"Ich hab katastrophal gespielt"

Tamira Paszek nach ihrem Semifinaleinzug beim Athen-Future im tennisweb.at-Interview.

Müdigkeit nannte Tamira Paszek als Grund für die Semifinalniederlage beim 10.000 Dollar-Future von Athen. Deshalb verzichtete die Vorarlbergerin auch auf einen Start beim Turnier von Patras, das in dieser Woche in Griechenland stattfindet. Hätte Tamira das Finale in Athen erreicht, wäre sie auch beim Turnier von Patras mit einem "Special Exempt" im Hauptbewerb gestanden. So aber hätte die 14-Jährige ohne Regeneration und ohne Zeit für die Umstellung von Sand auf Hardcourt beim zweiten Turnier antreten müssen.

Semifinale im ersten internationalen Profiturnier – das hat kaum eine aktuelle Top Ten-Spielerin geschafft. Wie lang hast du dich speziell auf dein erstes Damenturnier vorbereitet?
Ich hab lange nicht einmal gewusst, ob ich ohne Ranking in Athen überhaupt in die Quali komm'. Mein Papa und ich sind erst am Freitag hingeflogen, am Samstag hab ich zum ersten Mal trainiert und am Sonntag war dann schon das erste Match.

Und wie warÂ’s?
Das erste Match war brutal schlecht. Ich hab eine ganz miserable Partie gespielt, sehr viele Fehler gemacht.

Vielleicht weil es dann doch etwas anderes ist, ob man bei einem Profiturnier oder bei einem Jugendturnier spielt?
Vielleicht, ja.

Wie erlebt man den Unterschied?
Die Atmosphäre ist anders, die Spieler sind freundlicher, offener, nicht so distanziert. In der Umkleidekabine zum Beispiel: Ich bin rein gekommen, hab keine gekannt, und trotzdem haben wir uns gleich unterhalten.

Man hört, dass es bei Futures oft drunter und drüber geht. Heruntergekommene Anlagen, miese Plätze …
Die Plätze waren nicht optimal, aber am Saisonbeginn auf Sand ist das normal. Das Turnier selbst war super, da gibt's viel schlechter organisierte ITF-Turniere, ich denke da nur an Nürnberg oder Luxemburg.

Mit welcher Einstellung bist du eigentlich nach Athen gefahren? Was hattest du dir für dein erstes Damenturnier vorgenommen?
Ich bin hingegangen und wollte einfach gut spielen, einfach mein Bestes geben.

Tamira, das sagst du bei jedem Turnier ...
Weil es immer so ist.

Wenn man sich die Ergebnisse ansieht, scheint dir das gelungen zu sein.
Nein.

Nein?
Wenn ich ehrlich bin, hab ich katastrophal gespielt. Ich hab im ganzen Turnier so viele Fehler gemacht. Erst im Semifinale war es besser.

Gegen die 17-jährige Madalina Gojnea hast du trotzdem verloren – nach 6:4, 3:1-Führung.
Sogar 4:1, um genau zu sein.

Gojnea hat alle anderen Gegnerinnen in der Woche vom Platz geschossen, hat auch das Finale mit 6:1, 6:3 gewonnen. So gesehen warst du wahrscheinlich nur zwei Games vom Turniersieg entfernt.
Im Nachhinein muss ich sagen, es war mehr drinnen. Ich war aber im Semifinale schon müde. Gojnea hatte ja davor drei leichte Partien, ich fünf, und die waren nicht alle leicht.

Eher enttäuscht oder eher happy?
Ehrlich gesagt, hab ich mir vor dem Turnier nicht gedacht, dass es so gut gehen wird. Auch wenn ich schon Spielerinnen auf diesem und vielleicht noch höherem Niveau geschlagen habe, muss man das bei einem Damenturnier auch erst schaffen.

Wie fühlt man sich eigentlich, wenn man sein erstes Profi-Preisgeld entgegen nimmt?
Das ist unspektakulär. Du gehst nach dem Match zum Turnierbüro und holst es ab.

Du warst die beste Österreicherin in Athen. Wie gut kennst du eigentlich die anderen ÖTV-Mädchen, die schon auf der Damentour spielen?
Veronika Sepp, Franziska Klotz, Sandra Liebl und Marlena Metzinger kenn' ich von den Jugendturnieren daheim. Verena Amesbauer und Birgit Ritschka hab ich zum ersten Mal getroffen.

Und wie haben sie dich bei deinem ersten Damenturnier empfangen?
Super. Die Stimmung war echt gut, wir haben uns gegenseitig bei unseren Matches zugesehen und unterstützt. Mit Amesbauer, Klotz und Ritschka hab ich auch einmal trainiert.

Also kein Neid auf deine FedCup-Einberufung? Immerhin hattest du ja davor noch kein einziges Damenturnier gespielt und schon jetzt alle dort Anwesenden überflügelt.
Nein, wär' mir nicht aufgefallen. Alle waren total nett und waren auch bei den Matches dabei. Bis zum Viertelfinale halt, dann sind sie zum nächsten Turnier gefahren.

Wie siehst du die FedCup-Einberufung?
Eine super Sache für mich. Die Trainingswoche in Pörtschach ist fix eingeplant, ich freu mich schon riesig drauf.

Was steht jetzt vor Pörtschach noch auf deinem Programm?
Von Mittwoch bis Freitag gehÂ’ ich in die Schule, am Samstag fahre ich nach Frankreich zu einem ITF-Turnier an der Riviera. Danach wieder eine Woche Schule und dann ist schon die FedCup-Woche.

Und danach? Lust gekriegt, so richtig bei den Profis einzusteigen?
Ich spiel' jedes Turnier gerne. Ich will meinen Weg gehen. Step by Step.

Ich frag' trotzdem noch nach: Hat Athen deine Perspektiven verändert? Du sprichst nicht gern über Ziele, das wissen wir, aber kann man nach diesem tollen Debüt nicht vielleicht ein bisschen in die Zukunft blicken?
Meine Ziele sind die Juniorenbewerbe bei den French Open und in Wimbledon. Und ein paar Damenturniere werden's heuer auch noch werden.

Sechs Damenturniere dürftest du heuer ja noch spielen ...
Momentan kann ich noch nicht sagen, wie viele ich spielen werde.

Interview: Peter Robic




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