von Rainer Eitzinger in der Box. Der Ex-Daviscupper, 1990 die Nummer 18 der ATP, ist wieder voll motiviert und möchte in Kärnten einen Tennis-Boom auslösen. Warum der 36-Jährige auch wieder auf Tour gehen möchte und wie das "Skoffland Kärnten" aussehen soll, erklärte er im tennisweb.at-Interview in Kitzbühel.

Man sieht dich in Kitzbühel mit Markus Hipfl beim Training. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?
Der Markus hat die die letzten zwei Wochen bei mir in Kärnten mittrainiert. Aber ich bin nicht der Trainer von Markus Hipfl, das ist offiziell immer noch Ronnie Leitgeb.

Das heißt, es war schon länger klar, dass Markus die Wildcard bekommen wird?
Dazu kann ich überhaupt nichts sagen. Das musst du alles den Ronnie Leitgeb fragen.

Wieso hat gerade er die Wildcard bekommen?
Ich habe keine Ahnung.

Okay, aber die Zusammenarbeit mit Rainer Eitzinger ist fix?
Ja, es schaut sehr gut aus. Wir erarbeiten gerade gemeinsam eine Planung. Der Rainer braucht jemanden, der hundertprozentig mit ihm arbeitet. Aber das ist bei mir leider derzeit noch nicht möglich.

Warum?
Ich habe in Kärnten längerfristige Zusagen getätigt, die ich einhalten muss. Aber ich werde versuchen, öfters andere Trainer mit meinen Kindern in Kärnten spielen zu lassen, um so oft wie möglich mit Rainer trainieren zu können.

Könntest du dir auch vorstellen, mit ihm das ganze Jahr auf Tour zu sein?
Ja. Unsere Zielvorstellungen sind grundsätzlich die gleichen. Das ist das Wichtigste. Es bringt ja nichts, wenn der Trainer als Ziel die Top 50 hat, und der Spieler ist eigentlich mit den Top 500 schon zufrieden.

Wie sieht die gemeinsame Zielsetzung aus?
Wir wollen in einem Jahr an den Top 150 knabbern. Derzeit fehlt dem Rainer noch etwas die Routine, das hat man auch bei der Partie in Kitzbühel gesehen.

Woran werdet ihr sonst noch verstärkt arbeiten? Welche Schwächen hast du bei Rainer schon erkannt?
Er ist nicht fit genug. Er sieht zwar sehr fit aus, aber er hat zu wenig Substanz und ist kraftmäßig nicht stark genug. Außerdem müssen wir noch mehr Variationen in seinen Aufschlag bringen.

Und seine Stärken?
Er hat sehr viel Spielvariationen auf Lager, spielt eine sehr starke Vorhand und ist unglaublich schnell.

Du bist Mannschaftsführer in der Superliga, trainierst mit Kärntner Jugendlichen und jetzt auch mit einem heimischen Spitzenspielern. Gibt es so wie in der Steiermark das Musterland jetzt bald das Skoffland in Kärnten?
Ich habe mit KTV-Präsident Ronnie Leitgeb ein Konzept erstellt, das es jetzt umzusetzen gilt. Das Musterland interessiert mich nicht. Außer dass es natürlich gut fürs Tennis ist.

Wie ist die Zusammenarbeit mit Ronnie Leitgeb? Ihr habt ja längere Zeit nicht als die allerengsten Freunde gegolten.
Die Zusammenarbeit funktioniert sehr gut. Wir haben verschiedene Dinge der Vergangenheit aus der Welt geschafft und haben nun ein professionelles Verhältnis.

Wie sieht euer Konzept in Kärnten aus?
Wir werden etwa zehn 16 bis 17-jährige Jugendliche holen und diese verstärkt fördern. Weiters wollen wir etwas für die breite Masse machen, sodass die Leute halt nicht mehr zum Zischka auf Tenniscamp fahren, sondern zum Skoff. Und wir wollen ein großes Turnier in Kärnten veranstalten.

Ein großes Turnier? Ist da von einem Challenger oder einem ATP-Event die Rede?
Da reden wir schon von einem ATP-Turnier. Aber das ist erst in Planung, und da gibt es noch viel zu klären.

In welcher Größenordnung soll das Event wo stattfinden?
Es soll in der Größe mindestens dem Turnier in Kitzbühel entsprechen, größer wird schwierig. Wo es stattfinden wird, ist noch nicht fix, aber die Wörthersee-Region mit Klagenfurt ist natürlich favorisiert.

Du hast auch etwas von der breiten Masse gesagt. Kann man das noch konkretisieren?
Derzeit sind wir ja nur im Leistungstennis aktiv. Es soll auch Topangebote für Touristen geben, und die Infrastruktur soll auch im Zuge des geplanten ATP-Turniers verbessert werden. Wir wollen zeigen, dass Tennis ein großer Sport ist und derzeit zu Unrecht tot geredet wird.

Einige Zeit war von dir sehr wenig zu hören, jetzt bist du wieder voll motiviert. Wieso dieser Sinneswandel?
Ich habe selbst nicht gewusst, ob mein Motivationspegel so hoch ist, um wieder sieben Tage in der Woche voll fürs Tennis arbeiten zu wollen. Aber es macht mir noch Spaß.

Kann man also sagen: Horst Skoff is back?
Naja, das nicht, schließlich spiele ich ja selbst nicht mehr als Profi. Aber ich habe in diesem Sport so viel erlebt, viel mehr als die meisten anderen Leute. Im Tennis kann man mir nichts vormachen. Meine Erfahrung will ich jetzt an andere weitergeben.

Interview: Peter Brandhofer




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