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"Jemandem wie der Babsi muss man einfach helfen"
Der neue Coach von Babsi Schwartz Michael "Elch" Oberleitner im tennisweb.at-Interview.

Wie hat sich die Zusammenarbeit mit Babsi ergeben?
Vor zwei oder drei Monaten hat sie mich angerufen und gefragt, ob ich mit ihr trainieren möchte.
Einfach so?
Wir kennen uns schon sehr lange. Schon seit sie als Jugendliche in der Südstadt trainiert hat.
Seit wann ist fix, dass ihr gemeinsam trainiert?
Seit etwa fünf Wochen. Vor drei Wochen haben wir mit dem Training begonnen.
Wie geht's der Babsi? Kann sie schon wieder voll spielen?
Nein. Derzeit stehen Physiotherapie und Konditionsaufbau im Vordergrund. Tennis spielt nur die zweite Geige.
Was heißt das konkret?
Wir spielen vielleicht zwei bis drei Einheiten in der Woche, je eineinhalb bis zwei Stunden. Das Tennistraining richtet sich total nach der Therapie – es kann auch sein, dass wir ein Tennistraining entfallen lassen, wenn die Babs eine harte Krafteinheit für ihr Bein hinter sich hat.
Was macht ihr genau am Court?
Sie hat jetzt sieben Monate keinen Schläger in der Hand gehabt. Wir schauen uns die Schläge an, machen erste Laufübungen. Und wir arbeiten am Service. Es ist ein lockerer Einstieg.
Und wie läuft's?
Besser als erwartet. Sie hat insgesamt vielleicht 15 bis 20 Tenniseinheiten hinter sich – dafür spielt sie sehr gut. Sie traut sich auch schon den Fuß zu belasten, es geht voran.
Weißt du, warum Barbara nicht mehr mit Manfred Hundstorfer zusammenarbeitet?
Sie wird sicher ihre Gründe haben. Und momentan taugt's ihr bei mir. Das ist das Wichtigste.
Kann man schon absehen, wann sie wieder wie gewohnt trainieren kann?
Das macht noch keinen Sinn. Diesmal soll die Verletzung ganz auskuriert werden. Das war in der Vergangenheit oft das Problem bei ihr: Sie hat zu früh begonnen.
Das passiert diesmal nicht Â…
Diesmal koordinieren wir das Training. Ich bin in Kontakt mit dem Physiotherapeuten Freddy Siemes und dem Konditionstrainer Gregor Bialowas. Momentan hab ich von uns dreien den einfachsten Job, denn tennismäßig hat sie die geringsten Probleme.
Euer Ziel?
Babs soll eine ganze Saison verletzungsfrei durchspielen können. 2005 soll sie zurück finden, vielleicht zehn bis 15 Turniere spielen, sich wieder herantasten. Und vor allem das Vertrauen in ihren Körper und in ihr Tennis wiederfinden.
Wirst du sie zu den Turnieren begleiten?
Voraussichtlich nicht. Mein Leistungszentrum lässt mir dafür zu wenig Zeit. Ich habe laufende Verträge mit Spielern, ich kann da nicht einfach weggehen. Das hab ich ihr aber auch gesagt.
Also ist ein Ende eurer Zusammenarbeit absehbar?
Wenn sie wieder voll in die Turniere einsteigt, braucht eine Top-Athletin wie die Babs einen Fulltime-Coach. Ich hab ihr auch schon angeboten, gemeinsam jemanden zu finden. Aber sie wollte die ersten Schritte mit mir machen. Ich kenne mich auch zuwenig auf der Damen-Tour aus, da wird sie einen Insider brauchen.
Stichwort: Top-Athletin. Die Babsi ist der erste "Star", mit dem du arbeitest, oder?
Bei Günter Bresnik im Leistungszentrum bin ich mit Stefan Koubek zu seinen ersten Turnieren gefahren. Aber mir geht es nicht darum, dass ich mit ihr Werbung für mein Leistungszentrum machen kann.
Sondern?
Jemandem wie ihr muss man einfach helfen.
Was meinst du genau?
Jemand, der so sehr will, der sich schon so oft durchgebissen hat – so jemanden kann man nicht hängen lassen. Neuneinhalb von zehn hätten schon längst aufgegeben, wenn sie so viel Pech wie die Babs gehabt hätten.
Was ist der Unterschied im Training mit einem erfahrenen Profi wie der Babsi und deinen Jugendlichen?
In erster Linie der Einsatz, die Einstellung. Sie ist ein Profi, weiß was sie will, kostet jede Minute des Trainings voll aus. Außerdem explodiert sie vor Energie, ist mit so viel Begeisterung am Platz am Werk – das würd' ich gern bei jedem meiner Spieler sehen.
Hast du nicht einmal gesagt, dass du nicht so gerne mit Damen trainierst?
Es gibt Unterschiede im Trainingsaufbau für Damen und Herren. Mit einem Profi wie Babs zu arbeiten, ist aber etwas anderes als mit einer Nachwuchsspielerin. Außerdem spielt sie nicht das typische Damentennis. Sie ist Linkshänderin, spielt die Rückhand einhändig und setzt auch gerne den Slice ein, kann vollieren. Sie hat die Anlagen, um den Power-Hittern wie einer Sharapova, einer Williams oder einer Mauresmo weh zu tun.
Was traust du Babsi noch zu?
Dass sie Top 50-Niveau hat, hat sie oft genug bewiesen. Vor allem war sie dort schon mal. Ich glaube, dass sie es auf alle Fälle wieder dorthin schaffen kann, wenn sie von gröberen Verletzungen verschont bleibt.
Und wenn nicht? Wenn wieder eine Verletzung dazwischen kommt – denkst du, sie hört dann auf?
Das hätten sich die meisten auch schon vor der letzten Verletzung gedacht, oder? Jemandem, der sich schon so oft zurück gekämpft hat, kann man auch noch das ein oder andere Mal zutrauen.
Interview: Peter Robic
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