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Für ein Turnier nach Korea – Jeder Punkt zählt!
20. Mai 2013. Philipp Oswald legt seit dieser Saison seinen Fokus aufs Doppel. Im Interview mit tennisfabrik.at erzählt er, wieso eso es derzeit so schwierig ist, sich im Doppel nach vorne zu spielen; er spricht über das komische Gefühl gegen alte Freunde anzutreten und analysiert warum er den Durchbruch im Einzel nicht geschafft hat.


Du bist gerade für ein einziges Turnier nach Südkorea geflogen. Wie kam es dazu?
Ich spiele für die Wimbledon-Quali, da brauche ich jeden Punkt. Ich wollte Bordeaux spielen, aber ich wusste, dass es mit dem Cut eng wird. Und Busan war die beste Chance auf Punkte. Mit dem Viertelfinale hat dann nicht so viel rausgeschaut.
Du bist gemeinsam mit Andreas Siljestrom angetreten – im Finale von Tunis hast du an der Seite von Dominik Meffert gegen ihn gespielt...
Das hat sich sehr kurzfristig ergeben. Ich spiele die Saison fix mit Meffi. Aber er wollte ein Turnier in Düsseldorf quasi vor seiner Haustüre spielen. Da ich in Bordeaux wohl nicht reingekommen wäre, wollte ich in Korea mit Prakash Amritraj aus Indien spielen. Der hat sich aber verletzt. Ich hatte den Flug schon gebucht und habe dann kurzfristig Andreas Siljestrom gefragt. Der hat zugesagt und wir sind rüber geflogen.
Die Partner-Suche ist sicher nicht immer einfach.
Natürlich ist es fein, wenn man einen fixen Partner hat und weiß, dass man ins Turnier reinkommt. Beim Challenger kann man sich ja nicht mehr fürs Doppel anmelden, wie beim ATP-Turnier, sondern man muss beim Sign In vor Ort sein. Das ist ein gewisses Risiko wenn man nur fürs Doppel hinfährt. Ich erstelle mir anhand der Einzel-Acceptance-List eine eigene Acceptance-List fürs Doppel und rechne mir aus, ob ich ins Turnier reinkomme.
Das klingt nach großem Aufwand.
Ich glaube es gab noch nie so wenige Challenger wie heuer. Gerade im Doppel ist es schwer zu planen, wo man spielt, da die Dichte so enorm ist. Weil es so wenige Challenger gibt, liegt der Cut teilweise bei 200 (die Rankings beider Spieler addiert, Anm.) Und in die ATP-Turniere kommt man auch nicht. Aber im Sommer ist die Situation dann besser, da gibt es mehr Turniere.
Habt ihr schon einen Turnierplan für die nächsten Wochen?
Caltanissetta und Nottingham sind die nächsten Turniere. Und ich schiele auf die Wimbledon-Quali.
Dominik Meffert steht im Einzel um 200, im Doppel um 150 – wo liegt sein Fokus?
Meffi ist 32 und er hat im Sommer viele Punkte im Einzel zu verteidigen. Im Dezember hat er mich angerufen, weil er von Alex Peya auf der Hochzeit von Michael Kohlmann gehört hat, dass ich mich aufs Doppel konzentrieren möchte. Ich hab gewusst, wir spielen super zusammen. Und wir haben entschieden, uns gemeinsam im Doppel hochzuspielen.
Was sind eure Ziele?
Er hat heuer auf 450 begonnen und steht jetzt schon auf 146. Wir wollen den Sprung auf ATP-Ebene schaffen. Die Top 70 wollen wir am Jahresende schaffen. Ich hab bis Kitzbühel praktisch keine Punkte zu verteidigen. Und im Sommer sollte es dann auch leichter werden in die Turniere zu kommen.
Wie zufrieden bist du mit der Saison bisher?
Im Moment bin ich sehr zufrieden, auch wenn ich heuer bis jetzt knapp 9.000 Dollar verdient habe, letztes Jahr 55.000 – alles vor Steuern. Im Doppel gibt es natürlich weniger Preisgeld. Ich hab die Kosten aber voll im Griff. Früher bin ich mit Coach zu den Turnieren gefahren, jetzt bin ich immer ohne Betreuung bei den Turnieren. Meffi und ich coachen uns gegenseitig.
Hast du noch einen Coach?
Ich habe das Training jetzt anders geregelt. Wenn ich daheim in Vorarlberg bin, trainiere ich mit Joachim Kretz beim Verband. Wir legen dann den Fokus auf Volley- und Stellungsspiel, was ich vorher nie gemacht habe. Wenn ich die Möglichkeit habe, trainiere ich aber auch voll Einzel – da sehe ich auch meine Vorteile gegenüber anderen Doppelspezialisten. Bei den Turnieren bin ich dann ohne Coach unterwegs.
Wann hast du dich fürs Doppel entschieden?
Ich hab letztes Jahr nach Kitzbühel nur noch einen Punkt im Einzel gemacht, in Japan hab ich zwei Mal in der ersten Runde verloren. Ich hab mir überlegt, dass ich schon gerne ein bisschen Geld mit dem Tennis verdienen möchte. Und nach Gesprächen mit Alex Peya und Julian Knowle habe ich dann eine Entscheidung getroffen. Alex hat mir gesagt, dass er sich wahrscheinlich zwei Jahre zu spät aufs Doppel konzentriert hat. Auch Julian hat sich erst mit circa 31 spezialisiert.
Hast du dich fürs Doppel entschieden, weil du gesehen hast, dass Leute wie Alex Peya, Julian Knowle oder Oliver Marach gut davon leben können?
Es war sicher auch ein Grund. Und weil ich glaube, dass ich es im Doppel unter die ersten 50 eher schaffe, als im Einzel unter die ersten 100.
Warum hat es für dich im Einzel nicht geklappt?
Ich hatte immer das Gefühl, ich bin spielerisch im Einzel dabei. Mir hat die Konstanz gefehlt, vielleicht hatte ich auch nicht den Fitnesslevel für die Top 100. Dann habe ich jedes Jahr auch circa 20 Ligamatches gespielt und bin danach immer gleich wieder zu den Turnieren gefahren. Ich spiele heuer auch Liga; aber da das Doppel später beginnt, habe ich mehr Zeit mich zu regenerieren.
Siehst du dich als Nachfolger der heimischen Doppelspezialisten?
Julian Knowle spielt noch immer ein Top-Niveau, sicher noch einige Jahre. Jürgen Melzer sowieso, der konzentriert sich vielleicht in ein paar Jahren dann noch voll aufs Doppel. Alex Peya und Oliver Marach sind sicher auch noch einige Jahre dabei, Doppel kann man ja bis an die 40 auf hohem Level spielen. Ich bin mit 27 ja noch relativ jung fürs Doppel und hoffe, dass ich schon bald neben denen stehe.
Wie stehen die Chancen das eine oder andere Turnier mit einem anderen heimischen Top-Doppelspieler zu bestreiten?
Ich bin mit allen in Kontakt, habe aber derzeit noch ein zu schlechtes Ranking für viele Turniere. In Casablanca hatte ich die Riesenchance mit Alex Peya ein ATP-Turnier zu spielen, da sein Partner Bruno Soares in dieser Woche nicht gespielt hat. Doch Alex kam am Samstag zum Frühstück mit einer total geschwollenen Backe, er konnte wegen Zahnproblemen nicht spielen. Das ist Pech.
Aber ich bin natürlich immer parat wenn einer von den Großen anruft und sagt, ich soll mit ihm spielen.
Zu Jahresbeginn hast du zwei Mal gegen deinen Kumpel Martin Fischer gespielt. Ihr habt ja gemeinsam zahlreiche Turniere gespielt, auch viel gewonnen. Wie ist das, wenn man sich auf einmal gegenüber steht?
Fisch wäre meine erste Wahl fürs Doppel gewesen, aber er wollte es noch einmal im Einzel probieren. Die Matches waren schwierig. Beim ersten war er etwas gehemmt. Beim zweiten dann ich. Wir werden aber bestimmt wieder das eine oder andere Turnier gemeinsam spielen.
2007 hast du in einem Interview gesagt, dass du Davis Cup für Österreich spielen möchtest.
Das ist mein Traum. Aktuell bin ich die Nummer fünf im Doppel und natürlich kein Thema. Aufgestellt wird nach Leistung. Ich muss schauen, dass die passt und dann bin ich vielleicht einmal dabei.
Interview: Peter Robič

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