Werden die Favoriten ihrer Rolle gerecht?

Daniel Köllerer – Thomas Schiessling und Nicole Remis – Melanie Klaffner lauten die Finalpaarungen bei den Österreichischen Staatsmeisterschaften 2005.

Semifinaltag bei den Österreichischen Staatsmeisterschaften der allgemeinen Klasse, Freiluft. Das Wetter in Gmunden: 15 Grad, Regen. Turnierleiter Heinz Lampe entschied, dass die Semifinalspiele in der Halle ausgetragen werden sollten, da nicht wie zuvor geschrieben, das Regionalfernsehen, sondern der ORF sich für den Finaltag angekündigt hat. Trotz des Regens verirrten sich knapp 100 Tennisfans in die Halle des UTC Babolat Gmunden.

Zweiter Titel für Remis?
Im ersten Match des Tages gewann die topgesetzte Nicole Remis gegen die Nummer sechs Susi Six mit 6:1, 6:4. Vor allem im ersten Satz spielte Remis groß auf, "da ist mir alles gelungen", so die Staatsmeisterin von 2001. "Dann hab ich mich aber gefragt, wie ich so hoch führen kann im Semi, und hab wieder nicht meine Topleistung bringen können." Im zweiten Durchgang holte Remis bei 4:4 dann ein 0:40 auf, stellte auf 5:4. Dann hatte Six ein 0:40 gegen sich; die Oberösterreicherin wehrte alle Breakchancen ab, schlug dabei zwei Winner. Six hatte dann selbst Spielball. Drei Fehler in Folge brachten der Nummer eins aber dann den Sieg.

Klaffner gewinnt Jungstar-Duell
Remis' Gegnerin im Endspiel ist die erst 15-Jährige Melanie Klaffner. Die Team Oberösterreich-Superliga-Spielerin, die von ihrer Mutter und Hermann Fiala betreut wird, fertigte die Bolletieri-Schülerin Anna Bartenstein mit 6:2, 6:1 ab. Klaffner überzeugte einmal mehr mit Kampfkraft, konterte die zwei Jahre ältere Bartenstein regelmäßig aus und machte in der pfeilschnellen Halle kaum Eigenfehler. Die Oberösterreicherin ging mit der enorm offensiv ausgerichteten Steirerin jedes Tempo mit und brachte diese zur Verzweiflung. Anna haderte mit sich selbst, nahm immer mehr Risiko, Melanie blieb konzentriert und machte die Punkte. "Ich hab heute wieder sehr gut gespielt, mich gut bewegt", so Klaffner. "Winner oder Fehler", beschreibt das Spiel der Wahl-Amerikanerin ganz gut, die heute "einfach kein Timing hatte." Bartenstein führte dies nicht zuletzt auf den Teppichgranulat-Boden zurück, auf dem sie seit Jahren nicht mehr gespielt hatte.

"Du machst das jedes Mal!"
Bei den Herren spielte sich Titelfavorit Daniel Köllerer gegen die Nummer sechs Herbert Wiltschnig in knapp zwei Stunden mit 6:2, 7:5 ins Semi. Crazy Däni breakte auf 2:1 und auf 5:2 und servierte dann sicher aus. Dann wurde ein Linienrichter zur Unterstützung des Stuhlschiedsrichters eingesetzt. Köllerer diskutierte mit Stuhl- und Oberschiedsrichter und unterbrach die Partie für knapp fünf Minuten. Dann ging es schließlich weiter – mit Linienrichter. Inzwischen war das anfangs objektive Publikum auf der Seite von Wiltschnig und applaudierte lautstark bei Punktgewinnen des Kärntners. Bei 2:1 für Wiltschnig gab es ein Rückhand-Slice-Duell, bei dem der Ball über 20 Mal das Netz querte, und das Wiltschnig gewann. Bis zum 5:4 hielten aber beide Akteure ihre Servicegames, dann gab Köllerer eine 40:15-Führung aus der Hand und musste einen Satzball abwehren. Das gelang dem Welser, der auf 5:5 stellte. Im Aufschlagspiel von Wiltschnig dann vergab dieser dann eine 30:0-Führung. Köllerer hatte beim zweiten Aufschlag des Kärntners die Hand gehoben und damit die Wiederholung des zweiten Service provoziert. Wiltschnig beschwerte sich, "du machst das jedes Mal". Köllerer: "Beim Breakball muss ich mich speziell konzentrieren." Das Break folgte, Crazy Däni servierte dann zum 7:5 aus. Und Wiltschnig warf aus Frust dann noch einen Plastik-Stuhl auf den Platz.

Eitzinger ging über Schiesslings Vorhand
Fast im Gleichschritt lief das Duell zwischen der Nummer zwei Rainer Eitzinger und Thomas Schiessling ab. Der Titelverteidiger breakte ebenfalls auf 2:1 und auf 5:2, und servierte dann zum 6:2 aus. Eitzinger machte viele Fehler mit Vor- und Rückhand, und konnte gegen den mit Schmerzen spielenden Schiessling nur wenig ausrichten. "Ich hab ein Voltaren genommen um überhaupt spielen zu können", so Schiessi. Im zweiten hielten beide Akteure ihre Servicegames, Eitzinger reduzierte seine Fehlerquote, spielte aber überraschender Weise zumeist über die Vorhand des Linkshänders. Eine "Becker-Rolle" von Eitzinger, wegen der er eine Verletzungspause nehmen musste, ein Urschrei von Schiessling – den Daniel Köllerer scherzhaft kommentierte: "Nicht so laut, Schiessi!", viele spektakuläre Vorhand-open-cross-Punkte von Eitzinger und eine faire Geste der Nummer zwei (Eitzinger wiederholte einen gut gegebenen Aufschlag freiwillig) waren die Highlights des zweiten Satzes. Im Tiebreak ging Thomas mit 3:0 in Führung und hielt das Minibreak bis zum 6:4. Dann verkürzte Rainer auf 6:5 und servierte einen ersten Aufschlag mitten auf die Linie. Der wurde aber out gegeben, das zweite Service griff Schiessling an und provozierte den Vorhand-Fehler Eitzingers.

Walter/Six im Krimi zum Staatsmeistertitel
Die Doppel-Staatsmeister sind gekürt. Die amtierenden Österreichischen Hallen-Meister Max Raditschnigg und Patrick Schmölzer waren auch bei den Freiluftmeisterschaften nicht zu schlagen. Sicher kein Nachteil für das Duo, dass heute in der Gmundner Halle gespielt wurde, sie siegten sicher mit 6:4, 6:1 gegen die topgesetzten Christian Magg/Herbert Wiltschnig. "Die beiden haben einfach unglaublich returniert", meinte Christian Magg, der ja auch bei den Hallenmeisterschaften gegen die Staatsmeister verloren hatte. Bei den Damen wurde aus dem Finale zwischen den topgesetzten Paaren Nicole Remis/Jenny Zika (1) und Marion Walter/Susi Six (2) eine wahre Marathon-Partie. Six/Walter gewannen im Tiebreak des dritten Satzes mit 11:9, wehrten dabei einen Matchball ab und verwerteten ihren vierten.

Die tennisweb.at-Diashow zum Semifinaltag der Staatsmeisterschaften 2005

Aus Gmunden: Peter Robic


Die tennisweb.at-Raster der "Staats"
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