Haider-Maurer: Hoffnung auf Südstadt-Comeback im Herbst



Andi Haider-Maurer hat die Südstadt verlassen, wie Thomas Strengberger im tennisweb.at-Interview erklärte. tennisweb.at lässt auch die Gegenseite zu Wort kommen und bat Andis Manager Bernd Haberleitner zum Gespräch: Über eine mögliche Rückkehr Haider-Maurers in die Südstad, die Gründe und Hintergründe des Ausstiegs, die Hintergründe der Kniegeschichte und wie es für Andi weiter geht.

Bernd, dein Schützling Andi Haider-Maurer ist nun nicht mehr in der Südstadt. Kannst du uns über die Gründe aus deiner Sicht aufklären?
Die zwischenmenschliche Beziehung mit Thomas Strengberger hat nicht mehr gepasst.

Was war da genau?
Andi hat sich bei Thomas einfach nicht mehr wohl gefühlt. Er hatte kein einhundertprozentiges Vertrauen mehr zu ihm. Schon bei den Turnierreisen im Sommer gab es immer öfter Differenzen.

Und was war Auslöser des Abgangs?
Andi ist einer, der den Mund lange nicht aufmacht, auch wenn ihn etwas stört. Irgendwann kommt dann aber zu mir oder seinen Eltern – und so war's auch diesmal.

Zwischenmenschliche Probleme sind ja nicht unüberwindbar. Musstet ihr gleich alle Brücken abreißen? Gab es keine Möglichkeit, in der Südstadt zu bleiben?
Wir haben nach einer Alternative innerhalb der Südstadt gesucht, hatten auch ein Gespräch mit Franker, Platzer und Strengberger. Aber Franker hat gemeint, dass es in der Südstadt leider keine andere Lösung gibt. Der Abgang war aber keineswegs im Bösen, Stan hat sich da sehr professionell verhalten.

Also ist eine Rückkehr denkbar?
Der ÖTV unterstützt Andi weiterhin in allen Belangen, vom Sparring bis zu den Turnierentsendungen. Und wahrscheinlich wird er im Herbst in die HSZ-Truppe aufgenommen.

Wo trainiert er bis dahin?
Bei Ruslan Rainov und Milen Velev beim TC Marco Polo in Wien.

Wie kam es dazu?
Wir haben rasch eine Lösung gebraucht, und da ich Russi und Milen schon lange kenne und sehr schätze, waren sie meine ersten Ansprechpartner. Andi hat sich sofort sehr wohl gefühlt, und wenn alles optimal passt, wird Andi dort weiter arbeiten.

Ist der Ausstieg aus der Südstadt finanziell zu verkraften?
Von der finanziellen Seite gibt es kein Problem. Adidas und Fischer unterstützen Andi ja schon länger. Er ist neben Jürgen Melzer der einzige Adidas-Vertragsspieler in Österreich und ist darüber hinaus im Fischer Future-Team. Außerdem habe ich schon Mitte 2003 eine Firma gegründet, die Kapital für Andi aufbringt.

Ähnlich wie das Tommy Haas-Projekt oder die Investorengruppe um Niki Hofmanova?
Ja, wenn man so will. Ich habe Investoren für Andi gefunden. Als Geschäftsführer verwalte ich das Kapital für Andis Turnierreisen, Training und Therapien. Auch in der Südstadt waren ja beispielsweise die Turnierreisen selbst zu bezahlen.

Wer sind diese Investoren?
Die möchten nicht genannt werden.

Derzeit hat Andi mit langwierigen Knieproblemen zu kämpfen. Was ist da los?
Andi leidet am Patellaspitzensyndrom - vor allem junge, große Sportler sind oft davon betroffen. Wenn in der Wachstumsphase zu wenig Aufbautraining gemacht wird, wird die Kniescheibe stark belastet. Die Patellasehne entzündet sich dann – eine langwierige Geschichte.

Andi hat seit November kein Turnier mehr gespielt. Wie lange dauert es, bis er wieder fit ist?
Er hat im Herbst auf Anraten des Physiotherapeuten ein Kraftaufbauprogramm absolviert. Damit hätte er die Schmerzen in den Griff bekommen sollen. Es wurde aber schlimmer, er musste das Training reduzieren und kann erst jetzt wieder mit Krafteinheiten beginnen.

Wie sieht das Trainingspensum derzeit aus?
Seit Ende November darf er nur eine Stunde täglich Tennis spielen. Täglich hat Andi Behandlungen beim Physiotherapeuten, hat auch spezielle Einlagen bekommen.

Stimmt es, dass er zunächst Schmerzmittel genommen und ohne den ÖTV über die Probleme zu informieren weitertrainiert hat? Thomas wollte dazu nicht Stellung nehmen …
Er hat bei einem Turnier Schmerzmittel genommen, aber das war eine einmalige Sache. Wir waren uns mit Thomas einig, dass die Verletzung natürlich ausheilen soll. Auch weil ja beispielsweise das Schmerzmittel Voltaren auf den Magen geht.

Wie ging es Andi eigentlich, als er so viele wichtige Turniere auslassen musste – die Orange Bowl, die Australian Open?
Für ihn war's extrem hart. Vor allem, weil Spieler Kategorie-I-Turniere gewonnen haben, die er bereits geschlagen hat. Er war nicht dort, und das alles wegen leichter Knieschmerzen – das ist für einen jungen, motivierten Tennisspieler wie ihn natürlich schwer zu begreifen.

Aber die Knie-Geschichte soll lieber vollständig ausheilen?
Genau. Die Jugend-Turniere sind wichtig, aber nicht das Wichtigste.

Wo stände Andi deiner Meinung nach jetzt, wären die Knieprobleme nicht dazwischengekommen?
Wenn er die US-Tour, die Orange Bowl und die Australian Open gespielt hätte, wäre ein Top 10-Ranking möglich gewesen. Andi kann heuer aber immer noch in die Top 10 kommen, das wäre sicher wichtig für sein Selbstvertrauen und um die Aufmerksamkeit einiger Sponsoren zu wecken.

Wann kann er wieder Turniere spielen?
Wir hoffen, dass es sich bis Anfang oder Mitte März ausgeht. Auf jeden Fall erst, wenn er zu 100 Prozent fit ist.

Eure Ziele?
Kurzfristig sicher die restlichen drei Junioren-Grand Slams, die Europameisterschaften und die Orange Bowl – ich denke, jeder Junior sollte dort zumindest einmal mitgespielt haben.

Mittel- und längerfristig?
Mittelfristig steht der Einstieg auf die ATP-Tour am Plan. Heuer soll Andi seine ersten 10 bis 15 ATP-Punkte einfahren. Und längerfristig ist es Andis Ziel, Tennisprofi zu werden, im Bereich der Top 20.

Welche Rolle spielst du als Manager?
Ich versuche als sein Manager alles so professionell wie möglich für Andi zusammenzustellen: Tennistraining, Regeneration, teilweise auch das Freizeitprogramm. Ich bin aber auch eine Art Coach, fahre mit ihm zu Turnieren, natürlich sind wir auch gute Freunde.

Du hast ja selbst ein paar Turniere gespielt. Kannst du ihm da etwas weitergeben?
Ich denke, Milen Velev ist der Mann, der ihm viel beibringen kann. Ich sehe mir die Matches von Andi an, bin im Match auch eine wichtige Bezugsperson.

Siehst du Parallelen zum Alleingang von Ronnie Leitgeb und Thomas Muster, die ja auch den Verband verlassen haben, als Thomas noch Jugendlicher war?
Wir haben auch schon darüber gescherzt, aber man kann das nicht vergleichen. Leitgeb war für Muster ja eine Art Vaterersatz. Wir wollen es einfach so gut und professionell wie möglich machen.

Anders gefragt: Siehst du Haider-Maurer als einen neuen Muster?
Einen neuen Muster gibt es nicht. Aber er ist sicher unsere größte heimische Hoffnung und einer der nächsten österreichischen Spitzenspieler.

Interview: Peter Robic




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