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"Tamira wird nicht verheizt"
FedCup-Kapitän Alfred Tesar im tennisweb.at-Interview: Was er Paszek zutraut, warum er Bammer für unprofessionell hält und warum der Eklat nicht nur schlecht ist.

Herr Tesar, Sie haben die 14-jährige Tamira Paszek gegen die Nummer drei der Welt Amelie Mauresmo nominiert und ihr den Vorzug gegenüber Österreichs Nummer zwei Sybille Bammer gegeben. Warum?
Ich wollte, dass Tamira am Wochenende auf jeden Fall zum Einsatz kommt. Geplant war, dass Sybille am ersten Tag gegen Mauresmo spielt und Tamira am zweiten Tag gegen Dechy.
Und warum haben Sie es sich anders überlegt?
Ich habe gestern Abend darüber nachgedacht: Meine Überlegung war, dass Sybille das unrhythmische Spiel von Mauresmo nicht liegen wird. Ich hatte noch die Partie gegen Husarova in St. Pölten im Hinterkopf. Ich wollte auch nicht, dass es nach einer Niederlage von Bammer so aussieht, als ob sie wegen einer schlechten Leistung ausgetauscht worden wäre – das hätte sie nicht verdient. Und Tamira hätte ja am zweiten Tag gespielt.
Warum war Sybille nicht für beide Einzel eingeplant?
Ich habe im Training einen starken Eindruck von Tamira bekommen. Sie hat beide Burschen geschlagen, Wolfram Klingspiegel und auch Staatsliga-Spieler Christoph Lessiak. Sie war mental immer enorm stark. Ich wollte sie einfach im Einzel sehen, das war auch schon lange abgesprochen. Und gegen Mauresmo hat sie nichts zu verlieren.
Aber dass Yvonne beide Einzel spielt, war fix?
Yvonne ist die Nummer eins, sie hatte zuletzt auch die besseren Ergebnisse.
Ist Yvonne besser als Sybille?
Ihre Spielanlage ist die beständigere.
Und wie gut ist Tamira? Besser als Sybille?
Ich habe drei Einzelspielerinnen auf etwa gleichem Niveau. Ob Tamira Sybille oder Yvonne jetzt schon schlagen kann, weiß ich nicht. Ich weiß aber, dass sie mental schon sehr weit ist.
Was heißt das genau?
Von Tamira gibt es keine negativen Gesten wie Schlägerschmeißen. Wenn es einmal nicht läuft, probiert sie es dennoch weiter, arbeitet und kämpft, versucht es einfach. Das ist die Einstellung eines Profis, die macht dann den Unterschied aus.
Trotzdem: Tamira ist erst 14 Jahre alt. Besteht nicht die Gefahr, dass sie verheizt wird?
Nein, definitiv nicht. Sie brennt auf ihren Einsatz. Und sie ist selbstbewusst genug, auch gegen die Nummer drei der Welt auf den Platz zu gehen und ihr bestes Tennis zu zeigen.
Und wenn das nicht reicht, wenn Mauresmo sie überfährt?
Das wird nicht der Fall sein. Tamira geht hohes Tempo, spielt flach, schnell. Sie ist so weit gefestigt, dass sie sich gut verkaufen wird.
Wie geht die Partie gegen Mauresmo aus?
Tamira wird sicher anschreiben.
Und wenn es nun eine bittere Niederlage wird?
Das macht nix, dann spielt sie am Sonntag trotzdem. Jetzt habe ich keine Alternative.
Haben wir eine Chance, das FedCup-Duell zu gewinnen?
Nein, wahrscheinlich nicht. Jeder Satzgewinn wäre eine Sensation. Jeder Punkt, den wir holen, eine Riesensensation.
Wäre das mit Sybille anders gewesen?
Nein, wohl eher nicht.
Wie auch immer, Sybille ist ja nach ihrer Nichtnominierung abgereist. Sie meinte in einer Aussendung, "sie habe das nicht nötig". Wie sehen sie den Abgang?
Sybille ist abgereist, ohne sich zu verabschieden. Das Verhalten ist natürlich unprofessionell, aber ich werfe es ihr nicht vor.
Wirklich nicht?
Schade ist, dass jetzt ein Schatten auf der Mannschaft liegt. Sybille ist sehr introvertiert, sagt nicht, was sie sich denkt. Ich wollte ja mit ihr diskutieren, mir ihre Argumente gegen meinen Vorschlag anhören – aber es kam nichts. Sie war auch schon etwas enttäuscht, als ich gegen die USA Babsi Schwartz aufgestellt habe, obwohl sie die Nummer zwei war. Aber meine Entscheidung fiel damals zugunsten von Schwartz. Praktisch immer, wenn sie gespielt hat, haben wir unsere FedCup-Partien auch gewonnen.
Bammer war sicherlich gekränkt. Glauben Sie, dass sie aus diesem Rückschlag vielleicht sogar Motivation schöpfen kann?
Vielleicht. Oft ist so etwas die beste Motivation, und ich wünsche ihr auch, dass es bergauf geht.
Aber FedCup will sie nicht mehr spielen Â…
Das darf man jetzt nicht zu ernst nehmen. Wir müssen miteinander reden, in aller Ruhe.
Meinen Sie, dass der Eklat um den FedCup auch etwas Positives hat? Immerhin werden jetzt mehr Leute darauf aufmerksam Â…
Das Interesse wäre auch allein mit der Aufstellung von Tamira geweckt gewesen. Sybilles Abgang hat der Mannschaft sicher nicht gut getan.
Interview:Peter Robic
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