"Ich weiß, dass ich’s noch kann"
Julian Knowle spricht im tennisweb.at-Interview über seine Prioritäten, seine neue Doppel-Partnerschaft mit Jürgen Melzer und warum er sein Einzel-Ranking nicht einmal kennt.

Du hast in der Bilanz 2004 auf tennisweb.at gesagt, dass du dich, wenn du deine Platzierung im Einzel nicht mehr halten kannst, nur mehr auf das Doppel konzentrierst. Wird diese Spezialisierung bald erfolgen?
Wenn man meine Turnierplanung verfolgt hat, sieht man, dass auch seitdem schon meine Priorität eindeutig im Doppel liegt. Ich habe speziell am Anfang des Jahres versucht, in Hinblick auf mein Doppel-Ranking nur die großen Turniere zu spielen. Damit wollte ich gleich von Anfang an viele Punkte sammeln, damit mein Doppelranking am Jahresende bei etwa 40-50 liegt. Gerade mit Petr Pala hat es am Jahresanfang dann aber nicht geklappt.
Was waren die Gründe dafür?
Ein Hauptgrund war, dass wir oft ziemlich schlechte Auslosungen gehabt haben, aber es gab auch verschiedene andere Ursachen.
Und im Einzel hatÂ’s dann auch nicht so gut geklapptÂ…
Ja, genau. Ich hab zwar die Qualis gespielt, soweit es möglich war, da ist es aber auch nicht so gut gelaufen. Das Ranking ist deswegen auch unter ferner liefen, ich weiß gar nicht, wo ich im Moment genau stehe. Trotzdem glaube ich, dass ich im Einzel noch locker ein Niveau von 150 bis 200 bringen kann, das reicht mir aber nicht. Deswegen liegt die Priorität wie gesagt im Doppel – da weiß ich, dass ich's noch kann und dass ich noch einige Jahre erfolgreich sein kann.
Du spielst jetzt bis Wimbledon mit Jürgen Melzer gemeinsam Doppel. Wie ist es dazu gekommen?
Diese Entscheidung war für mich nicht einfach. Ich hatte am Anfang auch Zweifel, weil ich natürlich weiß, dass der Jürgen sein Hauptaugenmerk auf dem Einzel hat, das ist auch vollkommen verständlich. Speziell bei den Grand Slams kann aber genau das zum Problem werden, vor allem, wenn ein Match über fünf Sätze geht. Aber ich habe gewusst, dass Jürgen voll dahinter steht, wenn er etwas zusagt. Und deswegen mach' ich es gerne, auch im Hinblick auf den Davis Cup.
Wie schätzt du eure Chancen ein? In St. Pölten ward ihr im Semi, jetzt ein Grand Slam-Viertel. Was sind eure Ziele?
Ich kenne Jürgen schon sehr lange und weiß, dass wir sehr gut miteinander spielen, das haben wir auch unter anderem im Davis Cup schon bewiesen. Und ich weiß: Wenn wir beide unsere Leistung bringen, können wir alle Teams, auch die allerbesten, fordern und schlagen.
In Paris seit ihr im Viertelfinale, dein zweitbestes Resultat nach dem Wimbledon-Finale im Vorjahr. Ist das heuer auch drinnen?
Wie gesagt, ich traue uns zu, auch die Top-Teams zu schlagen.
Wie stark würdest du Jürgen im Doppel einschätzen, auch im Vergleich mit beispielsweise Nenad?
Jürgen ist nicht der klassische Doppelspieler, er hat auch nicht die Erfahrung im Doppel, weil er noch nicht so oft gespielt hat. Aber ich kenne seine Stärken, weiß, dass er sehr gut spielen kann. Zimonjic ist natürlich wesentlich routinierter im Doppel, aber Jürgen ist sicher der deutlich bessere Tennisspieler als Nenad. Er hat viel stärkere Schläge. Und ich bin auch sicher, dass ich ihm mit meiner Erfahrung helfen kann, wenn's mal nicht so klappt.
Wie weit geht jetzt wirklich eure Planung? Bisher ist bekannt, dass ihr nach St. Pölten die French Open, Halle und Wimbledon miteinander bestreitet.
Zuerst schauen wir mal, wie es läuft. Vorläufig haben wir vereinbart, dass wir bis Wimbledon gemeinsam spielen. Aber natürlich ist es nicht die optimale Basis, wenn man sagt, nachher ist es wieder vorbei. Ich möchte natürlich grundsätzlich auch länger mit Jürgen spielen, ausgemacht ist es im Moment allerdings nur bis dorthin.
Du hast ja gemeinsam mit Mario Ancic vor einigen Wochen in München den Titel geholt. Warum ging's nicht mit ihm weiter?
Mario spielt nur ab und zu Doppel, für die großen Turniere hat er sich's mit Ivan Ljubicic ausgemacht. Und ich spiele ja jetzt mit Jürgen und versuche damit, den österreichischen Weg zu gehen.
Noch einmal zu Zimonjic: Er hat jetzt mit Leander Paes einen der ganz Großen zum Partner. Wie war es für dich beim ersten Aufeinandertreffen mit ihm? Empfindet man so etwas wie Neid, wenn der Ex-Partner nun mit einem wie Leander Paes zusammen spielt?
Ich konzentriere mich auf mich selbst, nicht auf andere. Neid spielt da überhaupt keine Rolle. Nenad ist ein guter Spieler, genauso wie Paes, die Beiden sind ein sehr gutes Doppel.
Wie sieht es bei dir derzeit mit dem Training aus: Bei wem trainierst du jetzt, speziell da Gilbert Schaller nun Sportdirektor ist?
In letzter Zeit war ich sehr viel unterwegs und deswegen ohnehin nicht viel in Wien. Wenn ich da bin, fahr ich einfach in die Südstadt und schaue, wer dort zur Verfügung steht. Derzeit bin ich jedenfalls ohne Coach, aber ich mache mir sicher den einen oder anderen Gedanken, wie es in die Richtung weitergeht.
Wäre eine Zusammenarbeit mit Karl-Heinz Wetter eine Möglichkeit, wenn du nun mit Jürgen gemeinsam Doppel spielst?
In diese Richtung hab ich noch nicht gedacht, es hat auch noch keinerlei Gespräche gegeben. Ich weiß ebenso, dass Karl-Heinz auch Alexander Popp trainiert und nicht mehr als zwei Spieler nehmen will.
Aber theoretisch wäre es vorstellbar für dich?
Ich habe wirklich noch nicht wirklich daran gedacht. Vielleicht ist es irgendwann in Zukunft möglich.
Interview: Andi Pernsteiner
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