Porträt David Simon: Mit Couriers Coach zum Erfolg

tennisweb.at über den ITF-Turniersieger David Simon: Vom Training beim "Elch" und in der Südstadt. Und warum erst Couriers Ex-Coach Saviano ihn zum Profi machen kann.

Am Wochenende feierte David Simon seinen ersten ITF-Turniersieg. Der 16-Jährige gewann das Kategorie 3-Turnier von San Jose in Costa Rica im Einzel, schlug auf dem Weg zum Sieg unter anderem den topgesetzten Serben Branko Kuzmanovic (ITF 134) in drei Sätzen. Im Doppel scheiterte er an der Seite des US-Amerikaners Edward Ted Kelly im Finale an der Nummer-eins-Paarung in drei Sätzen. 90 ITF-Punkte hat Simon damit in Costa Rica geholt.

Der "Elch" zeigte David wie man's macht.
Mit dem Ex-Daviscupper ging's nach oben
Beim TC Union Mödling unternahm David Simon erste Tennis-Gehversuche. Unter Coach Wolfgang Buberl, der später auch sein Stiefvater wurde, erspielte sich David die Kreismeistertitel U12 bis U16, jeweils als Jahrgangsjüngerer. Als Nummer eins der ÖTV-U14-Rangliste, kam er im Frühjahr 2003 ins Leistungszentrum von Michael "Elch" Oberleitner, wo er groß wurde – sowohl körperlich (David ist etwa 1,90 Meter), als auch spielerisch. Unter der Obhut des Ex-Daviscuppers etablierte er sich in den folgenden eineinhalb Jahren in der nationalen Jugendspitze; etliche Einsätze für Österreich bei Team- und Einzelbewerben der ETA folgten. Das Highlight der Zusammenarbeit mit Oberleitner setzte Simon mit dem Österreichischen U16-Meistertitel 2004.

Erhoffter Erfolg in der Südstadt blieb aus
Als logische Konsequenz folgte für David Simon die Einberufung in die Südstadt. Unter Gilbert Schaller sollte er ab September 2004 in der neu installierten Jugendtruppe mit Nico Reissig, Alex Scheiring und Yannick Weihs arbeiten. "Da wir in die Nähe der Südstadt wohnen, war es für David eine optimale Möglichkeit, Schulbesuch und Training zu verbinden", so der Stiefvater des Niederösterreichers. Doch statt der erhofften weiteren Erfolge, folgte für David eine Zeit der Enttäuschungen. "Die Chemie hat einfach nicht gestimmt", so David.

Alternativen gesucht ...
Zunächst suchten David und sein Stiefvater Alternativen in der Südstadt: Eine wäre gemeinsames Training mit Andi Haider-Maurer und Christoph Hödl unter Thomas Strengberger gewesen. Doch man scheiterte an der "Unflexibilität des ÖTV", wie Buberl meinte. "Die Strukturen waren zu starr, Stan Franker hat das Training mit Thomas Strengberger ausgeschlossen." Eine Rückkehr ins Leistungszentrum Oberleitner machte wegen der langen Anfahrt für den 17-Jährigen nun aber wenig Sinn. "Das Training beim Elch hat David immer getaugt, aber er wäre täglich zwei Stunden im Bus gesessen – die Zeit hätte dann für's Training oder die Schule gefehlt", so Buberl.

... und gefunden
Im Dezember 2004 tat sich dann eine neue Möglichkeit auf: Bei der Orange Bowl knüpfte man mit Unterstützung von Günter Bresnik erste Kontakte zu Nick Saviano in Florida. Im neugeschaffenen Trainingszentrum des Ex-Coachs von Jim Courier fand David Simon dann ab Februar in Fort Lauderdale ein neues Zuhause. Ausschlaggebend für den Umzug nach Übersee war für den Niederösterreicher die erste Analyse von Saviano: "So etwas habe ich bis dato noch nie erlebt. Nachdem Nick mir nur 15 Minuten beim Training zugesehen hat, hat er alle meine Schwächen gefunden. Wenn dieser Mann meinen Gegner coacht, wär's schwer für mich", so der 17-Jährige.

Mehr Training für den Serve&Volley-Spieler
Das Training in Florida ist laut Buberl wesentlich intensiver und auch besser auf die Bedürfnisse des Serve&Volley-Spieler Simon abgestimmt: "Schilli war ein Spitzenspieler und ist ein guter Trainier, aber seine Spielphilosophie ist nun mal komplett anders als die von David. Die individuelle Betreuung kam in der Südstadt einfach zu kurz. In Florida läuft das anders – Saviano erstellt Trainings- und Konditionsprogramme für jeden Spieler individuell, auf Stärken und Schwächen des Einzelnen abgestimmt, und überwacht die Ausführung." Und auch die Platzkapazitäten sind für Simons Stiefvater ein großes Problem des ÖTV-Leistungszentrums: "Es stehen zuwenig Plätze zur Verfügung. Speziell nachmittags spielen vier Spieler auf einem Platz, bei Saviano sind es maximal zwei Spieler pro Platz und Coach." So kommt Simon in Florida auf sieben Stunden tägliches Training, etwa doppelt soviel wie in der Südstadt möglich gewesen war.

Rückkehr oder Profikarriere
Zunächst ist Davids Aufenthalt in Florida auf fünf Monate gesichert, Kostenpunkt 22.000 Euro, die ein Sponsor aus der näheren Verwandtschaft aufbringt. Das Semester absolviert Simon an der Miami Online Highschool. Ob er im September in Österreich die restlichen zwei Jahre des ORG für Spitzensportler absolvieren wird, oder in Florida einen Collegeabschluss macht, hängt vom sportlichen Erfolg ab. Auch eine Rückkehr zum ÖTV ist nicht ausgeschlossen. "Unter optimierten Bedingungen könnte David wieder in der Südstadt trainieren", so Buberl. "Sollte er sich jedoch weiter so kontinuierlich steigern, über den Sommer einen gewaltigen Sprung machen und bei Futures und Satellites mitmischen, dann ist es auch denkbar, dass er die Schule abbricht und Profi wird."

Text: Peter Robic




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