"Über gefälschte Geburtsurkunden kann ich nur lachen!"

Tamira Paszek - Wimbledon-Finalistin und FedCup-Heldin - im tennisweb.at-Interview.

Tamira, wie geht's dir nach diesen zwei unglaublichen Wochen mit dem Wimbledon-Finale und dem FedCup-Duell, das du entschieden hast?
Ich glaube, dass wir den FedCup als Team gewonnen haben. Und ja danke, mir geht's super. Auch wenn die Woche sehr stressig war.

Wieso? Wurde wieder groß gefeiert, wie bei deiner Rückkehr aus Wimbledon?
Nein, gar nicht. Aber es gab viel Rummel, viele Glückwünsche. Ich hab viele Interviews gegeben.

Mit etwas Abstand. Was war mehr wert für dich? Das Wimbledon-Finale, oder die Siege im FedCup?
Beides hat den gleichen Wert für mich, auch wenn es zwei total unterschiedliche Sachen sind. In Wimbledon hab ich nur für mich gespielt. In Lausanne für mein Team und für Österreich. Beides war unglaublich toll.

Und jetzt ist erst mal Entspannung angesagt? Oder trainierst du wieder voll weiter?
Ich geh's locker an.

Wie war dein Tag heute?
In der Früh hab ich bei unserem Club-Camp mit den Kindern ein paar Bälle geschlagen. Danach hab ich locker trainiert. Jetzt geb' ich dir ein Interview, und danach werd' ich ins Freibad gehen. Ich bin schon total in Urlaubsstimmung.

Steht jetzt ein Urlaub an?
Ja, und ich freu mich riesig darauf. Ich fahr' mit meiner ganzen Family für zwei Wochen in die Türkei.

Ein richtiger Familienurlaub? Oder trainierst du dort auch?
Wir fahren das erste Mal seit vier Jahren gemeinsam weg. Trainieren werd' ich nicht wirklich, aber ein bisschen Tennis mit der Familie spiel' ich sicher. Aber wer weiß, vielleicht ergibt sich ja auch ein Sparring.

Unüblich für einen Tennisprofi mitten in der Saison einen Familienurlaub einzuschieben. Würdest du dich eigentlich als Tennisprofi bezeichnen?
Eine schwierige Frage. Ich denke, ich bin noch kein Tennisprofi. Aber ich möcht' einmal einer werden, und ich arbeite daran. Aber ich geh' ja noch zur Schule.

Wie lange noch? Im Herbst beginnt ja dein letztes Pflichtschuljahr ...
Schon, aber ich hab vor weiterzumachen und zu maturieren. Ich hab lauter Einser und drei Zweier im Zeugnis gehabt.

Aber trotz Schulstress spielst du mit 14 Jahren in der Superliga und im FedCup-Team. Das schaffen viele, die sich als Profis bezeichnen, im Laufe ihrer Karriere nicht ...
Ich konzentriere mich auf mich, nicht auf andere.

Okay, dann zu dir: Wie gut bist du?
Schwer zu sagen. Ich denke, dass ich momentan ganz gut spiele. Das ist auch das einzige was für mich zählt.

Wie steht's mit deinen Schlägen? Wie gut sind die?
Derzeit auch recht gut, würde ich sagen. Aber natürlich kann man noch alles verbessern.

Wie gehst du eigentlich mit Kritik um? Jetzt wo du mehr im Rampenlicht stehst, kommen ja auch immer mehr Ratschläge von allen Seiten. Vor allem deine Vorhand wird ja scharf kritisiert.
Kritik von inkompetenter Stelle perlt an mir ab. Wenn die Leute wissen, wie man es besser macht, dann sollen sie es bitte machen. Ich gehe meinen Weg, Step by Step.

Auch ein Thomas Muster hat ja deine Vorhand kritisiert ...
Seine Hinweise nehm' ich auch ernst. Er war die Nummer eins der Welt, er weiß worauf es ankommt.

Ob nun Schwäche oder nicht – du bist auch jetzt schon sehr weit. Würdest du sagen, dass du besser als Yvonne Meusburger oder Sybille Bammer bist?
Das kann ich überhaupt nicht sagen. Wir haben ziemlich unterschiedliche Spielanlagen, sind einfach zu verschieden. Ich weiß nur, dass das Training mit den beiden bei den letzten FedCup-Einsätzen super war.

Yvonnes Spielanlage ist vielleicht etwas defensiver als deine. Aber Sybille spielt doch recht ähnlich ...
Ich hab die Sybille zu wenig beobachtet, um das beurteilen zu können.

War Sybilles Abgang im Duell mit Frankreich auch diesmal ein Thema im Team?
Auf jeden Fall. Wir finden es alle schade, dass Sybille nicht dabei ist. Sie ist eine der besten Spielerinnen Österreichs, klar geht sie dem Team ab.

Aber ihr habt es auch ohne Sybille geschafft. Was ist das Geheimnis des ÖTV-Teams? Was macht Alfred Tesar richtig?
Der Alfred ist enorm wichtig für das Team. Er strahlt diese Ruhe aus, und er schafft es alle zu motivieren, auch im Training.

Hast du dir die Siege zugetraut?
Ich hab schon gewusst, dass ich gut drauf bin. Aber im Training am Freitag ist es ganz schlecht gelaufen. Daher waren wir am Samstag dann alle ziemlich überrascht.

Und am Sonntag? Du wusstest, wenn du die Partie gewinnst, haben wir gewonnen ...
Ich weiß, dass ich keine Gegnerin unterschätzen darf. Dafür sind alle, die oben mitspielen einfach zu gut. Ich hab dann konzentriert und gut gespielt – und gewonnen.

Und den Klassenerhalt in der Weltgruppe gesichert. Wer wären jetzt deine Lieblingsgegner 2006? Frankreich, USA und Russland wären wohl Auswärtslose, Spanien würde gelost.
Dann hoffe ich, dass wir daheim gegen Spanien spielen. Aber auch gegen die Amerikanerinnen, oder die Russinnen in Topbesetzung zu spielen, wäre toll. Da wir wohl gegen ein gesetztes Team spielen, gibt es aber nur Super-Lose, mit tollen Spielerinnen.

Apropos tolle Spielerinnen: Welche Jugendspielerinnen zählen für dich derzeit zu den Besten?
Michaella Krajicek, Shahar Peer, Viktoria Azarenka, Marina Erakovic, Agnieszka Radwanska fallen mir da ein.

Und bei den heimischen Nachwuchsspielerinnen – wer fällt dir da auf?
Die hab ich alle schon lang nicht mehr spielen gesehen. Dazu kann ich wirklich nichts sagen.

Gut, kommen wir also wieder zu dir. Wie geht's nach dem Urlaub weiter?
Das weiß ich noch nicht.

Keine Turnierplanung? Keine Trainingsplanung?
Doch die gibt es schon, aber es ist noch nichts definitiv.

Also weißt du auch noch nicht, ob du die US Open spielst. Letztes Jahr hat es dir in New York ja nicht so gut gefallen ...
Genau. Es war alles so unpersönlich. Schauen wir einmal.

Aber einige große Ziele hast du ja. Zählt da auch ein Sieg bei einem Junioren Grand Slam dazu?
Das ist sicher ein Ziel. Auch die Staatsmeisterschaften will ich einmal gewinnen. Aber wann und wo werden wir sehen.

Du gibst wenig Einblick in dein Training und deine Turnierplanung. Warum eigentlich diese Geheimniskrämerei?
Es ist meine Privatsache, wie ich dahin gekommen bin, wo ich stehe. Und es ist meine Sache, wie ich weiter mache um weiter zu kommen. Es geht niemanden etwas an. Und eines möchte ich an dieser Stelle noch loswerden.

Bitte ...
Ich bin am 6. Dezember 1990 im Spital in Dornbirn geboren. Über gefälschte Geburtsurkunden kann ich wirklich nur lachen.

Ist sicher nicht einfach, ständig mit solchen Gerüchten konfrontiert zu werden. Früher die Geschichte mit dem Nationenwechsel, jetzt diese Sache mit der Geburtsurkunde ...
Ich nehm's mir nicht zu Herzen, über die meisten Dinge kann ich nur lachen. Aber schauen wir einmal, was als nächstes kommt.

Interview: Peter Robic



Foto: Didi-Images


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