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"Trainer gewinnen normalerweise keine Preise"
April-Sieger Jürgen Waber im Interview: über sein Erfolgsgeheimnis, was ihm der Preis bedeutet und die Pläne seiner Schützlinge.

Gratuliere zum Monatssieg beim tele.ring Tennis Award presented by tennisweb.at. Hast du die Wahl verfolgt?
Ich wusste von meiner Nominierung. Aber dass ich dann wirklich gewinne, hat mich ausgesprochen überrascht. Dass ich als Trainer einen solchen Preis gewinne, hätte ich nicht erwartet.
Erstmals ging der Award nicht an einen Spieler. Du hast Österreichs Nummer eins der Herren und Damen ausgestochen. Hättest du im Entferntesten damit gerechnet?
Für mich war es schon eine Ehre, überhaupt nominiert zu werden. Ich hätte selbst auf Jürgen oder Yvonne getippt. Trainer gewinnen normalerweise keine Preise.
Wie wichtig ist dieser Preis für dich?
Der Preis motiviert mich, meine Arbeit weiterhin gut zu machen. In Wahrheit gebührt er meinen Spielern, die Woche für Woche ihre Leistungen bringen müssen.
Warum glaubst du, hast du Yvonne und alle anderen im Voting abgehängt?
Für mich wurde hier nicht die herausragende Leistung im April prämiert, sondern die gute Arbeit der letzten Jahre. Ich denke, das haben auch die Jury-Mitglieder so gesehen. Umso wichtiger ist der Preis für mich.
Ausgezeichnet wurdest du für deine Arbeit mit Daniel Köllerer, Zbynek Mlynarik und Marco Mirnegg. Sie alle zeigten im April starke Leistungen. Wo liegen deine Stärken als Coach?
Eine Stärke ist sicher, dass ich Tennis so lebe wie meine Spieler. Ich geb' mein Bestes und erwarte das von meinen Spielern im gleichen Maß.
Das ist dein Erfolgsgeheimnis?
Man darf nicht vergessen: Wir haben im Leistungszentrum Oberösterreich gute Vorraussetzungen, ein engagiertes Team und eine Trainingsgruppe, die sehr stark ist. Die Spieler schaukeln sich gegenseitig hoch. Lukasz Kubot oder Thomas Holzmann trainieren ja auch mit mir.
Deine Spieler haben ganz unterschiedliche Spielanlagen. Wie bringst du die unter einen Hut?
Die unterschiedlichen Spielanlagen sind eher von Nutzen, denn sie ermöglichen eine große Variation im täglichen Training. So gibt’s den taktisch-matchspezifischen Teil, wo die Spieler gegeneinander oder miteinander trainieren, und den individuellen, wo ich mit jedem vor allem an seinen Stärken arbeite.
Gehen wir doch bitte kurz auf deine Spieler ein. Was macht Marco gerade? Warum spielt er kein Turnier?
Marco war vor vier Wochen erstmals in diesem Jahr schmerzfrei. Er hat in Italien eine tolle Future-Serie hingelegt und war zuletzt einfach überspielt. Er hofft jetzt auf eine Wildcard in St. Pölten. Sollte er die nicht bekommen, wird er beim Challenger in Budapest spielen.
Und Daniel?
Daniel hatte heuer einen schwierigen Start. Probleme mit den Bandscheiben und später eine schmerzhafte Kieferoperation haben viel Substanz gekostet. Jetzt ist er aber wieder in guter Verfassung und wird in der nächsten Woche St. Pölten mit einer Wildcard spielen.
Wie geht es Zbynek? Er ist ja nun schon lange in den USA.
Erstens liegt Spin das schnelle, schnörkellose Spiel der Amis, es wird weniger Topspin gespielt, die Ballwechsel werden kürzer gehalten. Außerdem versuchen wir den Großteil des Jahres auf schnelleren Belägen zu spielen, und das kann man in den USA eigentlich das ganze Jahr. Zur Zeit spielt er allerdings beim Sandplatzchallenger in Forest Hills, bereitet sich dort auf die Sandplatzsaison vor und wird dann zu den French Open herüber kommen. Wir hoffen, dass er in die Quali kommt.
Jetzt haben wir viel über deine Spieler gehört. Zurück zu dir - wie und warum bist du eigentlich Trainer geworden? Kannst du uns deinen Werdegang etwas erläutern?
Vor etwa zehn Jahren hab ich neben meinem Studium selbst auf nationaler Ebene gespielt, ich denke auf ganz ansprechendem Niveau. Zu dieser Zeit spielte ich beim Tennispoint Pasching, mit dem ich auch Mannschaftsmeister wurde. Dort entstand ein professionelles Leistungsmodell, in dem ich als Trainer meine ersten Erfahrungen sammeln konnte und auch mit Zbynek Mlynarik und Marco Mirnegg zu arbeiten begann. Diese Zeit hat mich sehr inspiriert, und ich konnte viel von namhaften Coaches oder ehemaligen Weltklassespielern lernen.
Von wem zum Beispiel?
Von Nick Carr, Günter Bresnik, Miloslav Mecir oder Joakim Nyström habe ich viel profitiert. In weiterer Folge versuchte ich in anderen Ländern, von anderen Verbänden zu lernen und neue Erfahrungen zu sammeln. Jetzt gehe ich meinen eigenen Weg als Coach.
Interview: Peter Robic
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