Schock für die Südstadt: Andi Haider-Maurer ist weg!

Andreas Haider-Maurer trainiert nicht mehr in der Südstadt. Über Hintergründe, Zukunft und Hoffnungen spricht Thomas Strengberger im tennisweb.at-Interview.

Gerade läuft das letzte der drei Österreich-Futures. Die Serie wurde ins Leben gerufen, um jungen Österreichern den ATP-Einstieg zu erleichtern. Ausgerechnet die beiden größten ÖTV-Hoffnungen Christoph Hödl und Andi Haider-Maurer waren nicht dabei. Warum?
Christoph ist verletzt, er hat eine Muskelzerrung. Andi ist seit knapp zwei Wochen nicht mehr in meiner Gruppe.

Warum nicht? Wie denn das?
Es war sein Wunsch, das Training mit mir zu beenden.

Kennst du die Gründe? Die Hintergründe? Weißt du, wo er jetzt trainiert?
Ich habe gehört, dass er vorübergehend bei Ruslan Rainov beim Marco Polo trainiert. Aber ich konzentriere mich jetzt auf die Arbeit mit Christoph.

Lass uns aber noch kurz zurück schauen. Warum haben die beiden so wenig Turniere gespielt? Seit der BA-CA-Trophy in der Stadthalle, als die beiden die Wildcards bekommen haben, war Andi nur ein Mal im Einsatz, Christoph nur zwei Mal.
Andi leidet am Patellaspitzen-Syndrom, eine ständige Reizung der Patellasehne. Das Auszukurieren braucht Zeit, und danach müssen die muskulären Disbalancen ausgeglichen werden. Das hat ihn lange außer Gefecht gesetzt.

Man hört, dass er das in Eigenregie behandelt hat. Stimmt das?
Dazu möchte ich nicht Stellung nehmen. Ich habe ihm davon abgeraten, Turniere zu spielen, solange er nicht fit ist.

Und was ist mit Christoph? In Oberösterreich hat er ja glatt gegen Stefan Hirn verloren, beim ITF-Turnier in Bratislava war auch früh Endstation.
Christoph ist noch nicht so gut, dass er einen Stefan Hirn schlagen muss - er kann ihn aber schlagen. Und beim ITF-Turnier waren wir von der Spielstärke seines Gegners ehrlich gesagt sehr überrascht.

Christoph ist 17 und gilt als eines der größten heimischen Talente. Müsste er da einen Stefan Hirn oder vielleicht sogar einen Thomas Schiessling nicht schon im Griff haben?
Von zehn Matches gegen Stefan Hirn gewinnt Christoph derzeit vielleicht drei oder vier. Thomas Schiessling ist aber wohl noch eine Klasse besser einzustufen.

Wann kann er solche Leute schlagen?
Es ist schwer zu sagen, wann ihm der Knopf aufgeht. Spielerisch kann er mehr, als seine Ranglistenplatzierungen sagen – wir werden sehen, was er draus macht.

Wie geht’s turniermäßig bei euch weiter?
Christoph hätte eigentlich die beiden Bergheim-Futures spielen sollen, dann kam aber die Zerrung dazwischen. Jetzt hoffen wir, dass es sich für die Hallen-Staatsmeisterschaften ausgeht. Er soll dort Quali spielen, er braucht viele Matches.

Blicken wir noch einmal zurück in den Herbst, als du noch mit Haider-Maurer und Hödl gearbeitet hast. War es im Nachhinein richtig, den beiden die Stadthallen-Wildcards zu geben?
Wir haben uns nicht um die Wildcards beworben, sie wurden an uns herangetragen. Wenn die Verletzungen nicht gewesen wären, hätte sich der Punkt für beide ausgezahlt. Sie wären bei den Futures in der Quali gewesen. Alles ist seither denkbar ungünstig verlaufen. Aber sie haben dort gesehen, dass zumindest spielerisch nicht so viel zur Spitze fehlt.

Woran fehlt's?
In allen Bereichen, in erster Linie mental. Da muss man noch sehr viel verbessern.

Was sind für heuer eure Ziele? Die ersten beiden, die Orange Bowl und die Australian Open, musstet ihr ja auslassen.
Christoph soll den Cut für Wimbledon schaffen, für Roland Garros wird es sich wohl nicht ausgehen. Ich möchte, dass er die Erfahrung macht, gegen die besten Jugendlichen zu spielen – und die kommen eben nur zu den Grand Slams. Und natürlich soll er auch auf Future-Ebene erste Erfahrungen sammeln.

Wird jetzt, da nach Andis Abgang quasi ein Platz freigeworden ist, über einen Nachfolger nachgedacht? Richard Ruckelshausen, Herbert Weirather oder Kristofer Wachter fallen mir da ein …
Ich denke, dass diese Burschen und auch ein Gerald Kamitz auf einer Stufe mit Christoph stehen. Soweit ich weiß, haben Wachter und Weirather aber kein Interesse, in die Südstadt zu kommen – beide kommen aus Vorarlberg und sind dort privat, aber gut versorgt. Die beiden waren auch nicht bei der letzten Sichtung, ebenso Gerald Kamitz nicht. Am ehesten hätte wohl noch Ruckelshausen Interesse, der ja in Wien wohnt.

Gab es schon konkrete Gespräche?
Nein, und ich bin auch nicht der Mann, der das entscheidet. Ich habe vorgeschlagen, die Burschen einzuladen. Der Sportdirektor wird das entscheiden.

Apropos ... wie ist dein Verhältnis zu Stan Franker? Wie siehst du seine Arbeit?
Ich habe großen Respekt vor seinen Erfolgen und seiner Erfahrung. Leider steht er aber nur eine Woche pro Monat zur Verfügung. Das ist meiner Meinung nach zuwenig.

Was sollte man anders machen?
Ich schätze Stan Franker und seine Arbeit und würde mir wünschen, dass er immer da ist. Er gibt am Platz oft hilfreiche Tipps, hat auch organisatorisch viel bewegt, die Südstadt wurde wieder belebt.

Stan Franker selbst sagt, dass er nicht ewig in Österreich bleiben wird. Weißt du Näheres?
Ich hab nicht mehr Informationen als alle anderen – die Geschichte im "Standard" und das tennisweb.at-Interview.

Was würde sich ändern, wenn Franker geht?
Für mich wohl nicht viel. Ich würde meine Arbeit am Platz wohl weiter führen.

Interview: Peter Robic




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