"Tiefer kann es nicht mehr gehen"

Daviscupper Alex Peya im tennisweb.at-Interview über seine katastrophale Saison, mangelndes Selbstvertrauen und seine Gedanken ans Karriere-Ende.

Ende letzten Jahres stand Alexander Peya vor dem Einstieg in die Top 100 der ATP Entry List, jetzt droht der Abschied aus den Top 200. Österreichs Nummer drei im tennisweb.at-Interview: Warum er nicht mehr tiefer fallen kann, wie er sich seine Matchbilanz von 2:13 Siegen erklärt, und wie es weiter geht.

Alex, im Vorjahr warst du knapp dran Safin zu schlagen, heuer läuft es gar nicht. Woran hapert es?
Ich hab ein gewaltiges Tief, tiefer kann es nicht mehr gehen.

Wie kommt das?
Ich spielÂ’ einfach schlecht, hab kein Selbstvertrauen. Man hat immer wieder Phasen, in denen es mal besser, mal schlechter geht. Aber so was hab ich noch nie erlebt. So, wie ich derzeit drauf bin, gewinnt man einfach keine Matches.

Nicht einmal gegen die Nummer 668 der Welt - Mario Radic, gegen den du beim Ljubljana-Challenger verloren hast?
Das war was anderes. Ich hatte seit Dienstag in Paris keinen Schläger mehr in der Hand gehabt, weil ich einen Pilz am Zeigefinger hatte. Am Mittwoch in der Woche drauf hab ich vor dem Match dann eine halbe Stunde geschlagen, das war natürlich zu wenig. Aber ich wollte unbedingt spielen.

Warum wolltest du unbedingt spielen – trotz Schmerzen und Trainingsrückstand?
Ich brauche die Matches, muss wieder zu meinem Spiel finden. Und das mit dem Pilz ist jetzt immer besser geworden, inzwischen bin ich schmerzfrei, kann voll trainieren.

Musst du jetzt anders trainieren, als vor deinem Tief?
Ich hatte letztes Jahr wesentlich mehr Matches, hab eher zur Überbrückung trainiert. Heuer arbeite ich mehr an meinen Schlägen, ich muss das Vertrauen in die Schläge wieder finden.

Und merkst du schon eine Besserung?
Nach meinem Amerika-Trip hab ich Mitte April anderthalb Wochen intensiv und gut trainiert, da hab ich mich viel besser gefühlt, meine Schläge waren auch besser. Doch dann am letzten Trainingstag in Wien hab ich mir den Oberschenkel gezerrt. Bei meinem nächsten Turnier in Ostrava konnte ich mich dann gar nicht bewegen, musste wieder pausieren. Dann kam der Pilz - wieder eine Pause.

Warum glaubst du, bist du in ein solches Loch gefallen?
Wegen meinem Bänderriss in Russland hat sich der Saisonanfang verzögert, Australien musste ich ja auslassen. Dann konnte ich nach der OP kein Krafttraining machen, weil ich eine entzündete Vene gehabt habe. Bei den ersten Turnieren lief es dann nicht, obwohl ich mir schon mehr erwartet hätte - und dadurch hat das Selbstvertrauen schnell abgebaut. Dann war ich in Besancon auch noch krank. Nach dem Daviscup und nach Amerika hatte ich eine leichte Oberschenkelzerrung, jetzt der Pilz. Wenn soviel schief geht, glaubst du irgendwann selbst nicht mehr, dass du eine Partie gewinnen kannst.

Wie rechtfertigst du die Saison vor dir selbst?
Ich brauch vor mir nichts rechtfertigen. Dass mir das Ende des letzten Jahres besser gefallen hat, ist klar. Glücklich bin ich nicht. Aber es hilft nix herumzuraunzen. Ich muss mir das Selbstvertrauen zurückerarbeiten. In dem Sport kann es schnell gehen - in die eine, wie auch in die andere Richtung. Natürlich haderst du mit dem Ganzen.

Wie und wo gehtÂ’s bei dir jetzt weiter?
Ich spiel’ nächste Woche beim Fürth-Challenger. Und dann Liga für den GAK. Danach ist die Wimbledon-Quali geplant, wie’s dann weiter geht weiß ich noch nicht.

In Wimbledon stehen dann für dich die Top 200 auf dem Spiel. Wie gehst du damit um?
Ich zerbrech’ mir nicht den Kopf darüber. Ich weiß, wie viele meiner Punkte ich heuer gemacht hab. Und ob ich die nächsten jetzt in zwei Wochen oder zwei Monaten verlier, ist egal.

Das klingt jetzt nicht sehr optimistisch. Was nimmst du dir für heuer noch vor?
Schadensbegrenzung. Ich mach mir keine Gedanken über das Ranking, sondern möchte in erster Linie wieder halbwegs in Form kommen und wieder Vertrauen in mein Spiel finden.

Was unterscheidet Alex Peya heute von Alex Peya 2004?
Vieles. Die Schläge werden mit Selbstvertrauen einfach besser, und ohne eben schlechter. Da kommen die knappen Bälle dann einfach nicht. Außerdem fühl’ ich mich momentan am Platz nicht wohl, weiß in verschiedenen Spielsituationen nicht was ich machen soll.

Ein Beispiel?
Bis 2:2 ist die Partie ausgeglichen, dann kassier ich das Break und fallÂ’ in ein Loch. Ich verzweifle an jedem Fehler, kann mich nicht wieder aufbauen.

Und arbeitest du mit einem Mentaltrainer daran?
Ja, ich habe schon seit letztem Jahr einen Mentaltrainer. Er hilft mir mich da selbst rauszuholen.

Warum machst du nicht eine Turnierpause und bereitest dich intensiv auf Wimbledon vor?
Ich will Turniere spielen, ich möcht' endlich wieder ein Match gewinnen. Während der Liga kann ich dann gut trainieren und mich auf Wimbledon vorbereiten.

Hast du eigentlich schon ans Aufhören gedacht?
Der Gedanke ging mir schon öfters durch den Kopf. Aber ich bin noch jung, außerdem war meine letzte Saison einfach zu gut. Und auch in den Jahren davor war ich immer in den Top 200 - ich kann’s ja nicht auf einmal so verlernt haben. Das Wichtigste ist, dass ich weiter an mir arbeite.

Interview: Peter Robic




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